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Zukunftsmusik: In den USA bestellt man mit iPad und wird vielleicht bespitzelt

Ein paar Gäste einer Restaurant-Kette entwickelten eine Verschwörungstheorie, nachdem ihnen die Kamera an den Tablets auf ihren Tischen aufgefallen war. Sieht und hört uns etwa der Kellner zu, wie wir uns über unser trockenes Hähnchen beschweren?
26.11.14
Photo via Flickr user atmtx

2011 war es noch selten, wenn deine Bestellung mit einem Tablet aufgenommen wurde. Mittlerweile ist es aber zu einer allgemein akzeptierten Anwendung von Technik im eher traditionellen Gastronomiesektor geworden. In manchen Restaurants in den USA gibt es mittlerweile schon auf jedem Tisch ein Tablet für die Kunden. Es braucht nur ein paar Wischbewegungen und ein paar Klicks und schon wird dir deine Pizza Margherita oder dein Erdbeer-Daiquiri an den Tisch gebracht.

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In einigen dieser Restaurants sind durch den vermehrten Einsatz von Tablets die Verkaufszahlen von Desserts (fast 20 Prozent) und Kaffee gestiegen. Auch das Trinkgeld für die Kellner fällt höher aus—die natürlich immer noch anwesend sind, um Bestellungen entgegen zu nehmen und Getränke an den Tisch zu bringen. Das liegt an der automatischen Trinkgeld-Empfehlung der Tablets, die das Risiko schlechter Kopfrechner minimiert. Außerdem verwenden in diesen Restaurants ungefähr die Hälfte der Kunden das Tablet, um nach der Rechnung zu fragen, damit sie den Kellner nicht herbeirufen zu müssen. Eine Win-Win-Situation, oder?

Die ganze neue Technologie sorgt bei manchen Leuten auch für Skepsis. Sie sind besorgt, dass iPads die Kellner komplett ersetzen. Andere wiederum sind besorgt, dass sie bespitzelt werden.

Wie du vielleicht schon bemerkt hast, sind die meisten digitalen Geräte mit einer Kamera ausgestattet. Das scheint für den Nachrichtensender CBS Sacramento eine Neuigkeit zu sein. Kürzlich veranlassten sie eine verdeckte Ermittlung in der amerikanischen Restaurant-Kette Chili's, um herauszufinden, ob dieser Punkt auf dem Tablet auf den Tischen, der wie eine Kamera aussieht, auch tatsächlich eine Kamera ist.

In einem Video schüttelt der Kunde Howard Fergarsky in paranoidem Misstrauen den Kopf, als er dem Reporter Kurtis Ming davon erzählt, wie er das erste Mal die Kamera am Tablet auf seinem Tisch im Chili's entdeckte. Seine Kellnerin versuchte ihm zu versichern—was wohl schon ziemlich verdächtig ist—, dass es nicht dazu verwendet wird, ihn dabei zu beobachten, wie er sich über seine Hühnerzucht oder den nervigen Rasenmäher seines Nachbarn unterhält oder über was auch immer die Leute so reden, wenn sie gerade im Chili's Abendessen. Fergarsky ließ sich davon nicht überzeugen und kontaktierte deshalb den Nachrichtensender, um den Journalisten von seiner Verschwörungstheorie zu erzählen.

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„Ich habe die Kamera entdeckt. Wieso ist hier eine Kamera?", fragt Fergarsky, ohne dabei zu berücksichtigen, dass es sich möglicherweise um ein Standard-Tablet handelt, das für die Verwendung im Restaurant leicht umgestaltet wurde. „Die braucht man doch nicht."

„Das ist unheimlich, zu viel des Guten", sagt seine Freundin und Begleitung Cheryl Keith zu den Reporten in diesem Video.

Obwohl die drei Restaurant-Ketten, in denen die Tablets derzeit hauptsächlich eingesetzt werden—Red Robin, Applebee's und Chili's—darauf beharren, dass die Kamera- und Mikrofonfunktion nicht für die Aufnahme ihrer langweiligen Konversationen verwendet werden und auch nicht die gelegentlichen Beschwerden über trockene Burger direkt an Marktforscher hinter einem Vorhang live übertragen werden, können die beiden ihre Paranoia nicht ablegen.

Im Applebee's können die Gäste die Kamera dazu verwenden, Selfies zu machen. Das Restaurant behauptet, dass die Kamera nur vom Kunden an- und ausgeschaltet werden kann und dass die Selfies, die auf den Tablets gespeichert werden, regelmäßig gelöscht werden.

Fergarsky und Keith sagen den Reportern, dass sie nicht bereit sind, irgendwie einzugehen und deshalb drehen sie ihre Tablets auf ihren Tischen um, wenn sie in den oben genannten Restaurants speisen. Ihre Unterhaltungen könnten zwar immer noch aufgezeichnet und analysiert werden, aber wenigstens besitzen sie dann immer noch die Rechte auf ihre Gesichter, die Chili's bestimmt für's ganz große Geld verkaufen würde.

Wenn Fergasky und Keith weiterhin in den großen Restaurant-Ketten essen wollen, müssen sie vielleicht leider bald Masken tragen und durch Stimmverzerrer sprechen. Ziosk, das Unternehmen, das die Tablet-Technologie für Red' Robin's und Chili's entwickelt hat, ist derzeit nämlich damit beschäftigt, Projekte für 15 der 50 größten Ketten umzusetzen.

Obwohl Tablets an den Tischen in europäischen Restaurants noch ein bisschen nach Zukunftsmusik klingen, solltest du dir vielleicht um deine Frontkamera an deinem privaten Laptop Gedanken machen. Zu der—genauso wie zu den Restaurant-Tablets—können sich nämlich creepy Hacker oder die NSA ganz einfach Zugang verschaffen. Wenn du also vermeiden willst, dass dein Stalker den Blödsinn siehst, den du in deinem Schlafzimmer treibst, während er gemütlich ein Sandwich an seinem Schreibtisch verputzt, dann klebe doch einfach ein kleines Stück Klebeband darüber. Problem gelöst.