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So wurden Fotos um die Welt geschickt, als es das Internet noch nicht gab

Der analoge Fototransmitter 16-S von UPI brauchte für die Übertragung eines einzigen Schwarz-Weiß-Bildes noch geschlagene sieben Minuten.

von Johannes Hausen
29 Juli 2015, 9:39am

Foto: Screenshot YouTube

Fotojournalismus war in Zeiten des Arpanets ein echter Kraftakt. Denn Pressefotografen hatten anstatt einer einzigen Digicam in der Regel fünf schwere Koffer mitzuschleppen, die bisweilen pro Stück 40 Kilogramm auf die Waage brachten. Einer von ihnen enthielt einen sogenannten Fototransmitter, wie den 16-S von UPI im obigen Video.

Er ermöglichte es den rasenden Fotoreportern, von überall auf der Welt, wo sie einen Telefonanschluss fanden, ihre Bilder in die heimischen Redaktionen zu schicken. Mit einer Übertragungszeit von sieben Minuten für ein Schwarz-Weiß-Bild und bis zu einer halben Stunde bei Farbfotos (bei internationalen Verbindungen auch gerne mal eine volle Stunde) lieferten die Fototransmitter nicht gerade schnell, dafür aber zuverlässig ab—vorausgesetzt die Leitung brach nicht ab.

Der 16-S wurde Anfang der 1970er eigens von United Press International, einer der damals weltweit führenden Presseagenturen, entwickelt. Er kam zum Einsatz, nachdem die Fotografen ihre Bilder dank einer tragbaren Dunkelkammer (das notwendige Equipment dafür transportierten sie in einem der anderen Koffer) direkt vor Ort entwickelt hatten: Der Abzug (20x25 cm) wurde auf die Walze gelegt, die sich nach Einschalten des Transmitters in konstanter Geschwindigkeit zu drehen begann, während ein Laser Zeile für Zeile des Fotos scannte und ein akustisches analoges Signal produzierte, das schließlich per Telefonleitung übertragen werden konnte.

Obwohl das Gerät dabei einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugte, wurde es aufgrund seiner Zuverlässigkeit von UPI noch bis 1991 eingesetzt. Chris Wilkins beschreibt in einem Artikel für die Dallas Morning News, was es hieß, „in der guten alten Zeit" ein Fotojournalist bzw. „Packesel" zu sein und mit dem 16-S zu arbeiten. Mit dem Aufkommen der ersten echten Digicams Anfang der 1990er war das Ende der analogen Fototransmitter dann schnell besiegelt. Nicht nur für die Rücken weltweiter Pressefotografen, die fortan nur noch mit einem Rucksack statt fünf Koffern reisen mussten, sondern auch für die Fotografie im Allgemeinen brach ein neues Zeitalter an.

Dieses Bild von Soldatinnen der laotischen Armee wurde am 25. November 1961 per Fototransmitter an den Newsdesk der AP geschickt. Foto: Imago/ZUMA/Keystone

Noch wenige Jahre zuvor hatte Hasselblad den Dixel 2000 auf den Markt gebracht. Der erste digitale Fototransmitter hatte sich bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984 bewährt und wurde ab 1988 von der französischen Agentur AFP eingesetzt. Der Dixel bot gegenüber den analogen Modellen zwei deutliche Vorteile: Fotografen konnten ihre Negative direkt einscannen (was das lästige Herumschleppen der tragbaren Dunkelkammer hinfällig machte) und die Fotos schneiden sowie mit einer Überschrift versehen, bevor sie gesendet wurden. Außerdem brauchte der Dixel für ein Farbfoto nur rasante drei Minuten, ein Bruchteil der Übertragungszeit des 16-S.

Doch trotz seiner überzeugenden neuen Features schaffte es der Dixel 2000 nicht, seine analogen Kollegen überflüssig zu machen, denn er hatte einen entscheidenden Nachteil: Der Dixel war aufgrund seiner Fragilität schlicht nicht reisefähig. Während er im stationären Einsatz überzeugende Dienste ablieferte, verlor er on the road gerne mal eine Platine oder Abtast-Einheit. „Der Dixel wurde so unzuverlässig, dass wir schon bald wieder das alte Gerät für den Notfall mit uns herumtrugen. Und schon gab es wieder einen weiteren Koffer zum Tragen", so Wilkins.

Der UPI 16-S verteidigte also tapfer seine Daseinsberechtigung, solange bis ihn die Digitalfotografie endgültig abschaffte, und feiert dieser Tage seine 15 Minutes of Fame im Internet.

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