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Apokalypse

Essen, um die Apokalypse zu überleben

Das „Prepping”—das Erlernen der Überlebenskunst und die Vorbereitung auf den Weltuntergang—scheint ein merkwürdiges Ding der Amerikaner zu sein, wie Käse aus der Sprühdose oder die Kardashians. Ich habe mit zwei sehr verschiedenen britischen Preppern...

von David Whelan
29 Juli 2014, 11:00am

Die Welt könnte auf unzählige verschiedene Arten untergehen. Es könnte gerade jetzt losgehen, das Ende, in einem entlegenen russischen Labor oder in einem amerikanischen Raketenstützpunkt. Unsere Welt besteht hauptsächlich in ihrer relativen Harmonie weiter, weil wir uns alle an eine dauerhafte Abmachung halten, gewissen Pflichten nachzugehen: arbeiten, nett sein, deine Familie versorgen. Aber wenn, oder falls, wir uns mal nicht mehr an diesen Vertrag halten, ist es besser, darauf vorbereitet zu sein.

Aus meiner Perspektive, scheint das „Prepping"—das Erlernen der Überlebenskunst und die Vorbereitung auf den Weltuntergang—wie so ein merkwürdiges Ding der Amerikaner, wie Käse aus der Sprühdose oder die Kardashians.

Und es macht es natürlich einfacher, sich über die Amerikaner und ihr albernes Vorräte hamstern lustig zu machen, wenn wir darüber lesen, wie ein amerikanischer Prepper fast 23 000 Liter seines eigenen Speichels aufbewahrte, weil er gehört hatte, dass Speichel „antibioliologische Eigenschaften" haben soll. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Wort erfunden ist.

Die meisten Leute stellen sich einen Prepper als dicken, glatzköpfigen Typen in einem Patriotenshirt in seinem Schutzbunker vor, umgeben von Dosenmais, Suppe und Budweiser. Aus den Lautsprechern der Stereoanlage dröhnt vermutlich Bruce Springsteen und er murmelt vor sich hin, wie er sich von seinem Sohn Biff auseinander gelebt hat, weil er lieber Surfen geht als Vorräte zu hamstern und dass er es noch mal bereuen werde, ihn ignoriert zu haben, wenn die Welt dem Ende zugeht.

2012 veröffentlichte National Geographic eine kurze Serie über den Vergleich zwischen amerikanischen und britischen Prepper und wir lernten, dass sie weder verrückt, noch komplett anders als die Briten sind. Die britische Regierung veröffentlicht ihren eigenen „London Resilience-Guide", der Informationen und Richtlinien für eine ganze Reihe an möglichen Weltuntergangsszenarien beinhaltet. (Leider gibt es nichts zu kaiju, wenn also Godzilla uns endlich für die schlechten Filme, die wir über ihn machen, bestraft, sind wir ihm komplett ausgeliefert.)

Ich habe mit zwei verschiedenen britischen Prepper gesprochen—der eine bug in-Verfechter (also des Einbunkerns), der andere bug out (der Flucht)—um zu verstehen, wie sie vorhaben, sich zu ernähren, wenn jeder einzelne McDonald's von rapunzelartigen Labelien befallen ist und die Heinz-Chefs alle Baked Beans für sich behalten. Vielleicht ist es etwas Britisches, aber keiner von beiden schien komplett verblendet oder ein American Football-Fan zu sein. Das sind die Leute, auf die wir uns verlassen werden, wenn wirklich alles schief geht.

Umso mehr ich über Prepping lernte, umso mehr sah ich die Relevanz davon. Es war mehr eine lehrreiche Erfahrung, mehr als nur ein zelebrierter Kult. Statt Isolation zu begünstigen, wird Integration und Anpassung gefördert. Es befürwortet ein Verständnis für die Natur und sieht Selbstbeherrschung als wichtig an, wenn es darum geht, sich Essen in den Mund zu stopfen.

Ich fange jetzt gleich an zu hamstern.

Zuerst sprach ich mit Edward O'Toole, ein britischer Expat, der in einem kleinen Dorf in der Slowakei lebt und The Tao of Prepping geschrieben hat.

Edward - photo

Edward O'Toole

MUNCHIES: Hallo, Edward. Edward O'Toole: Hallo.

Bist du ins Ausland gezogen, um dich von der Natur zu ernähren? Nicht wirklich—es war mehr wegen des Abenteuers und der Erfahrung. Mehr Wildnis als in den Karpaten wirst du in Europa nicht finden. Das Dorf ist sehr abgelegen und hinter dem schwarzen Zaun kann ich jeden Abend verschiedene Tiere beim Weiden beobachten. Dieser Ort steht mit einem Bein noch in vorindustriellen Zeiten.

Lebst du schon komplett autonom? Nein. Es ist eine sehr romantische Vorstellung, wie ein Jäger und Sammler ohne Strom und abseits von allem zu leben. Wenn ich aber den ortsansässigen Bauern zusehe, wie sie sich mit unglaublich monotoner und mühevoller Arbeit abrackern, um sich selbst zu erhalten, dann habe ich keine Lust darauf. Wir besorgen uns das Essen wie die Einheimischen je nach Jahreszeit—Pilze, Beeren usw. Meine Schwägerin jagt Wildschwein, Hirsch und Reh je nach Saison, also haben wir sehr viel Wild. Daraus stellen wir unsere eigenen Würste her und räuchern sie. Wir essen Eier von Hühnern, die frei umherlaufen. Wir bauen sehr viel eigenes Gemüse und Früchte an. Aber wir leben im 21. Jahrhundert und du kannst eben keine Rechnungen oder kein Smartlet für dein Kind in Beeren bezahlen. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ein Kochbuch basierend auf unserem traditionellen Essen hier zu schreiben.

Wenn morgen der Anfang des Endes wäre, was wäre dein letztes Mahl, bevor du zu deinen Vorräten übergehen würdest? Wenn es wirklich darauf ankäme, dann wäre es wahrscheinlich in Bierteig frittierter Kabeljau mit Bierteigkrümeln und Currysauce und ein chip butty (ein Sandwich mit Pommes gefüllt). Oder ein Kebab.

Oh ja. Sammelst du auch Vorräte? Besteht dein geheimes Lager ausschließlich aus Gummibärchen? Nicht wirklich. Die Theorie hinter der Vorratshaltung ist die lange Haltbarkeit der Lebensmittel. Ich bin nicht so wie diese amerikanischen Hamsterer, die riesige Lagerhallen mit haufenweise Essen füllen.

Es ist schlauer zu lernen, wie man Essen anbaut oder jagt oder fischt, als sich auf einen dahinschwindenden Vorrat zu verlassen. Jetzt seinen Lebensstil zu verändern, wird für mehr Sicherheit im Hinblick auf Essen sorgen, als leckere Sachen in Schränken anzusammeln. Es ist außerdem gesünder und besser für die ganze Welt.

Es gibt aber auch einige Sachen, auf die einfach nicht verzichten mag, aber die ich hier draußen nicht kriege. Glücklicherweise habe ich ein paar gute Freunde, die auch Teil des P2S Prepper Network sind und mir manchmal „Hilfspakete" schicken mit Sunpat Crunchy Peanut Butter, Bisto Beef Gravy Granules, Marmite, HP Brown Sauce, Kitkat Chunky Peanut Butter

… Du stehst wohl auf Erdnüsse. Besonders auf Erdnussbutter. Und dann noch Tetley oder Yorkshire Schwarztee. Mein Überleben hängt davon ab.

Welches Essen wirst du nicht vermissen, wenn es die Welt mal nicht mehr gibt? Vieles, was in Supermärkten oder in Fast Food-Restaurants verkauft wird, kann nicht mal mehr als Essen bezeichnet werden. Für Mikrowellen-Gerichte gilt dasselbe. Wenn Leute mich besuchen, fällt ihnen immer auf, dass mein Essen auch wirklich nach etwas schmeckt. Tomaten, die zwar nicht glänzend oder riesig und rot sind, schmecken auch so, wie sie schmecken sollten. Genauso ist es auch mit Karotten oder Hühnerfleisch. Und das Brot ist echt. Die natürliche Umwelt bietet dir ein viel besseres Smörgåsbord als diese importierte, genetisch modifizierte Scheiße, an die sich die meisten Leute gewöhnt haben.

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Edwards große Steinpilze, die er im Wald entdeckt hat.

Welche Knabbereien magst du gerade gerne? Steinpilze. Ich sammle sie im Wald. Durch das heiße Wetter und die heftigen Stürme gibt es dieses Jahr eine volle Ernte. Versuch mal in den dichten Wäldern der Karpaten umherzuirren, neben dir die Wildschweine und Wölfe, und im Gebüsch nach Pilzen zu suchen, während ein Gewittersturm über dir aufzieht.

Ich habe schon mit Entfeuchter versucht sie zu trocknen—ein Favorit der Prepper—das hat aber nicht geklappt. Die Sonne aber schon.

Eine nette Metapher für eine möglicherweise technologiefreie Welt. Genau.

Danke!

Dann sprach ich mit Lincoln Miles aus Bedfordshire, der Besitzer von The Preppers Shop, dem ersten physischen Prepper-Laden in Großbritannien.

Steve - photo

Steve vom The Preppers Shop.

MUNCHIES: Du hast einen Prepper-Shop, also gehe ich davon aus, dass du ziemlich viele Prepper siehst. Erklär mir mal, wie die so sind. Lincoln Miles: Du wärst überrascht, wie „normal" unsere Kunden sind.

Welches Essen kaufen sie? Sind sie eher ernst oder manchmal auch ein bisschen unartig und schmuggeln eine Dose Heinz Baked Beans oder Würstchen mit? Sie stehen voll auf die Berghütten-Einmannration. Sie beinhaltet verschiedenes Essen, die für eine Person 24 Stunden lang ausreicht und trotzdem genießbar ist. Ähnlich der Einmannrationen des Militärs ist sie klein und leicht und passt so in jede Tasche.

24 Stunden kommen einem in der ewigen Flucht vor dem Tod im Falle einer Apokalypse ziemlich kurz vor. Viele Leute kaufen sich zwei, die sie in ihr Flucht-Tasche packen. Aber deshalb verkaufen wir auch Armbrüste. Leute unterschätzen aber auch oft die Menge an Wasser, die sie einlagern sollten.

Steve - crowssbows

Meine Güte. Was ist das seltsamste Lebensmittel, das jemand in deinem Shop gekauft hat? Es gibt jetzt nichts besonders seltsames, aber die Leute lagern so ziemlich alles ein, was du dir vorstellen kannst. Schokolade, Alkohol oder getrocknete Tomaten. Etwas Leckeres in der Tasche zu haben, wird in einer schlimmen Situation auf jeden Fall deine Stimmung ein bisschen heben.

Wenn die globale Erderwärmung den Planeten knusprig brät und wir in unterirdischen Höhlen kauern, was wird dein tägliches Essen sein? Da ich Vegetarier bin, würde ich mich von Gemüse und Bohnen ernähren und Veggie-Würstchen als Leckerbissen. Dann müsste ich aber herausfinden, wie man unterirdisch Gemüse anbauen könnte.

Na dann, fang mal an zu recherchieren.