Die Menschen hinter dem Elevate-Festival

Wer steckt hinter einem Musikfestival und welche Geschichten können sie erzählen? Wir haben das für euch am Elevate herausgefunden.

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07 März 2017, 9:54am

Header von Johanna Lamprecht.

Wenn wir über Musikfestivals sprechen, dann dreht es sich hauptsächlich um die gebuchten Acts oder die eigenen alkohol- oder drogeninduzierten Festival-Erfahrungen. Dabei gibt es wesentlich interessantere Dinge als die unglaubliche Geschichte, wie du deinem absoluten Lieblings-DJ so nah wie nie zuvor warst oder du beinahe ins Dixi-Klo gefallen wärst, weil du noch immer nicht abschätzen kannst, wie viel du eigentlich verträgst. Alles schon gehört. Die wirklich interessanten Geschichten passieren oft hinter den Festival-Kulissen, bei den Leuten, ohne die ein Festival erst gar nicht stattfinden würde.

Wir waren diesmal wieder beim Elevate, das sich von den meisten anderen österreichischen Festivals in vielerlei Hinsicht deutlich unterscheidet – wenn nicht sogar abhebt. Musikalisch bietet es jedes Jahr ein LineUp mit Acts, die wir oft gar nicht erst am Radar haben und sich Jahre später vielleicht sogar zu großen Nummern entwickeln. Die Musik reicht von psychedelischen Noise-Gewittern bis hin zu bretthartem Techno. Genre-Abgrenzungen sind hier aber eigentlich überflüssig, denn es werden musikalische Grenzen gesprengt. Das Elevate will seinen Gästen nicht nur gefallen, sondern vielmehr herausfordern.

Die Idee des Elevate hängt mit seinem nicht minder wichtigen politischen Diskursprogramm zusammen, wo bekannte Persönlichkeiten untertags über kritische Themen der modernen Gesellschaft diskutieren. Diesmal ging es um die schöne neue Welt, Big Data und die anti-sozialen Medien.

Dieser gelungene Mix aus progressiver elektronischer Musik und politischem Diskurs macht das Elevate zu einem Festival, von dem man tatsächlich mit nützlichem Wissen wieder heimgeht. Side-Info für die etwas entspannten Festival-Geher unter euch: Es gibt am Elevate keine unangenehmen Menschenmengen, die Meisten benehmen sich relativ zivilisiert und es gibt keine Dixi-Klos. Wir lieben es.

Und weil jedes Festival mit seiner Crew steht und fällt, haben wir uns diesmal mit den sympathischen Leuten hinter dem Elevate getroffen und uns angehört, was sie zu erzählen haben.

Adina, Ticketing

Foto: Johanna Lamprecht.

Das große Problem beim Ticketing: Ausreden. Manche Leute glauben wirklich noch immer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Ticket-Schalter reinlegen zu können. Adina kann ein Lied davon singen: "Ich bin schon einige Jahre beim Elevate Festival dabei und manche Leute haben extrem schwindlige Ausreden parat. Vor einigen Jahren ist beispielsweise ein Gast gekommen und hat behauptet, dass sein Hund das ausgedruckte Ticket gegessen hat. Selbst wenn das so gewesen wäre, ist das natürlich ziemlich egal, weil die Tickets auf Namen gekauft werden müssen. Diesmal ist eine Gästin mit ihrem Reisepass gekommen und wollte uns erklären, dass sie beim Ticketkauf ihre Passnummer angegeben hat. Das kann natürlich nicht sein. Ich musste ihr dann klarmachen, dass das Elevate noch nicht so weit ist, Tickets auf Reisepassnummern auszustellen."

Tanja, Garderobe

Foto: Johanna Lamprecht.

Man möchte meinen der Garderoben-Job wäre eher unspektakulär. Nicht bei Tanja:
"Diesmal hatten wir eine besonders skurrile Begegnung. Ein Typ über 40 und mittelalterlich angezogen, hat seine Sachen bei uns abgegeben. Mit seinem Umhang und einem frischen, etwas blutigen Kratzer im Gesicht, war er schon eine etwas auffällige Gestalt. Er hat aber wie jeder andere seine Jacke abgegeben und ist in Richtung Bühne. Dann ist ihm eingefallen, dass er vergessen hat etwas abzugeben. Er holt daraufhin eine Machete aus seinem Umhang und legt sie uns auf den Tisch. Später ist er dann noch einmal gekommen, wollte seinen Umhang abgeben und hat nur gemeint: 'Häng sie einfach zur Machete dazu.'"

Christian, Security

Foto: Johanna Lamprecht.

Security haben bei Festivals wohl einen der härteren Jobs. Auch wenn das Elevate ein vergleichsweise angenehmes Festival ist, betrunkene Menschen können anstrengend sein. Manchmal sorgt der Job aber auch für schöne Geschichten: "Bei einem anderen Festival ist eine ältere Person kollabiert. Da ich Medizin-Student bin, werde ich in solchen Fällen immer gleich gerufen. Es ist aber nichts Dramatisches gewesen. Er ist etwas bleich gewesen, aber ich habe dann sicherheitshalber die Rettung gerufen. Daraufhin ist er dann richtig zusammengesackt und hat keine Luft mehr bekommen. Die Rettung ist aber schon losgefahren. Ohne Notarzt. Nachdem die Sanitäter keine Kompetenzen gehabt haben, Zugänge und so weiter zu legen, haben sie mich dann gebeten, die Erstversorgung zu übernehmen. Es ist dann alles gut gegangen und dem älteren Herren geht es heute noch gut."

Clara Moto, Pressearbeit & Artist

Foto: Clara Wildberger

Clara ist erst seit kurzem beim Elevate dabei und unter Leuten mit Affinität zu elektronischer Musik schon länger als Clara Moto bekannt. Sie hat erst im Februar ihre neue EP zusammen mit Mimu auf Infiné herausgebracht. Wenn sie nicht gerade Beats produziert und für ein Start-Up arbeitet, kümmert sie sich um die Pressearbeit beim Elevate. Auch wenn der eine oder andere Redakteur Listenplätze und Backstage-Bänder schnorren mag, bleibt sie stets freundlich aber bestimmt. Und das obwohl sie bei anderen Festivals manchmal nicht so gut behandelt wird: "Beim Montreux Jazz Festival hat mich der Fahrer versetzt und musste am Flughafen warten. Anscheinend hat er auch andere DJs versetzt und so habe ich Agoria kennengelernt und auf seinem Label Infiné releast."

Jung an Tagen, Artist

Foto: Clara Wildberger

Stefan Juster ist unter vielen Pseudonymen bekannt. Am diesjährigen Elevate ist er als Jung An Tagen aufgetreten. Sein mittlerweile schon drittes Album hat er letztes Jahr auf dem österreichischen Label Editions Mego herausgebracht und einige Wellen damit geschlagen. Hierzulande ist er regelmäßig in Clubs wie dem Rhiz oder Celeste zu sehen.

International steigt die Nachfrage nach seinen Performances und er spielt auch immer öfter auf Festivals: "Das Coole an Festivals ist, man kann vor Leuten spielen, die keine Ahnung haben, was sie erwartet. Die Leute kommen, weil sie die Atmosphäre oder den Style vom Festival mögen. Sie lassen sich dann auch gerne überraschen und sind offen für weirde Sachen. Finanziell ist ein Festival natürlich auch attraktiver. Wenn man eine Tour macht, dann orientiert man die oft an einem Festival. Die Gage zahlt dir dann beispielsweise das Flugticket zu anderen Gigs."

Clara & Jola, Fotografinnen

Foto: Michael Zahnschirm

Ihr werdet sie nie auf Festival-Fotos finden. Während dem Festival müssen sie von Bühne zu Bühne rennen und sich durch die Menschenmengen kämpfen, um alle Acts rechtzeitig knipsen zu können. Damit die Fotos dann auch schon am nächsten Tag online sind, müssen sie gleich bearbeitet und hochgeladen werden. Props an Clara und Johanna, ohne die dieser Artikel nichts geworden wäre. Johanna hat außerdem noch eine Geschichte parat. Man weiß bei der aber nicht, ob man lachen oder weinen soll: "Es kommt öfter vor, dass sich Gäste nach einem Festival bei uns melden und nach Fotos von ihnen Fragen. Eine Anfrage ist aber besonders außergewöhnlich gewesen. Eine unbekannte Gästin hat mich angeschrieben und mir ihre Enttäuschung darüber ausgedrückt, wieso denn sie und ihr Freund nicht in der Bildergalerie zu finden sind, obwohl sie einige Male fotografiert worden sind. Sie würde sich sehr darüber freuen, wenn ich sie aus den hunderten Fotos heraussuchen und veröffentlichen könnte. Vor allem würde es aber ihrer Beziehung mit ihrem Freund gut tun. Sie war sehr hartnäckig. Ich wollte natürlich kein Unmensch sein und habe und habe das dann auch tatsächlich getan."

Wurzi, Stagemanager, Kurator & Artist

Foto: Clara Wildberger

Der Stagemanager ist zuständig dafür, dass es den Artists gut geht und sie vor Ort alles bekommen, was sie benötigen. Er muss auch dafür sorgen, dass sie dann auch wirklich auf die Bühne gehen. Bei manchen Artists ist das nicht unbedingt leicht, aber Wurzi, Mitglied von Zsamm und einer der Kuratoren beim Elevate, hat da bisher nie Probleme gehabt. Als er vor zwei Jahren Fuckhead auf seiner Bühne hatte, ist dann aber etwas typisch Fuckhead-mäßiges passiert: "Sie haben angefangen draußen am Schlossberg Äste abzuschneiden und sind dann damit in den Dom runtergewandert und haben sie dann in ihre Performance eingebaut."

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