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„Sluts Against Harper“ ködert junge Kanadier mit Nacktbildern zur Wahlurne

Können Instagram-Nacktbilder als Motivationshilfe für die anstehenden Parlamentswahlen dienen?
9.10.15
Bild: Jessica Simps

Am Dienstag startete eine Gruppe junger Kanadier, die sich „Sluts Against Harper" nennen, eine Kampagne auf Instagram. Sie versprachen, personalisierte Nacktbilder an alle zu schicken, die ihnen schrieben und beweisen könnten, dass sie gewählt haben. Nach 24 Stunden hatte die Kampagne VOTES4NUDES bereits hunderte Follower und eine Menge nackte (und doch geschmackvoll zensierte) Haut im Angebot. Nachdem Instagram den Account in bewährter Prüderie erstmal suspendierte, ist er mittlerweile wieder online.

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Die Frau hinter der Kampagne ist eine 24-jährige Künstlerin und Studentin aus Montreal, die sich das Alias „Jessica Simps" gegeben hat. Der Name, sagte sie mir, ist eine Anspielung auf Sängerin und Reality-TV-Star Jessica Simpson und spiegele drei Werte ihrer Kampagne wieder: „Being funny, being flirty and getting away with shit".

Um mehr darüber zu erfahren, wieso Simps denkt, dass Nacktbilder die beste Methode sind, um junge Kanadier zur Wahl zu bewegen, habe ich sie angerufen und sie gefragt, wie man das Wort Slut in ein positives politisches Werkzeug verwandeln kann und welche Reaktionen sie auf ihre Nacktbilder bislang erhalten hat.

Bild: Jessica Simps

Motherboard: Du hast in deiner Mail geschrieben, dass du heute Kurse an der Uni hattest—was studierst du?

Jessica Simps: Ich studiere Sexualität.

Was brachte dich auf die Idee, Menschen mit Nacktbildern zur Wahl zur bewegen?

Ursprünglich hab ich auf Facebook Blowjobs dafür versprochen, aber ich glaube, das hat zu viele Menschen abgeschreckt, weil es nicht realistisch ist. Instagram ist eine perfekte Plattform für mich, da sich die Menschen dort anonym und sicher genug fühlen. Durch Mundpropaganda verbreitete sich das Ganze rasend schnell, deshalb dachte ich, das könnte lustig werden.

"Wir sind furchteinflößend—als Frauen und als junge Menschen"

Die Fotos kommen nicht alle von dir, oder?

Nein, allein wollte ich das nicht tun. Ich habe ein paar Mädchen in Toronto, Vancouver und Calgary kontaktiert. Wir wollten die Kampagne inklusiv gestalten, weil wir eine Gang weißer Mädchen mit mehr oder weniger demselben Körperbau sind. Also haben wir ins Profil geschrieben: Wenn du Teil des Projektes sein möchtest, schick uns einfach ein Foto. Alle Fotos wurden von den Personen auf dem Foto selbst gemacht. Das halten wir für wichtig, weil sie so keine Ausbeutung der Körper der Frauen darstellen, sondern wir selbst aktiv werden und unseren Körper als Ressource dafür verwenden.

Bild: Jessica Simps

Du hast ja schon ein paar Nacktbilder verschickt, wie war denn die Rückmeldung bislang—und haben dir auch Frauen geschrieben?

Überwiegend haben mir bis jetzt Männer geschrieben. Die Wahllokale öffnen am 9. Oktober, aber du kannst jetzt schon deine Stimme abgeben. Wir haben also schon ein paar sehr frühe Wähler, was großartig ist. Aber ja, bislang waren es hauptsächlich Typen, die sich gemeldet haben. Trotz alledem fanden viele Frauen, das sei eine lustige Idee und haben sich sehr unterstützend gezeigt.

"Wenn sich Harper für eine Sache null interessiert, dann sind es Frauen und ihre Körper"

Wie bist du auf den Namen "Sluts Against Harper" gekommen?

In der sex-positiven und queeren Community ist „slut" ein sehr emanzipierendes Wort. Und es ist lustig. Wir wollen die Ganze Sache absichtlich locker und lustig halten und Leute auf motivierende Art selbst motivieren. Daher finde ich „sluts" sehr stark. Wenn es irgendwas gibt, wofür sich Stephen Harper null interessiert, dann sind es Frauen und ihre Körper, soviel steht fest. Ich glaube, wir sind furchteinflößend—als Frauen und als junge Menschen. Grundsätzlich bin ich deshalb bereit, alles zu tun, um Interesse an der Wahl zu wecken.

Bild: Jessica Simps, Stern vom Autoren vergrößert

Und für wen wirst du stimmen?
Für irgendjemanden, solange es nicht Harper ist. Das Ding ist: Ich will überhaupt nicht kontrollieren, für wen jemand ihre oder seine Stimme abgibt, diese Entscheidung ist das Recht jedes Einzelnen. Ich will nur, dass sie wählen.