Wir möchten von Österreichern wissen, aus welchen Gründen sie sich gegenüber Ausländern benachteiligt fühlen

Helft uns, zu verstehen, was eurer Meinung nach in Österreich schiefläuft.
20.12.16
Foto von Klaus Petrus

Foto von Klaus Petrus.

Seit 2015 ist viel passiert. Nickelsdorf, Spielfeld, Tür mit Seitenteilen, Obergrenze, Norbert Hofer in der Bundespräsidentenstichwahl, Debatte um die Kürzung der Mindestsicherung für Asylberechtigte, teilweise tatsächliche Kürzung, teilweise geplante Kürzung für 2017. Auch nach Anschlägen wie dem in Berlin kurz vor Weihnachten, bei dem der Täter noch unbekannt ist, konnte man auf Facebook und Twitter immer wieder von Usern lesen, Geflüchtete dürften in Österreich und Deutschland tun und lassen, was sie wollen. Und streunt man mit offenen Augen durch das Internet, liest man immer wieder von Österreicherinnen und Österreichern, die Benachteiligung erfahren oder sich in bestimmten Situationen benachteiligt gefühlt haben.

Hier zum Beispiel ein kleiner Witz, über den ich mehrmals gestolpert bin.

"Trifft ein Asylant eine Fee, sagt die Fee: 'Du hast drei Wünsche frei.'
Sagt der Asylant: 'Als erstes wünsche ich mir Geld für mich und die Familie.'
Die Fee schaut ins Gesetzbuch und sagt: 'Kein Problem, bekommst du.'
'Als zweites wünsche ich mir ein Haus', sagt der Asylant.
Die Fee schaut ins Gesetz und sagt: 'Kein Problem, bekommst du.'
Der Asylant sagt: 'Dann wünsche ich mir jetzt, dass ich Österreicher bin.
Puff. Alles weg.
Fragt der Asylant: 'Was soll das jetzt?'
Sagt die Fee: 'Du bist jetzt Österreicher, geh arbeiten, wenn du was willst.'"

Die Debatte um diese Problematik wurde dieses Jahr zu einem großen Teil anhand der Mindestsicherung geführt.

Weil sich die Koalition auf keine bundesweite Lösung über die Höhe der Mindestsicherung und die Frage, wer sie überhaupt beziehen darf, festlegen konnte, ist das ab 1. Januar 2017 Sache der einzelnen Bundesländer. Oberösterreich hat bereits im Sommer eine Kürzung für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte von 914 auf 365 Euro beschlossen. In Niederösterreich soll es ab 2017 Kürzungen für alle geben, die ihren Hauptwohnsitz nicht in mindesten fünf der letzten sechs Jahre in Österreich hatten. Auch im Burgenland und Kärnten sind Änderungen geplant.

Ich persönlich fühle mich nicht benachteiligt, aber ich verstehe viele von denen, die sich doch so fühlen. Wir alle haben Zahlen, Meinungen, vermeintliche Fakten; wir haben Menschen, die von außen darüber schreiben, wir haben unsortierte und laute Facebook-Postings von aufgebrachten Usern. Aber was uns fehlt, sind geordnete Stimmen von jenen, die in eigenen Worten erklären wollen, weshalb genau sie sich benachteiligt fühlen. Und weil wir nicht nur aus der Ferne über Menschen und ihre Meinungen schreiben, sondern diese wirklich verstehen wollen, fordern wir euch hiermit auf, uns teilhaben zu lassen an eurer Gedankenwelt.

Also, an alle, die sich benachteiligt fühlen—hier könnt ihr uns sagen, warum. Die Ergebnisse werden wir dann in einem Artikel veröffentlichen.