Der Stoff, aus dem die Zombies sind

Die Geschichte des Harvard-Forschers, der in Haiti tote Kinder ausgrub, um endlich das Zombie-Gift in den Händen zu halten.

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12 Oktober 2016, 5:00am

Clairvius Narcisse in den 80er Jahren. Bild: Wikimedia Commons | Gemeinfrei

Am 30. April 1962 erliegt Clairvius Narcisse nach längerer Krankheit im Albert Schweitzer-Krankenhaus in Haiti seinen Beschwerden. Er hatte über Wochen Blut gehustet und hohes Fieber. Zwei Ärzte, beide davon in den USA ausgebildet, erklären ihn um 12:44 Uhr für tot durch Herzstillstand, am darauffolgenden Tag wird der noch junge Mann unter Anwesenheit seiner weinenden Familie beigesetzt.

Achtzehn Jahre später bekommt Angelique Narcisse den Schreck ihres Lebens. Als sie über den Marktplatz ihrer Heimatstadt schlendert, steht urplötzlich ein verwahrloster Mann vor ihr, der behauptet, ihr Bruder Clairvius zu sein. Er sei von den Toten zurückgekehrt und hätte jahrelang als willenloser Zombie auf einer Plantage schuften müssen, erzählt er. Anschließend beschreibt er Details seiner Beerdigung, weist sich mit einem Spitznamen aus, den er als Kind hatte und zeigt seiner völlig aufgelösten Schwester eine Narbe im Gesicht, die ein Sargnagel verursacht hat.

Totaler Quatsch? Für viele Westler sind Zombies höchstens eine Fantasie und Gegenstand der Popkultur in Michael Jackson-Musikvideos, Kostümen und Horrorfilmen, die uns rund um Halloween als schlurfende, halb verrottete Menschenfleischfresser-Karikaturen begegnen, die komische Geräusche von sich geben und willenlos in Richtung menschlichem Gehirn humpeln.

Doch in Haiti ist der Zombie ein fester, wenn auch allgemein gefürchteter Bestandteil der Kultur und Ausdruck allgegenwärtiger, mächtiger Hexerei. Tausende neue Zombiefizierungs-Fälle werden jedes Jahr in Haiti gemeldet; selbst im Strafgesetzbuch hat der Prozess Eingang gefunden (er gilt als Mord). So verbreitet ist das Phänomen, dass man in haitianischen TV-Nachrichten manchmal Menschen begegnet, die behaupten, Zombies zu sein und ihre eigene Todesurkunde in die Kamera halten.

Was ist also dran am Begriff „Zombie" und lässt sich die Zombiefizierung auch mit unserem Verständnis irgendwie greifen? Gibt es eine ganz rationale, wissenschaftliche Erklärung für die vermeintliche Magie—sind die herumirrenden „Untoten" vielleicht einfach psychisch krank? Wie genau könnten es die Bokor genannten Hexer aus rein wissenschaftlicher Sicht überhaupt schaffen, bereits beerdigte Menschen in willenlose Wiedergänger zu verwandeln?

Auf der Suche nach dem geheimen Zombiegift-Rezept

Das wollte Wade Davis herausfinden, wohl einer der schillerndsten und umstrittensten Figuren der modernen Anthropologie, der auf der Suche nach einem mysteriösen Zombiepulver ethische Grenzen links liegen ließ, sich nebenbei den Spitznamen „Indiana Jones der Anthropologie" verdiente—und am Ende die Forschung doch in eine neue Richtung lenkte, die über rein stoffliche Fragen hinausgeht.

Die Schriftstellerin Zora Neale Hoston berichtete 1936 erstmals von einem Gift, das Voodoo-Priester zur „Zombiefizierung" einsetzen würden. Es sei ein Pulver geheimer Zusammensetzung—so stark, dass es jemanden „an die Schwelle des Todes bringen konnte; aber ihn auch davon wieder zurückholen kann", und auch in der Forschungsliteratur über Voodoo-Rituale spielt das sogenannte Zombiepulver immer wieder eine zentrale Rolle.

Als Ethnobotanist an der Uni Harvard erforschte der weit gereiste Davis besonders die Beziehungen von Pflanzen und Menschen in verschiedenen Kulturen und durch Rituale. Nachdem der Fall des Zombies Clairvius Narcisse so ausführlich dokumentiert bis an die Uni Harvard hinüber schwappte, war Davis' Forschungsinteresse und seine Abenteuerlust geweckt. Allein aus chemischer Sicht interessierte ihn brennend, welche Substanz Menschen vermeintlich in Zombies verwandeln sollte. Selbstverständlich wäre die Entdeckung eines solchen Mittels, das Menschen scheintot macht und Tote zum Leben erweckt, auch eine Sensation. Könnte es sich um ein brandneues Anästhetikum handeln? War es eine Rauschdroge? In jedem Fall war das vermeintliche Zombiepulver eine Substanz, deren Untersuchung interdisziplinär, aber insbesondere medizinisch-pharmakologisch hochinteressant für Forscher war.

Der Ethnobotaniker, Anthrolopoge und Abenteurer Wade Davis (2011). Bild: imago

Es gab nur ein kleines Problem: Kein Hexer, so hieß es in der Literatur, würde jemals die Formel für das geheimnisvolle Zombiepulver herausrücken—schon gar keinem Weißen. Das ließ Davis nicht auf sich sitzen. Angespornt von seinem Mentor und Professor, einem berühmten Forscher und Psychedelika-Pionier, machte sich der junge Davis 1982 auf nach Haiti, um das Gegenteil zu beweisen. Sein Ziel: das Zombiepulver nicht nur zu finden, sondern zur Untersuchung nach Amerika zurück zu bringen.

Davis tauchte tief ein in die Geheimgesellschaften des Voodoo (das im Kreolischen eigentlich Vodun heißt), recherchierte bei Dutzenden Hexenmeistern, wohnte unzähligen Ritualen bei, gewann Vertrauen und sammelte massenweise geheime Rezepte. Seine Beobachtungen schrieb er 1985 in dem Buch The Serpent and the Rainbow nieder; „eine erstaunliche Reise in die Geheimgesellschaften des Haitischen Voodoos, Zombies und Magie", wie es im Untertitel heißt. Doch selbst der anerkannte Harvard-Wissenschaftler, der so viel wie niemand anderes über Zombies herausgefunden hat, verhedderte sich in den Fängen der komplexen Kultur Haitis.

Tote Kinder ausgraben für's Zombiepulver?

Zwar versuchte Davis bei seiner Jagd nach dem Zombierezept nicht selbst, Menschen von den Toten zurückzuholen—wohl aber, tote Menschen von ihrer letzten Ruhestätte zu holen. Da eine der Zombiepulver-Zutaten menschliches Gewebe sein sollte, beauftragte Davis einen Grabräuber, das verweste Fleisch eines kürzlich verstorbenes Kind wieder auszugraben. Von der Prozedur, zum Beispiel, als er mit einem Stock im verwesten Hirn des Kindes herumstochert, gibt es im Buch—das später zum Bestseller wurde— sogar Fotos. Wie nicht anders zu erwarten, wurde Davis für diese ethische Grenzüberschreitung heftig von anderen Wissenschaftlern kritisiert.

Nichtsdestotrotz: Davis schien als erster Mann überhaupt tatsächlich dem Geheimnis des Zombiepulvers auf die Spur gekommen zu sein. Wir teilen hier das Wade'sche Rezept für Zombiegift aus bester Quelle:

  • geraspelte Menschenknochen
  • Sekrete einer blauen Kröte, aufgekocht
  • Gift des Kugelfisches
  • Spanische Boa
  • Daterius teremoniom (eine psychedelische Pflanze)
  • Seidenbohne
  • Feuerwurm
  • Distel
  • Tarantel
  • Cashewblätter (in veränderlichen Anteilen)

Die entscheidende Zutat in dieser interessanten Melange: Der Kugelfisch. Denn der enthält das hochtoxische Gift Tetrodotoxin, oder TTX. Wie jeder Sushimeister weiß, genügt ein Hauch davon, um einen Menschen ins Jenseits zu befördern (deshalb dürfen diesen Fisch, der in Japan als Fugu bekannt und beliebt ist, auch nur speziell ausgebildete Köche tranchieren). TTX ist eins der stärksten Gifte der Welt; die tödliche Dosis beträgt etwa zehn Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Das Geheimnis des Kugelfischs

Davis nimmt an, dass das Gift des Kugelfischs TTX für die temporäre Lähmung verantwortlich ist, die sich kaum vom Tod unterscheiden lässt. Bild: imago

Doch wie Davis darlegte, wüssten viele haitianischer Hexenmeister (Bokor), wie sie sich den gefährlichen Kugelfisch zunutze machen: Denn wer die Dosierung exakt kontrolliere, könne einen Menschen in einen außergewöhnlichen Zustand versetzen. TTX blockiert die Natriumkanäle in den Nerven, lähmt die Muskulatur und das Herz schlägt so langsam, dass man es nicht mehr vernehmen kann. „Aus ethnopharmakologischen Untersuchungen wissen wir, dass das Gift den Stoffwechsel des Opfers fast bis zum Tod herab senkt", schreibt Davis. Das Opfer erscheint zunächst tatsächlich tot (und verstirbt manchmal auch wirklich durch Ersticken im Grab oder einer Überdosis). Tatsächlich ist auch im Zusammenhang mit Fugu-Vergiftungen in Japan ähnliches Verhalten in der Literatur dokumentiert. Ein Mann, der an einer Fugu-Vergiftung litt, erwachte erst sieben Tage später in einem Leichenschauhaus.

Soll der Zombie wieder zum Leben erweckt werden, wird dem Opfer eine Paste aus Psychedelika gefüttert, die sie in einen hilflosen Zustand der Verwirrung versetzt:

„Der weitverbreitete Glauben an die Existenz von Zombies in Haiti beruht aber auf den Vorfällen, in denen das Opfer die korrekte Dosis Gift erhalten hat, im Sarg aufwacht und vom Zombiemacher aus dem Grab gezerrt wird. Das Opfer, noch unter dem Einfluss der Droge und von der Situation beeindruckt, wird sofort von den Assistenten des Zombiemachers geschlagen. Dann wird er gefesselt und vor ein Kreuz geführt, um dort auf einem neuen Zombienamen getauft zu werden. Nach der Taufe wird er gezwungen, eine Paste zu essen, die eine starke Dosis der mächtigen psychoaktiven Droge Datura Stramonium enthält, die in Haiti als „Zombiegurke" bekannt ist und die Opfer in einen psychotischen Zustand versetzt. Noch während dieser Vergiftung wird der Zombie weggebracht",

beschreibt Davis in seinem Buch.

Davis und die Zombieratten—doch Kollegen sind nicht überzeugt

Tatsächlich schaffte es der Forscher, mit acht verschiedenen Proben des Zombiepulvers von acht verschiedenen Voodoo-Hexenmeistern nach Amerika zurückzukehren—und bekam prompt den Titel „Indiana Jones der Anthropologie" verpasst. Er begann, das Gift an Ratten und Affen zu testen. Die Ergebnisse beschreibt er im Harper's Magazine als „höchst vielversprechend"; die Tiere erholten sich nach einer Weile bei korrekter TTX-Dosierung vollständig.

Doch bis heute ist ungeklärt, ob TTX aus Kugelfischen wirklich als medizinischer Grund für Zustände dienen können, die als Zombifizierung bekannt sind. Noch heute streiten sich Forscher über die genaue Wirkweise des Giftcocktails, die zwischen dem erklärten Todeszeitpunkt und den desorientiert herumirrenden Menschen liegen, die in Haiti als Zombies bezeichnet werden. Bald nach seiner Rückkehr wurde auch an der Wissenschaftlichkeit von Davis' Methoden Kritik laut. Zwar enthielten sieben der acht Proben aus Haiti TTX, aber nur insignifikant kleine Mengen. Daher könne der Schluss, die Zombiefizierung müsse durch das Kugelfischgift ausgelöst werden, nicht ausreichend belegt werden, bilanzierten beispielsweise Kao und Yasumoto zwei Jahre nach Davis's Rückkehr. Andere Forscher, wie der haitianische Arzt Roland Littlewood, haben „lebende Zombies" untersucht und bieten handfestere Erklärungen wie Lernbehinderungen oder Psychosen an.

Auch die nicht einsetzende Totenstarre warf Fragen auf: Denn TTX blockiert Nervenimpulse und damit die Muskelkontraktion. Das Gift TTX drückt sich im Körper also in einer schlaffen Lähmung aus, doch verhärtet den Muskeltonus nicht, wie es bei Toten der Fall wäre.

Bei einem Fest zu Ehren des Geistes Baron Samedi, hier dargestellt durch das Kreuz, in Port-au-Prince, Haiti. Bild: imago

Davis erwiderte, diese Gifte seien nach dem Trial-and-Error-Prinzip hergestellt worden und würden mal funktionieren, mal den Patienten töten, mal gar keinen Effekt haben. Doch keine einzelne Droge kann ein Phänomen im Ganzen erklären—und hier, nämlich in der soziologischen Untersuchung und eben nicht in einer medizinisch akkuraten Abhandlung des Themas Zombies, liegt die wirkliche große Leistung des Harvard-Forschers. Der Zombie mag sich in der Popkultur zwar als körperlicher Zustand eingebrannt haben, tatsächlich ist er aber eher ein soziales Konstrukt.

Traurige Wahrheit: Der Zombie als ewiger Sklave

Denn mindestens genauso wichtig für die Zombifizierung, betonte Davis, sei die Erwartung des Opfers über die Wirkung des Pulvers, die durch Sozialisierung angelernt sein könnte. Wade berichtete von seinen Reisen nach Haiti ebenfalls, dass Zombies klaglos auf Feldern mit anderen Zombies schufteten, wie es auch Clairvius Narcisse berichtet hatte. Das legt nahe, dass ihre Meister in der Lage sind, das Opfer durch die Gabe von psychoaktiven Mitteln für einen längeren Zeitraum im Zombiezustand zu halten.

Er ist die Verkörperung der Entpersonaliserung und der Abhängigkeit—verdammt, selbst nach dem Tod noch einem Herrn zu dienen und für ihn zu schuften.

Der Zombie ist aber nicht nur ein lebender Toter, sondern auch Sinnbild für ewige Sklaverei—und das hat mit der tragischen politischen Entwicklung Haitis mindestens so viel zu tun wie mit den religiösen Überzeugungen. So schreibt auch die Haiti-Expertin Amy Wilentz von der Uni Harvard; „obwohl es Pulver und Kugelfischgift geben mag, die einen totenähnlichen Zustand in manchen Menschen hervorrufen mögen, ist der Grund, wieso die Figur des Zombies in Haiti so mächtig ist, die Geschichte [des Landes] und genauer, die Konzentrationslager-ähnliche Kultur der Sklaven-Plantagen."

Im französisch kolonialisterten Haiti, das damals noch Saint-Domingue hieß, war das Leben extrem hart und Sklaverei üblich, seit Christopher Columbus die ersten Afrikaner auf die Insel Hispaniola gebracht hatte. Selbstmord war noch im 18. Jahrhundert der einzige Ausweg für die Sklaven, in das „lan guinée" zurückzukehren: Wörtlich, nach Guinea oder zurück nach Westafrika, aber—im übertragenen Sinne—„in den Himmel", wie die Phrase im Kreol noch heute heißt. Der Suizid war somit die einzige Möglichkeit der Versklavten, Freiheit und Kontrolle über ihre Körper zurückzugewinnen.

Die Aufgabe, die Verstorbenen in den Himmel, das freie Afrika zu transportieren, fällt im Volksglauben dem wohl dunkelsten und kompliziertesten Geist des haitianischen Voodoo zu: Dem Todesgeist Baron Samedi, gern dargestellt als skelettartiger Herr im schwarzen Frack und Zylinder, der eine unersättliche Vorliebe für Fladenbrot, Rum und Zigaretten hat, mit leiser Stimme scharfzüngig redet und generell unberechenbar ist. Hast du den gefürchteten Baron Samedi in deiner Lebzeit beleidigt oder übergangen, kann es gut sein, dass er dich nicht hinüber lässt ins Lan Guinée und dich zum Zombie macht. Zu einem Zombie wurde zum Beispiel, wer die Gesetze der Bizango verletzt hat: Das waren die Geheimbünde aus geflüchteten Sklaven („Maroons"), die das Voodoo noch heimlich praktizierten, obwohl ihnen das im französischen Kolonialismus, der immer auch missionarischen Anspruch hatte, strengstens verboten war.

Darstellung eines Zombies aus Haiti. Bild: JNL (Jean-Noël Lafargue), FAL, Wikimedia Commons | Gemeinfrei

So ist die Zombiefizierung eine Art gesellschaftliche Strafe für ein Vergehen, das der Todesstrafe gleichkommt, den Beschuldigten aber letztlich am Leben lässt. Das macht den Zombie zum ultimativen Sklaven: Er ist die Verkörperung des Verlusts des eigenen Willens, der Entpersonaliserung und der Abhängigkeit—verdammt, auch nach dem Tod noch einem Herrn zu dienen und für ihn zu schuften. Und so kann eben auch niemand, der weiß, reich, sicher und frei ist, ein Zombie werden, wie es VICE-Autor Morris Hamilton bereits vergeblich versucht hat. „Selbst wenn er gutes Geld bezahlt", bemerkt die Autorin Amy Wilentz leicht sarkastisch.

Doch solange das Voodoo—immerhin eine Religion, die 60 Millionen Menschen praktizieren— in Horrorfilmen ausgebeutet „als Outlet für den Ausdruck von rassistischen Ängsten herhalten muss", so der Harvard-Forscher Adam McGee in einem Paper, wird ihm auch ein verzerrter, exotisierter Ruf anhaften. Ein Ruf, der sich im wohligen Grusel ausdrückt, den Zombiefilme bei uns heute noch hervorrufen und der letztlich ausdrückt: Wir geben uns zu wenig Mühe, die traurige und beschwerliche Kulturgeschichte der Kolonialisierten und Versklavten zu verstehen, um das Phänomen Zombie als einen sozialen und kulturellen Prozess zu greifen. Auch Wes Craven machte aus Wade Davis' Bestseller The Serpent and The Rainbow letztlich einen Horrorfilm.

Die politische Dimension des Zombies: Der Präsident als Todesgeist

Ein Ritual zu Ehren von Baron Samedi in Port-au-Prince, Haiti. Bild: imago

Der haitianische Ex-Präsident und Diktator Duvalier (auch „Papa Doc" genannt) nutzte diese Angst vor der ewigen Sklaverei übrigens auch politisch gnadenlos aus, um Macht auszuüben. Dafür präsentierte er sich insbesondere vor der armen Bevölkerung gern leise sprechend mit hohem Zylinder, schwarzen Frack und einer Brille mit dicken, schwarzen Rahmen—seine Untertanen sollten an einen Wiedergänger des Todesgeists Baron Samedi erinnert werden und sich entsprechend einschüchtern lassen. Das klappte gut, auch dank einer skrupellosen Geheimpolizei, die Duvaliers Macht bis zu seinem Tod zementierte.

Kleine Randnotiz: Um ein Haar wäre das Zombiegift überhaupt nicht nach Amerika gekommen. Zum Transport füllte Davis eine alte Blechkiste aus recycelten 7up-Dosen voll mit ekligen Zutaten wie Tarantelbeinen, Krötenteilen, dem Kinderschädel, den er selbst ausgegraben hatte, Sekreten, Giftpflanzen und getrockneten Insekten. Leider hatte er vergessen, sich eine Gehnemigung für seine Fracht zu besorgen. Diese schöne Mitbringsel präsentierte Davis also auf gut Glück dem Zollbeamten am JFK-Flughafen in New York zur Untersuchung, woraufhin dieser erwiderte: „Schauen Sie, es ist verdammt nochmal Ostersonntag und ich wollte sowieso nicht arbeiten—machen Sie, dass Sie hier wegkommen!" Ohne den reflexartigen Ekel vor den Voodoo-Zutaten hätte es die erste ausführliche wissenschaftliche Untersuchung des Zombie-Phänomens vielleicht also gar nicht erst gegeben.