"Man vergisst nach zehn Jahren auch irgendwann, was man sich dabei gedacht hat" – Dreaded Downfall im Interview
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"Man vergisst nach zehn Jahren auch irgendwann, was man sich dabei gedacht hat" – Dreaded Downfall im Interview

Dreaded Downfall ziehen nach zehn Jahren ihr Resümee zur Bandgeschichte, der österreichischen Musikszene, Bilderbuch und The Sorrow.
27.4.17

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Zehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit für das Bestehen einer Band. Vor allem in unserer schnelllebigen Welt, in der in jeder Minute mehr neue Bands gegründet werden, als Richard Lugner Frauen heiraten kann, ist es eine bemerkenswerte Leistung, so lange durchzuhalten. Dreaded Downfall ist eine der Bands, an denen der Zahn der Zeit kein bisschen genagt hat. Gerade haben sie ihr zweites Album Farewell to Greatness veröffentlicht, an dem sie die letzten zwei Jahre gefeilt haben.

Diese zwei Gründe habe ich zum Anlass genommen, um zu ihrem hauseigenen Downfall-Studio in Wien zu radeln und mich ausführlich mit den Jungs aus Oberösterreich zu unterhalten. Dabei hab ich mit Chris, Felix, Hauns, Konsti und Lukas über Linkin Parks neuen Stil, die eingeschlafene Metalszene Österreichs und vergessene Bandnamen gesprochen.

Noisey: Euch gibt's jetzt seit zehn Jahren. Wie ist es, Teil der österreichischen Metalszene zu sein?
Lukas: Es ist schwierig in Österreich. Es gibt viele, die was machen, aber es gibt wenige Bands, die das exzessiv betreiben und probieren, wirklich was zu erreichen. Also im professionellen Bereich ist nicht wirklich viel los.

Welche Änderungen in der Metal-Szene habt ihr in den vergangenen zehn Jahren miterlebt? 
Chris: Die Quantität hat immer überwogen. Die Zahl der Bands ist gestiegen, die Qualität nicht. 
Konsti: Ich sag es mal böse: Es gibt überwiegend schlechte Bands und von den guten Bands haben sich die meisten aufgelöst. Überspitzt gesagt: Auf jede gute Band kommen fünf bis zehn Bands, die furchtbar schlecht sind. 
Felix: Wenn ich an Oberösterreich denke – wo wir ja ursprünglich her sind –, war vor zehn Jahren noch wirklich viel los, als wir angefangen haben. Und ich hätte nicht mitgekriegt, dass da jetzt noch irgendetwas nachgekommen ist. 
Konsti: Es gibt ganz kleine Bands, die in Jugendzentren spielen
Lukas: Das hat auch sicher was mit dem Genre zu tun. Metalcore und alles, was damit in Verbindung steht, war vor fünf bis sechs Jahren noch beliebter als heute. Es ist zwar immer noch ein Wunder, dass zum Nova Rock 200.000 Leute hinrennen, obwohl die Musikrichtung übers Jahr verteilt eigentlich weniger Fans hat als früher. Aber ich glaube, das ist eher der Camping- und Sauffaktor, haha.
Konsti: Da kommen die Leute halt, weil da riesige Bands kommen. Wenn Rammstein spielt, reisen die Fans überall hin. 
Lukas: Ja eh, aber auch Metalbands wie Architects oder While She Sleeps zahn aufm Nova Rock noch wirklich viele Leute und das ist bei österreichischen Bands eher nicht so. Ich mein, da hat's früher die Klassiker gegeben, wie The Sorrow, die auch als österreichische Band die Arena voll gebracht haben. Das gibt es heute eher nicht mehr.

"Schweden hat den Ruf, dass dort immer coole Musik herkommt. In Österreich denkt man sich: 'Wir haben die Klassik, das reicht.'"

Ich hab auch die Beobachtung gemacht, dass gerade im Metal-Bereich in Österreich selten noch was passiert, aber auch in Deutschland nimmt es langsam ab, glaube ich. 
Chris: Nein, Deutschland hat schon eine prosperierende Szene.
Lukas: Das stimmt, in letzter Zeit mit Alazka und diesen ganzen Bands da. Aber wenn man sich die letzten zehn Jahre in Deutschland anschaut, was hat es da gegeben? Heaven Shall Burn, Caliban und das war's.
Konsti: War from a Harloths Mouth haben sich aus dem gleichen Grund aufgelöst wie The Sorrow. Die haben auch gesagt, sie haben es probiert und es ist nichts passiert. 
Chris: Ich glaub, dass die deutschen Bands auf unserem Niveau ganz anders ankommen und arbeiten. Wenn du dir anschaust, was manche Bands, die unseren Reach haben, dort für Touren spielen, auch wenn sie eingekauft sind und welchen Support sie innerhalb der Szene kriegen –das ist schon was anderes.
Konsti: Northlane zum Beispiel kommt extra nach Deutschland, um aufzunehmen. Das sagt sicher was über die Leute aus, die dort arbeiten. 
Lukas: Ich find, im Gegensatz zu England zum Beispiel – und England ist um einiges kleiner – ist das gar kein Vergleich. Oder wenn man sich Schweden anschaut, 
Konsti: In Schweden hat Metal auch einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Es reicht schon, wenn man sich die Dichte der Metalbands pro Einwohner ansieht. In Skandinavien ist es auch noch ganz normal, dass Metal auf Platz eins der Charts geht. 
Hauns: Und du kriegst halt als junge Band Subventionen, was schon auch ziemlich geil ist. Das gibt's bei uns nicht. 
Lukas: Ein bisschen schon, die Kulturförderung hat uns damals 750 Euro zahlt.
Felix: Was, 750?!
Lukas: Voll, einmal 600 und einmal 150.

Was meint ihr, woran das liegen könnte?
Lukas: Schweden hat den Ruf, dass dort immer coole Musik herkommt. In Österreich denkt man sich: "Wir haben die Klassik, das reicht."

Aber gerade Oberösterreich sei sehr großzügig und offen für alle Genres, was Förderungen betrifft.
Chris: Stimmt, die haben da schon eine gewisse Vorreiterrolle in Österreich.
Lukas: Man muss auch dazusagen, dass die musikalische Bildung und Erziehung in Oberösterreich wirklich hervorragend ist und das resultiert dann eben auch in jungen Menschen, die Musik machen.

"Es hat Konzerte gegeben, nach denen wir gesagt haben: 'So wie wir heute gespielt haben, können wir nie wieder spielen.'"

Gab es in den vergangenen zehn Jahren den Moment, an dem ihr gedacht habt, dass ihr alles hinschmeißt? 
Felix: Manchmal war es schon zäh, aber hinschmeißen wollte ich das nie. Ich hab auch in der Band nie das Gefühl gehabt, dass das im Raum steht. Aber jetzt müsst ihr mir helfen, ich bin mir da echt nicht ganz sicher.
Lukas: Die Band gibt es seit zehn Jahren und wir waren schon immer recht zielstrebig, aber bei uns war es auch immer so, dass wir uns selber rausgenommen haben, in schwierigen Phasen – sei es wegen dem Studium, der Arbeit oder wegen privaten Schwierigkeiten – auch mal das Ganze ein bisschen zurückzufahren. Das Geheimnis, warum es uns schon so lange gibt, ist, dass wir es nie überhitzen haben lassen. Aber es gab nie den Moment an dem wir uns zusammengesetzt haben und uns gefragt haben, ob es noch einen Sinn hat. Uns hat es immer Spaß gemacht. 
Konsti: Es hat schon auch Konzerte gegeben, nach denen wir gesagt haben: "So wie wir heute gespielt haben, können wir nie wieder spielen." Aber da stand auch nie die Bandauflösung im Raum, sondern der Drang zum Besserwerden. Und es gibt natürlich auch Monate oder vielleicht sogar Jahre, in denen nach außen hin nix passiert. 2011 gab es zum Beispiel keinen einzigen Facebook-Post von uns.
Felix: Hatten wir 2011 überhaupt schon Facebook?
Lukas: Das war zwischen MySpace und Facebook.
Konsti: Ja eben und da ist nach außen hin einfach kaum was passiert, aber die Band hat sich ja trotzdem getroffen. 
Felix: Ich kann mich an 2011 gar nicht mehr erinnern, haha.

2011 war das Jahr von "Saving Schwoabn".

[Alle beginnen überrascht zu lachen]

Lukas: Ah, das gibt's noch? Dann haben wir dort eh unser Unplugged-Konzert gespielt. 
Lukas: Solche Sachen haben wir auch immer gerne gemacht. Es gibt Bands, die ziehen ihre Schiene durch und wir haben immer wieder Phasen gehabt, in denen wir verschiedene Sachen ausprobiert haben. Man verliert zwar Zeit damit, aber auf der anderen Seite ist es cool. Für mich ist es so, dass wir stolz darauf sein können, dass es uns schon seit zehn Jahren gibt. Das ist unsere größte Leistung. Alles andere ist schön und gut, aber wenn es die Band nicht mehr gibt, bringt dir das beste Album nichts mehr. Zehn Jahre sind mehr als ein Drittel meines Lebens.
Lukas: Es hat auch nie den Moment gegeben, in dem wir gesagt haben "OK, bei diesem Angebot steht uns der Durchbruch bevor." Wir haben einfach immer Sachen releast, den Leuten hat's mehr oder weniger gefallen und wir haben immer größere Shows gespielt.

Was war die größte Show, die ihr je gespielt habt?
Konsti: Ich glaub eh Nova Rock, oder?
Lukas: Na.
Hauns: Ich glaub in Budapest auf dem Schiff, oder?
Lukas: Ah ja, stimmt.
Hauns: Oder Moskau? 
Felix: Budapest war auf jeden Fall eine der coolsten Gschichten.
Lukas: Als wir We Came As Romans in Budapest supportet haben, das war schon cool! Da haben wir Miss May I ersetzt. 
Konsti: He, da hat man uns bis heute keine Gage gezahlt
Felix: Die größte Show war das auf jeden Fall nicht, aber sicherlich die coolste. 
Konsti: Es hat sich am größten angefühlt, weil alle Leute wirklich mitgefeiert haben. 
Lukas: Wir haben jetzt zwar noch keine riesen Festival-Show vor 5000 Leuten gespielt, aber die Clubshows mit Being as an Ocean, We Came as Romans oder More Than a Thousand, da waren echt geile Sachen dabei. Da haben wir uns neben den großen Bands schon behauptet und sind nicht negativ aufgefallen.

Wie ist es, als kleine lokale Band solche Szenegrößen zu supporten? 
Lukas: Man muss als kleine Band echt hart arbeiten, damit man dann nicht der Idiot ist. Also größer als Being as an Ocean geht's im Melodic Hardcore zum Beispiel nicht. Und dann stehst du dort und bist halt der Niemand. Da muss man sich gerade als lokale Supportband wirklich ins Zeug legen, damit man nicht negativ auffällt. Das hat bisher eh ganz gut funktioniert. Ich hab noch nie das Gefühl gehabt, dass wir uns bei einer Show voll blamiert haben. Außer vielleicht im ersten halben Jahr.
Konsti: Haha, ja. In Vöcklabruck.
Chris: Na geh.
Lukas: Na ja, es waren schon ein paar Sachen dabei, wo wir angsoffen waren
Felix: Ja, aber das war lustig. 
Lukas: He, willst du eigentlich was zu trinken haben? Ein Bier oder so?

Ja, gerne! Auf euren Geburtstag, Prost! Ich hab übrigens selten so schön ausgeschriebene Tabs gesehen wie eure. Wer ist bei euch fürs Songwriting zuständig? 
Felix: Das war ich, glaub ich.
Hauns: Oder ich?
Chris: That's your moment, Hauns!
Hauns: Das Schlagzeug haben wir damals noch in Guitar Pro geschrieben. 
Lukas: Wir haben eigentlich alle in der Band eine relativ gute musikalische Ausbildung, auch was Notierung und Notensatz betrifft. Felix ist ja sowieso Berufsmusiker. 
Felix: Das ist ein bisschen hochgestochen, aber bitte.
Konsti: Na, er müsste es dann noch versteuern, haha. 
Hauns: Nochmal zum Songwriting. Bis jetzt sind sehr viele Ideen im Guitar Pro entstanden – also schon in Tabform.

Also jammt ihr nicht als Band und versucht, euch das Beste zu merken? 
Felix: Wir haben in Wien eben keinen eigenen Proberaum, sondern mieten uns immer nur stundenweise irgendwo ein. In Oberösterreich haben wir damals noch im Kinderzimmer von unserem alten Schlagzeuger geprobt. Und in Wien sind wir dann draufgekommen, dass das Songwriting am besten funktioniert, wenn wir das bei mir daheim machen und die G'schichten gleich aufnehmen. Und das Schlagzeug haben wir dann einfach programmiert, weil das sonst zu laut gewesen wär. 
Konsti: Es gibt dir auch gleich eine ganz andere Perspektive zu den Songs, wenn du deine Stimme nicht spielen musst, sondern sie einfach nur anhörst. 
Hauns: Im Endeffekt ist es wirklich effizienter.

"Es gibt einfach alles schon tausendmal und die Leute sollten einfach akzeptieren, dass niemand mehr was Neues macht. Das ist ja mit Bands wie Bilderbuch auch so, die machen auch nichts Neues."

Woraus habt ihr im letzten Jahrzehnt die meiste Inspiration geschöpft? Gab es da irgendwelche Bands, die euch besonders motiviert haben?
Hauns: Bandinspiration hat's viel gegeben, das kann man so nicht aufzählen.
Chris: Ich glaub, dass das bei uns immer sehr individuell war. 
Lukas: Jeder von uns hört andere Musik und dann kommt dabei ein Genremix heraus, der ganz eigen ist. 
Konsti: Mit donnerden Drums!
Felix: Nur kurz zur Sicherheit, das war ein Scherz!
Lukas: Das ist halt so ein Standard-Ding, das alle sagen: "Jeder von uns hört unterschiedliche Musik und deshalb ist der Musikstil unserer Band so speziell und eigen." Aber in Wirklichkeit ist es so, dass man diese Bands total leicht einteilen kann. Natürlich gibt es Nuancen, die unterschiedlich sind, aber das liegt nicht daran, welche Musik sie hören, sondern weil alle Fähigkeiten in einem anderen Bereich haben und man sich dann das irgendwie zusammenstreitet. Aber es hängt auf jeden Fall nicht damit zusammen, dass man damit neue Sphären der Metalcore-Musik entdeckt. Es gibt einfach alles schon tausendmal und die Leute sollten einfach akzeptieren, dass niemand mehr was Neues macht. Das ist ja mit Bands wie Bilderbuch auch so, die machen auch nichts Neues. 
Konsti: Das tun sie nicht, aber das behaupten sie auch nicht.
Lukas: Wir haben ja früher in Oberösterreich ein paar Mal mit ihnen gespielt, als sie noch eine Rockband waren - jetzt verfolg ich sie nicht mehr. Für mich ist Bilderbuch halt cool, weil sie in diesem Indie-Ding wirklich cool sind. Sie sind kreativ und er [Frontman Maurice Ernst, Anm.] macht das mit der Kunstfigur gut.

Mir ist aufgefallen, dass auf Farewell to Greatness die Songs "Dear Father" und "I'm Broken" hintereinander kommen. Der Chorus von "Dear Father" beginnt mit der Line "Dear Father, I'm broken" – ist das Zufall oder war das gewollt?

[Alle beginnen zu applaudieren]

Lukas: Yeah, nicht schlecht! Du bist der Erste, dem das auffällt. Ja, das ist Absicht. 
Konsti: Der Critical Pixie ist das auch aufgefallen.
Felix: Du bist der Zweite, dem das auffällt.
Lukas: Inhaltlich geht es bei den Liedern um unterschiedliche Dinge, aber sie haben irgendwie beide dieses I'm Broken-Gefühl. Wir haben die Lieder unabhängig voneinander geschrieben und sind dann eben draufgekommen, dass im Prechorus dieses "Dear father, I'm broken" vorkommt und dann haben wir uns entschieden, das zusammen zu geben.

Angefangen habt ihr ja nicht unter dem Namen Dreaded Downfall, sondern als …?
Lukas: Echolink, haha.
Felix: Wahnsinn, wo findet man sowas?!
Konsti: Gibt's nicht einen Songtext, in dem es um die Geschichte von Dreaded Downfall geht?

"Ich hab damals experimentiert mit dem 'Bandname-Generator' und da war irgendwann mal 'to dread irgendwas'. Und so bin ich dann auf Dreaded Downfall gekommen."

Ich habe nach eurem Myspace-Profil gesucht und bin dann auf ein Interview gestoßen, in dem das gestanden ist. Warum gibts eigentlich kein Myspace-Profil von euch? Damals war Facebook ja noch nicht wirklich populär bei uns.
Konsti: Wir haben eine ziemlich coole Website gehabt. Die hat 50 Euro gekostet oder so. 
Felix: Mehr, 70 Euro haben wir gezahlt. 
Konsti: Ja, dann wurde das Format umgestellt und nichts hat mehr funktioniert. Und da die Seite eh schlecht besucht war, haben wir's dann gelassen.
Lukas: Wer besucht eigentlich noch Myspace, außer Journalisten?
Felix: Szene1 haben wir auch noch gehabt! Übrigens war Echolink schon der erste Name, aber wir haben schon beim ersten offiziellen Auftritt Dreaded Downfall geheißen.

In besagtem Interview stand auch, dass Dreaded Downfall durch einen Bandnamen-Generator entstanden ist.
Lukas: Na ja, das ist eigentlich ein Mythos.
Felix: Was?! Ich glaub das seit zehn Jahren!
Lukas: Ich hab damals experimentiert mit dem "Bandname-Generator" und da war irgendwann mal 'to dread irgendwas'. Und so bin ich dann auf Dreaded Downfall gekommen.
Konsti: Wolltest du auch nicht absichtlich etwas mit zwei "D"s haben?
Lukas: Genau, weil da Hauns gesagt hat, dass es dann mit dem Logo einfacher geht, haha.
Hauns: Ja, zwei Ds waren schon angenehm.
Lukas: Man vergisst nach zehn Jahren auch irgendwann, was man sich dabei gedacht hat. Für mich ist Dreaded Downfall einfach das, was in den letzten zehn Jahren alles passiert ist. Das ist eine Summe aus allen Leuten und Erlebnissen, die dabei waren.

Jetzt beginnt ja sowieso die Welle der Namensänderungen, wie man zum Beispiel bei Itchy Poopzkid und Burning Down Alaska sieht.
Lukas: Das versteh ich eh. Diese ganzen Bands mit den oagen Namen werden auch irgendwann erwachsen und sehen ein, dass sie anders ernster genommen werden. Ich mein "Burning Down Alaska", warum? Das hat keinen Sinn.
Chris: Ein Relikt aus einer Zeit.
Konsti: Ja, oder Being as an Ocean.
Lukas: Na, Being as an Ocean ist poetisch! Das ist richtig schön.
Konsti: Hängt das zusammen? Burning Down Alaska, Being as an Ocean?
Chris: Weg vom Silbenschema, da geht es um die Semantik. 
Felix: Was? Red so, dass ich's auch verstehe, haha.
Lukas: Schreib auf: "Chris redet gscheit."

Was tut sich sonst im Moment alles bei euch?
Lukas: Sehr viel. Vor allem jetzt mit dem neuen Label und dem Konzert am 27. April im B72 mit Leons Massacre und Skyshape. Dann haben wir noch ein neues Lyric-Video rausgehaut. Dann spielen wir noch in Mattersburg, in Steyr wahrscheinlich auch noch.  
Chris: Und Heavy Mölltol in Kärnten.
Lukas: Wir sind sehr froh, dass wir diese Chance jetzt bekommen. Wir haben ja zwei Jahre lang an dem Album geschrieben.

Arbeitet ihr seit zwei Jahren wirklich aktiv am Album oder habt ihr euch manchmal eine Pause gegönnt?
Konsti: Na, wir haben uns schon zwei Jahre lang dreimal die Woche getroffen. Auf der Russland-Tour habt ihr ja auch schon geschrieben.
Lukas: Da ist der Hauns mal zwanzig Minuten im Bus gesessen und hat irgendwas aufgeschrieben, haha. Teilweise hatten wir auch ein Chaos bei der Organisation, wegen den Releases und dem Schreiben nebenher. 
Hauns: Und mit "Promises" haben wir ja auch umgestellt wie wir das Songwriting angehen. Also weg vom Proberaum und Herumprobieren zu gleich aufnehmen. 
Felix: Das ist eben auch ein langer Lernprozess und man wird auch besser mit den Aufnahmeprogrammen. 
Lukas: Uns freut es auch sehr, dass das Feedback zum Album bisher so positiv ausgefallen ist. Manche sagen zwar, dass es eher nicht mehr so die Metalcore-Schiene ist und das stimmt auch. Wir experimentieren da noch ein bisschen herum. 
Konsti: Auf der Suche nach dem einen Sound!
Lukas: Was würdest du dazu sagen, wenn du unsere alten und neuen Lieder vergleichst?

Also ich find, wenn man sich Ruin and Glory anhört, ist das schon vergleichbar mit den ersten Tracks vom neuen Album.
Lukas: Das stimmt schon, aber generell sind halt Melodien und cleaner Gesang wichtiger geworden. Vielleicht ist auch die ganze Stimmung ein bisschen poppiger.
Felix: Wir sind auch bei den Gitarren weg von diesen typischen Metalcore-Riff-Gschichtn hin zu einem bisschen flächigeren Sound. 
Hauns: Die Songstruktur ist mittlerweile auch eine andere. Durchdachter und nicht einfach dahingschrieben.
Lukas: Also ich find, dass man schon eine Entwicklung hört, aber es ist jetzt nicht so wie bei Linkin Park.

Apropos Linkin Park: Was sagt ihr zu der Entwicklung und den Shitstorms die Linkin Park und Suicide Silence gerade ernten?
Lukas: Na ja, die Leute haben einfach viel zu viel Zeit, um sich aufzuregen. Aber man muss schon sagen, dass das Album von Suicide Silence vocalmäßig schon peinlich ist, weil er teilweise falsche Töne singt. Und das ist bitter, weil die Band eigentlich sau gut ist. Und Linkin Park wollen nicht mehr ihren Nu Metal machen, den sie vor 20 Jahren noch gemacht haben.
Chris: Sie machen mit beidem Kohle, also von dem her. 
Konsti: Ich versteh's eh. Irgendwann wird ihnen langweilig und erfolgreich wird's sowieso. Linkin Park könnten auch einfach einen fahren lassen und es wäre erfolgreich. Sie haben dadurch auch mehr Publicity, wenn sie was anderes machen. Weil 500 schlechte VICE-Artikel sind noch immer 500 Artikel. Nichts gegen VICE, aber du weißt, was ich meine.
Chris: Haha. Sei vorsichtig, Konsti!
Hauns: Gibts eigentlich noch Nu Metal?
Lukas: Jetzt wird's Retro. Es war so geil, wie Fred Durst am Frequency gesagt hat: "Hey, you motherfuckers. Let's party like it's 1998!"
Hauns: Es kommt dann halt darauf an wie groß der Unterschied zwischen den alten und den neuen Sachen ist. Zäh wird es dann, wenn du beides live spielen willst und einen Übergang finden musst. 
Lukas: Das ist wie bei den Kanadiern, die jeder so gschissn findet. Wie heißen die?
Chris: Nickelback?
Lukas: Haha, ja genau. Wenn du dir die live anschaust ist das richtig geiler Rock. Viel besser als auf dem Album.

Ich trau mich nie es zuzugeben, aber ich find Nickelback auch nicht so schlecht.
Chris: Ich auch nicht!
Konsti: Ist das für die eigentlich noch irgendwie relevant, ob sie scheiße gefunden werden? 
Felix: Nein, aber verwunderlich. 
Lukas: Der Sänger, Chad Kroeger, sitzt auf seinem meterhohen Berg aus Bargeld und denkt sich, dass ihn ruhig alle scheiße finden können. 
Konsti: Außerdem kann es nicht jeder hassen, sonst wären sie jetzt nicht dort, wo sie sind.

Na ja, hoffen wir, dass bald wieder was Erfolgreiches aus Österreich nachkommt.
Lukas: Es gibt momentan schon ein paar junge Bands, die ganz coole Sachen machen, Leons Massacre zum Beispiel. Die sind auch eine neue junge Formation. Hard to Believe ist ziemlich cool.
Konsti: Companion! Und gibt's Showyourteeth noch?
Lukas: Ja, voll! Da erinner ich mich an eine Geschichte von unserem ersten Bandcontest. Damals waren auch Mosfet dabei. Dann ist der Gitarrist von ihnen hergekommen und hat gesagt: "Ja, in Österreich geht's jetzt bergauf wegen The Sorrow, kennst du die?" Ich hab dann gesagt, dass ich sie nicht kenne. Er hat mir dann erklärt, dass das so eine Vorarlberger Partie ist, die jetzt die nächste große Metalcore-Band werden. Das war 2008 oder 2009. 

Sehr akkurat prophezeit, sie sind ja dann doch ziemlich groß geworden. Das wünsch ich euch übrigens auch! Viel Erfolg für eure Zukunft und gebt Gas im B72, ich komm auf jeden Fall.


Dreaded Downfall spielen am 27. April ihre einzige Hometown-Show des Jahres zusammen mit Leons Massacre und Skyshape live im B72 Wien.

Sandro auf Twitter: @voriboy

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