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Ein neuer Bluttest entdeckt jeden Virus, den du jemals hattest

Für 22 Euro zur eigenen VIren-Chronik.
Foto: Imago/Sciene Photo Library

Unser Immunsystem hat ein wirklich außergewöhnlich gutes Langzeitgedächtnis. Das ist der Grund, warum man nur einmal die Windpocken bekommt und danach nie wieder. Denn unser Körper hat bereits die entsprechenden Antikörper gebildet, um die Krankheit abzuwehren. Und er erinnert sich sogar an die Viren, denen wir unbewusst ausgesetzt waren und von denen wir niemals wussten, dass wir uns mit ihnen infiziert hatten.

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Forscher der Harvard University haben jetzt eine raffinierte neue Technik entwickelt, die das Immunsystem veranlasst, jeden einzelnen Virus, mit dem wir jemals infiziert waren, preiszugeben.

„Wir haben eine Untersuchungsmethode entwickelt, mit der wir im Prinzip in die Vergangenheit des Bluts der Menschen gucken können, um zu sehen, welche Viren sie hatten."

Die Technik nennt sich VirScan und hat ein ziemlich einfaches Konzept. Forscher nehmen dazu die Antikörper in unserem Blutkreislauf unter die Lupe und schlussfolgern daraus, welche Viren attackiert werden sollten. Die Antikörper überhaupt sichtbar zu machen, ist allerdings etwas komplizierter.

Laut den Forschern sind 206 Arten von Viren bekannt, die den Menschen infizieren. Jeder von ihnen hat spezifische DNA-Stränge (oder RNA, im Fall von Retroviren), anhand derer sie identifiziert werden können. Stephen Elledge, Genetiker an der Harvard Medical School, untersuchte mit seinem Team Ausschnitte dieses genetischen Codes und setzte ihn in Bakteriophagen ein (Viren, die Bakterien als Wirt nutzen und deshalb risikofrei in den menschlichen Körper gesetzt werden können).

Die Bakteriophagen werden anschließend in eine Blutprobe eingesetzt—ein paar Tröpfchen reichen schon. Die Antikörper attackieren dann all die Viren, die sie schon kennen. So kann das Team von Elledge rückfolgern, mit welchen Viren dein Körper bereits infiziert worden war.

„Wir haben eine Untersuchungsmethode entwickelt, mit der wir im Prinzip in die Vergangenheit des Bluts der Menschen gucken können, um zu sehen, welche Viren sie hatten", so Elledge. „Anstatt immer nur auf einen Virus gleichzeitig zu testen, was sehr viel Laborarbeit bedeutet, können wir jetzt viele auf einmal untersuchen."

Das ist vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass unser Immunsystem sehr komplex ist. Mediziner gehen davon aus, dass scheinbar harmlose Viren durch komplexe Interaktionen eventuell zu Krankheiten beitragen, die typischerweise nicht als als virenbedingt gelten.

„Ein Virusinfektion kann nicht nur direkt eine akute oder chronische Krankheit verursachen, sondern auch das Immunsystem auf subtile Weite verändern und einen nicht mehr entfernbaren Fußabdruck hinterlassen", schreibt Elledge in einem Paper, das in Science erschien. „Das Zusammenspiel zwischen Virom [die Gesamtheit aller Viren im menschlichen Körper] und Immunsystem spielt eine Rolle in der Krankheitsentwicklung bei Typ-1-Diabetes, Darmentzündungen und Asthma."

Durchgeführt wurde der VirScan mit insgesamt 569 Blutspendern aus vier Ländern auf vier Kontinenten: USA, Südafrika, Thailand und Peru. Kaum überraschend, variierte die Anzahl der Krankheitserreger von Person zu Person erheblich. Im durchschnitt waren es 10 Viren pro Testperson, zwei Probanden gar 84 verschiedene Infektionen gehabt. Das Team schätzt, Kosten von 25 US-Dollar pro Testperson gehabt zu haben.