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Auf eBay entsteht gerade ein florierender Markt für Pokémon Go-Accounts

Windige Geschäftemacher erspielen dir gegen Cash den Account deiner Wahl.
20.7.16
Foto: Screenshot eBay.com

Wie zu erwarten war, hat der beispiellose Hype um das Augmented-Reality-Game Pokémon Go auch in Windeseile eifrige Geschäftemacher auf den Plan gerufen: Neben mehr oder minder professionellen Pokémon Go-Trainern, die sich stündlich dafür bezahlen lassen, die kleinen Monster hochzuleveln, cruisen in den USA die ersten Pokémon Go-Chauffeure durch die Städte, um euch gegen Cash schnellstmöglich von Gym zu Gym zu bringen (die Spieler, die am Mittwoch fast in eine Bundeswehr-Schießübung stolperten, hätten wohl auch besser einen solchen Fahrdienst in Anspruch genommen).

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Wer allerdings selber gerne Pokémon Go zockt, sich aber nach Level 20+ trotzdem noch von seinem Account trennen kann, findet derzeit auf eBay gerade die besten Voraussetzungen, monetär vom Pokémon-Hype zu profitieren—obwohl ein solcher Handel eigentlich gegen die Nutzungsbedingungen von Entwickler Niantic verstößt. So konnte ein eBay-Nutzer aus der englischen Stadt Brighton gestern Abend bei einer Auktion nach 24 abgegebenen Geboten für seinen Pokémon Go-Account auf Level 23 satte 7.300 Pfund (umgerechnet über 8.400 Euro) erzielen.

Während einige eBay-Verkäufer auf Mitleid setzen und behaupten, Pokémon Go wäre ihr Weg aus der Schuldenkrise und („Ich bin nur ein verschuldeter College-Student, der pleite ist"), sind andere Seller nicht darum verlegen, den vermeintlichen Mehrwert hochgelevelter Accounts zu bewerben:

„Mit dem Account kann man sehr viele Arenen besetzen und ihr seid mit ihm bestimmt der Beste in eurem Freundeskreis", schreibt beispielsweise ein deutscher Anbieter, der seinen Level 22-Account für 479,99 Euro anbietet.

Unzählige weitere hochgelevelte Accounts werden in Ländern wie Deutschland, England oder den USA mit Prädikaten wie „sehr viele seltene Pokémon", „großartig, um Gyms zu halten" oder „Team frei wählbar" angeboten—die Preisspanne beginnt bei niedrigen dreistelligen Beträgen und erreicht des öfteren auch vierstellige Summen. Anscheinend werden dabei nicht immer schon bereits erspielte Accounts angeboten, sondern auch zunächst Anfragen von interessierten Käufern angenommen, die Benutzername, Trainername, Team und Startpokémon frei wählen können. Nach sieben bis zwölf Tagen Erspielungszeit werden sie dann mit dem fertigen Level 25-Account beliefert, wie beispielsweise in diesem Angebot.

Niantic dürfte derweil angesichts der beeindruckenden Umsatzzahlen von Pokémon Go den eBbay-Verkäufen zumindest aus finanzieller Sicht relativ gelassen entgegenblicken: Mit

25 US-Cent

pro täglich aktivem Nutzer ist das Augmented-Reality-Game für den Entwickler bereits deutlich lukrativer als Candy Crush, eines der erfolgreichsten Facebook-Spiele aller Zeiten. Ein Ende der klingelnden Kasse, die auch den Aktien von Niantics Mutterfirma Nintendo einen erheblichen Schub verschaffte, ist derweil noch nicht in Sicht: Noch immer verzeichnen die App-Stores aktuell zwischen vier und fünf Millionen Downloads pro Tag, und die App ist noch längst nicht in allen Ländern der Welt veröffentlicht.