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Ernährung

Von Smoothies und spaßgebremstem Essen–Veganer und Paleoten haben doch auch keine Ahnung!

Essen ist zur Ersatzreligion geworden. So ernst Nachhaltigkeit, Qualität und gerechte Tierhaltung auch genommen werden muss, das Essen an sich, kann man schon ein bisschen lockerer sehen.
28.5.15

Smoothies sind in aller Munde. Die sind nämlich gesund! Auch wir in der Redaktion nuckeln über den Tag verteilt an einer Pampe, die zugegeben ein bisschen wie Kotze aussieht. MUNCHIES hat auch schon öfter über Smoothies berichtet. In diesem Video, zum Beispiel, zeigt der Punk-Musiker John Joseph, wie er seine Smoothies macht. Auf nüchternen Magen sollten die genossen werden, weil du sonst furzt, meint er, und auch sonst hat er allerlei diätetische Weisheiten parat. Punk goes vegan, vom einen ins andere Extrem. Oh Mann.

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John Joseph redet sehr kompetent daher und macht seinen Smoothie mit massenweise Gewürze, Nahrungsergänzungsmitteln und Nüssen. Eine Bombe. Das kann ja nur gesund sein! Auf dieser Website allerdings, die die 9 Regeln für grünen Smoothie manifestieren will, wird behauptet, es führe zu Blähungen, wenn man Nüsse oder stärkehaltiges Gemüse zum Grünzeug mischt. Und es käme zu Vergiftungserscheinungen, da man eventuell zu viele Alkaloide zu sich nimmt. Eine ernste Angelegenheit!

Ein lustigeres Smoothie-Rezept ist das vom ehemaligen Snowboard-Weltmeister Ross Rebagliati. Der kifft ziemlich gern und macht demnach seinen Blueberry-Smoothie mit Cannabis. Und damit der Drink noch fetter wird, gibt er Schokolade und Erdnussbutter dazu. Wumm! Eigentlich wollen wir bei MUNCHIES Essen nie als geil bezeichnen, weil das vulgär ist und bescheuert. Aber bei diesem Smoothie machen wir eine Ausnahme.

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Unsere Ernährung ist zur Ersatzreligion geworden. Wir sind entweder Veganer, Paleoten, Makrobioten, Karnivore, Flexitarier. Manche werden radikal, bepackt mit gar terroristischem Gedankengut. Zum Fürchten! Es geht um Leben und Tod. Wir haben so viel Angst davor, krank zu werden, dass wir nichts mehr genießen. Da kann es dann sogar passieren, dass manche ihre Plazenta zu einem Smoothie pürieren oder ihre eigene Pisse trinken. Schmeckt übrigens nach grünem Tee! Aber ist es vegan?

Unser supersüßer Host Action Bronson fackelt nicht lang rum und püriert seine Baklava. Recht hat er! Denn, was soll denn das alles? Kalorien? Pff!

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Das Problem mit Smoothies ist folgendes: Du verflüssigst Unmengen an Gemüse und Obst. Das könntest du unpüriert überhaupt nicht alles essen. Das Meiste ist roh und ob Rohkost so leicht verdaulich ist, wie oft behauptet wird, ist auch fraglich. Es wird auch empfohlen, dass man Smoothies im Mundraum verteilt, quasi kaut, damit sich das flüssige Gemüse mit Speichel mischt, dessen Enzym der Verdauung hilft. Eine andere Quelle aber besagt, man solle den Drink, der eigentlich einer riesigen Mahlzeit entspricht, mit dem Strohhalm schlürfen, da die Säure des rohen Gemüses den Zahnschmelz angreife und zerstöre! Was jetzt?

Außerdem wird empfohlen einen Liter Smoothie über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Einen LITER! So als wäre ganz viel von etwas gesünder. Dabei kann der Körper vielleicht gar nicht so viele Vitamine aufnehmen! Zuviel wird doch einfach wieder vom Körper ausgeschüttet. Ziemlich teure Pisse! Die kann man dann aber wieder trinken. Das kostet nichts. Was es nicht alles gibt.

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Nämlich auch Detox-Smoothies, die den Körper entgiften sollen, dann heißt es wieder, Entgiften sei ein Mythos. Da soll man sich auskennen! Diese Verwirrungen in Bezug auf Ernährung und Gesundheit nennt man übrigens Nutritionismus.

Von Vögeln und vögeln

Wie auch bei Religion, glaubt man zu wissen, aber weiß eigentlich überhaupt nichts. Wie viele Nährstoffe irgendein Superfood hat, liest man im Internet. Im Internet! Auweh! Manch selbstverliebter, witzloser Veganer disst dich dann noch, schaut dich angeekelt an, wenn du vor seinen Augen einen Burger verdrückst. Dann glaubt er vielleicht noch, er sei besser, überlegener. Nach was klingt das? Hmm?

An dieser Stelle, um mich nicht gar zu weit aus dem Fenster zu lehnen, fällt mir Harald Martenstein von der ZEIT ein. Der hat nämlich vor Kurzem über die Sehnsucht des Menschen nach moralischer Überlegenheit geschrieben und ganz treffend gemeint: ,,Gutmenschentum ist gefährlich, es macht die Leute gemein, hochmütig und rücksichtslos. Wir alle sollten uns stattdessen lieber ein wenig mehr dem Geschlechtstrieb widmen."

Genau! Wenn das mal ein ZEIT-Redakteur sagt, und kein bekiffter MUNCHIES-Redakteur wird´s wohl stimmen! Denn wir sollten echt mehr vögeln und unser Leben genießen, gemeinsam und nicht gegeneinander essen. Essen nicht nur als Benzin für den Körper sehen, sondern als essentielles, wirksames Mittel, um sich auch sozial, geistig und emotional zu stärken.

Trinkt weiter eure Smoothies, aber redet bitte nicht drüber, wie gesund sie seien. Mag schon sein, dass sie gut tun. Das kann aber einfach auch nur an deiner Einbildung liegen, denn der Glaube versetzt angeblich Berge. Du hast keine Ahnung, und wir auch nicht! Oh und bevor ich´s vergesse: Lachen soll gesund sein!