Bei dem Cyborg-Schmuck dieser Berliner Künstlerin muss man zweimal hinsehen

Der EARring und FINGERring von Nadja Buttendorf sind perfekte Silikon-Replikate von menschlichen Körperteilen.

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12 Januar 2017, 12:00pm

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin. 

Falls ihr euch schon mal gefragt habt, wie es sich wohl anfühlt, mehr als zwei Ohren oder zehn Finger zu haben, dann sind die Kreationen der Berliner Juwelierin und Nagelkünstlerin Nadja Buttendorf genau das richtige für euch. Mit dem EARring und dem FINGERring hat Buttendorf perfekte Silikon-Replikate der Körperteile geformt, die sie zieren sollen.

Auch wenn Buttendorfs skurrile Accessoires auf den ersten Blick nur wie schräge Kunstobjekte wirken mögen, so stecken dahinter gut durchdachte Konzepte. Gegenüber The Creators Project verrät die Künstlerin, dass ihren Werken folgende Fragen zugrunde liegen: „Wenn unser Körper eine andere Physiognomie hätte, würde uns die Welt dann anders wahrnehmen? Warum sollten wir nicht vier Ohren haben? Wie wäre es, vier Ohren zu haben? Und warum befinden sich unsere Ohren nicht auf den Armen?“

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Als Mitglied des Cyborgs e.V. ist Buttendorf an Ideen rund um die Fusion von Menschen und Maschinen interessiert. Laut Buttendorf wurde der Verein von jemandem gegründet, der selbst ein akustisches Nervenimplantat braucht, um hören zu können. Buttendorfs Meinung nach, deutet unsere Beziehung zur Technologie schon heute darauf hin, dass wir zu Cyborgs werden. „Unser Körper ist der Sensor, mit dem wir die Welt wahrnehmen. Durch ihn erhalten und verarbeiten wir Informationen, um unsere Realität zu erschaffen“, erklärt Buttendorf. „Mit dem FINGERring und EARring möchte ich den menschlichen Körper durch Schmuckstücke von seiner Normvorstellung befreien.“

Buttendorf ist es mit ihren Cyborg-Schmuckstücken so ernst, dass sie ihren EARring auch auf der Cyborg-Messe in Düsseldorf CYBORGS ARE AMONG US vorstellte.

Auch wenn ihre Arbeiten auf die menschliche Verschmelzung mit Maschinen ausgerichtet sind, wurden sie ganz ohne maschinelle Hilfsmittel erstellt. „Ich begann, viel mit Silikon zu arbeiten, da es das Material ist, dass der menschlichen Haut am nächsten kommt. So konnte ich die Ohren von Freunden und meinen eigenen Finger nachbilden. Es war sehr seltsam und cool die exakten Repliken anderer Leute Körperteile in meinem Studio liegen zu haben. Meist verwende ich ein Silikon namens Dragon Skin.“ 3D-Druck kommt bei der Künstlerin nicht zum Einsatz.

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EARrings aus Silikon

Weitere Werke von Nadja Buttendorf findet ihr auf ihrer Webseite.