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Was du tun musst, wenn du von Aliens kontaktiert wirst

Der beste Knigge, den dein Heimatplanet für den Umgang mit extraterrestrischen Kontaktaufnahmen zu bieten hat.

von Daniel Martin
17 März 2017, 3:51pm

Bei der Suche nach Außerirdischen machen wir immer größere Sprünge nach vorne und dank des technischen Fortschritts steht die Chance auf einen Alien-Kontakt heute besser denn je zuvor. Der Astronom Seth Shostak ist überzeugt, dass wir schon in den kommenden 200 Jahren eine Nachricht von Außerirdischen erhalten werden. Die Prognose des Direktor des wegweisenden SETI-Instituts ist besonders deshalb aufregend, weil wir auf der Suche nach außerirdischem Leben (Search for Extraterrestrial Intelligence = SETI) bereits seit über einem halben Jahrhundert erfolglos durch den Kosmos streifen. Wenn jedoch ein Treffen mit unseren galaktischen Mitbewohnern gar nicht mehr so weit entfernt ist, stellt sich nicht nur den Wissenschaftlern sondern uns allen plötzlich einige dringende Frage: Was machen wir eigentlich nach dem ersten Kontakt? Wie sollte man reagieren, wenn uns Aliens ansprechen? Welcher Knigge gilt für Gespräche mit außerirdischen Lebensformen?

Um diese sehr spezielle Fragen anzugehen, trafen sich führende SETI-Forscher bereits 1989 in der Internationalen Akademie der Astronautik (IAA) in Paris. „Die Geschichte von SETI reicht bis zur Pionierarbeit von Frank Drake im Jahre 1960 zurück, aber erst seit den 1980ern wird sie etwas ernster genommen", erklärt Paul Davies. Der theoretische Physiker lehrt an der Arizona State University und ist gleichzeitig Vorsitzender einer Arbeitsgruppe des IAA-SETI-Instituts, die sich mit dem „Post-Entdeckungs-Zeitalter" beschäftigt. „Viele Menschen fragten sich im Laufe der Zeit, was eigentlich passiert, sobald wir tatsächlich etwas entdeckt haben – was kommt dann?"

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Als Antwort auf diese Frage gibt es bereits einen genauen Plan, der im sogenannten „SETI Post-Detection Protocol" festgehalten ist. Neun Grundsätze bilden den Kern dieses Protokolls. Besonders wichtig dabei: Zu verifizieren, dass die möglichen außerirdischen Signale tatsächlich von Aliens stammen. Ebenfalls wichtig: Jegliche negativen Folgen eines Erstkontakts müssen vermieden oder minimiert werden. Leider ist die IAA keine staatliche Behörde, weshalb ihre Protokolle und Regeln überhaupt nicht bindend sind. Regierungen haben sich bisher nicht besonders bemüht, nationale Regelungen für die Zeit nach dem Erstkontakt zu entwerfen. Allerdings ging vor ein paar Jahren das Gerücht um, die UN habe einen offiziellen außerirdischen Kontaktpunkt beim Büro für Weltraumangelegenheiten eingerichtet. Doch einmal abgesehen von einer höchst spekulativen Alien-Liaison der UN ist das „Post-Detection Protocol" der IAA das Handfesteste, was wir gerade haben.

Dann schauen wir doch mal nach, was das SETI-Regelwerk für den extraterrestrischen Plausch empfiehlt: Jeder, der glaubt, ein außerirdisches Signal entdeckt zu haben, sollte unmittelbar nach dem Erstkontakt alles unternehmen, um zu verifizieren, dass das Signal nicht durch natürliche oder menschliche Ursachen zustande kam. Kommst du als Entdecker zu dem Schluss, dass das Signal eindeutig außerirdischen Ursprungs ist, solltest du laut SETI zuerst alle relevanten Institutionen informieren, damit sie versuchen können, das Signal unabhängig zu bestätigen. Das sollte unbedingt geschehen, bevor du die Öffentlichkeit alarmierst! Können externe Institutionen bestätigen, dass es sich tatsächlich um ein außerirdisches Signal handelt, so sollten die erfreulichen Neuigkeiten über die Internationale Astronomische Union (IAU) mit der Welt geteilt werden. Jetzt wäre auch der richtige Zeitpunkt, um den Generalsekretär der Vereinten Nationen kurz ins Bild zu setzen. Hierbei sollte der Entdecker des Signals die Ehre haben, diese Nachricht feierlich zu überbringen.  

Die übrigen Grundsätze erläutern ausführlicher und technischer, was nach der ersten Kontaktaufnahme am Besten zu tun ist. Zum Beispiel wird dort beschrieben, wie man sicherstellt, dass das Signal sicher und verlustfrei gespeichert wird. Außerdem mahnt das Protokoll, sich die Radiofrequenz, auf der das Signal entdeckt wurde, für zukünftige SETI-Arbeiten zu reservieren – man weiß ja nie, ob die Außerirdischen nicht erneut auf demselben Weg etwas kommunizieren möchten.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Post-Detection Protocol: Es sollte keine Antwort zurückgeschickt werden, bevor „internationale Beratungen" stattgefunden haben. Ob es schlau ist oder nicht, eine Nachricht an Außerirdische zu schicken, ist in der SETI-Welt ein heiß umstrittenes Thema – viele Forscher meinen, es wäre keine besonders gute Idee. Doch selbst wenn wir uns für eine Rückantwort entscheiden sollten, stellt sich immer noch die Frage, wer auf der Erde mit den Außerirdischen reden soll – und was sie oder er ihnen im Namen von uns allen mitteilen sollte.

Um die Kontroverse zu verstehen, lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen: Wenn wir durch Außerirdische kontaktiert werden, so meinen SETI-Wissenschaftler, wird ihre Nachricht am ehesten durch ein Radiosignal übermittelt werden, und nicht in Form eines physikalischen Objektes oder eines außerirdischen Besuches auf der Erde auftauchen. Die Frage muss deshalb zuerst lauten: Welche Bedeutung hat dieses Signal?

Eine weitere wichtige Frage: Enthält das Radiosignal eine Botschaft oder ist es einfach ein Signal ohne Aussage, um uns wissen zu lassen, dass wir nicht alleine sind? Die Konsequenzen aus diesen beiden Signalarten könnte das Leben von uns Erdlingen komplett auf den Kopf stellen. Was wäre, wenn das Signal eine Nachricht mit Anweisungen für den Bau unglaublicher extraterrestrischer Technologie enthält? Und was, wenn es einfach eine düstere Kriegserklärung ist?

Außerdem ist natürlich wichtig herauszufinden, woher das Signal kommt. Es könnte von einem erdähnlichen Planeten stammen, der Proxima Centauri umkreist, aber auch von einer weit entfernten Galaxie. Nur im ersten Fall gäbe es überhaupt die Möglichkeit eines Besuches oder zumindest den Hauch einer Chance, eine Unterhaltung mit den Außerirdischen zu führen. Wenn das Signal jedoch aus einem Sonnensystem kommen sollte, das hunderte von Lichtjahren entfernt ist, würde der Zeitraum zwischen dem Absenden der Nachricht und unserer Antwort einige Generationen auf der Erde überdauern.  

Um die Bedeutung eines Erstkontaktes in Zahlen zu messen, haben SETI-Forscher sich im Jahr 2000 etwas ausgedacht, das Rioskala genannt wird. Am unteren Ende der Skala (0) steht ein unspezifisches Signal, das Aufmerksamkeit von irgendwoher außerhalb der Milchstraße auf sich ziehen soll und nur einmal vorkommt. Am oberen Ende der Signifikanz-Skala (10) steht ein Signal mit einer Botschaft, welches konstant Richtung Erde ausgestrahlt wird und seinen Ursprung innerhalb unserer Galaxie hat – oder sogar aus unserem Sonnensystem stammt.

Stellen wir uns also vor, wir hätten ein Signal entdeckt, das weit oben auf der Rioskala angesiedelt wäre – was käme als nächstes? Nun, hoffentlich hält sich der Entdecker an das Protokoll und behandelt die Entdeckung vertraulich, bis die letzten Zweifel ausgeräumt werden können. Leider steht selbst dieser Schritt momentan zur Disposition – weil das Protokoll von 1989 schlicht die Entwicklung der Welt nicht vorhersagen konnte. Kein Wunder, dass bei einem SETI-Panel im vergangenen Jahr ein Anwalt namens Les Tennen forderte, man müsste die Protokolle so updaten, dass sie mit der Entwicklung Sozialer Medien Schritt halten. Denn die hätte dazu geführt, dass es „fast unmöglich ist, irgendetwas länger als ein paar Stunden geheim zu halten", erklärte er. „Gleichzeitig wird es aber immer noch sehr lange dauern, das Signal wirklich einwandfrei nachzuweisen. Stattdessen werden wir lange mit etwas arbeiten müssen, das sich am Rand der Nachweisbarkeit bewegt. Das wird ein langwieriger Prozess, der möglicherweise Jahrhunderte lang nicht zufriedenstellend gelöst werden kann."

Doch selbst wenn die SETI-Wissenschaftler die Entdeckung bis zu ihrer Bestätigung Monate oder viele Jahre geheim halten können, gibt es natürlich keine Garantie darauf, wie Menschen letztendlich auf die Nachricht reagieren. Wie in dem Abschlussbericht eines NASA-Workshops 1993 festgestellt wurde, „können die Reaktionen auf eine Entdeckung von Gleichgültigkeit (…) über unbändigen Enthusiasmus bis hin zu nackter Panik reichen (…) manche Reaktionen könnten vermutlich sogar irrational extrem oder sogar gewalttätig ausfallen."

Leider unterstützt bislang keine offizielle Stelle die Protokolle, die die IAA entwickelt hat (und bisher hat sich auch noch keine Regierung ausführlich mit den Problemen eines Erstkontakts ernsthaft beschäftigt). Deshalb ist es völlig unklar, ob und wie wir die Hysterie nach der Entdeckung eines Alien-Kontakts eindämmen können. Momentan ist das SETI-Regelwerk jedoch das Beste, das wir auf der Erde haben.