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Utz Claassen—Mallorcas Patriarch mit dem Hang zum Größenwahn

Ex-NBA-Ikone Steve Nash übernimmt die Mehrheitsanteile bei RCD Mallorca. Den spanischen Verein hatte zuvor Utz Claassen übernommen und kaputt gekrempelt, so wie verschiedene andere Unternehmen. Die Geschichte eines Schmierlappens.
8.1.16
Foto: Imago

Diese Nachricht sorgte für viele offene Münder: Zusammen mit einigen Geschäftspartnern, unter anderem dem Eigentümer seines EX-NBA Clubs Phoenix Suns, kaufte der zweifache NBA-MVP Steve Nash 80 Prozent der Anteile von RCD Mallorca. Die restlichen 20 Prozent hält weiterhin der deutschen Unternehmer Utz Claassen. Dieser bleibt auch Präsident des Vereins, hat jedoch rechtlich gesehen keinerlei Entscheidungsmacht mehr. Dass Claassen aus einer Führungsposition ausscheiden musste, ist keine Besonderheit. Es verwundert allerdings, dass es so lange gedauert hat.

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Utz Claassen ist ein kleiner, weißhaariger Mann, mit Schnauzer und glitzerndem Goldkettchen um den Hals. Doch vor allem ist er ein Macher. Als Präsident und Vorsitzender von SEAT und später Vorstandsvorsitzender von Deutschlands drittgrößtem Energiekonzern EnBW scheffelte Claassen schon in jungen Jahren Millionen. Er war der jüngste Manager Deutschlands, ein gefürchteter Wirtschaftsboss und hat in unzähligen großen Unternehmen seine Finger im Spiel. Sein ungnädiger, autoritärer Führungsstil brachte ihn ganz nach oben. Doch ein Problem bahnte sich immer wieder an: früher oder später geriet der Unternehmer bei vielen seiner Projekte ins Visier der Staatsanwalt. So auch bei EnBW, 2007 wurden ihm werden schwere Vorwürfe gemacht, er habe den Konzern zu seinen Gunsten schlecht gerechnet. Er tritt zurück.

Im Laufe der Jahre zog er sich etwas von seinem Königsthron der Wirtschaft zurück und widmete sich Dingen, die er wirklich liebte, wie zum Beispiel: dem Fußball. Doch auch dort ist der 52-Jährige kein unbeschriebenes Blatt, 1997 besetzte er den Präsidentenposten bei seinem Herzensverein Hannover 96.

Ein Mann mit einer Mission: Utz Claassen; Foto: Imago/Rust

Er schaffte es aber durch die Kündigung des Vereinsmanagers das Team, die Fans und den Verein in solchen Ausmaßen gegen sich aufzubringen, dass er nur noch in Begleitung von Personenschutz ins Stadion kann, 74 Tage später verkündet er seinen Rücktritt. Auch bei der Fußball WM 2006 glänzte er durch schmierig, schlüpfriges Verhalten und lud persönlich, einige Politiker, die in Verbindung zu EnBW stehen, ein. Er wurde wegen Vorteilsgewährung angeklagt und stand kurze Zeit später wieder vor Gericht.

Doch das hält ihn nicht davon ab sich wieder in die Welt des Fußballs zu stürzen, 2010 investierte er mit hohen Zielen in den Fußballclub Real Mallorca. Über die Jahre kaufte Claassen immer mehr Anteile des Clubs. „Die schönste Insel der Welt verdient es, dass ihr Klub in der besten Liga der Welt spielt." sagte er gegenüber der Bild und machte damit sein Ziel klar: Real Mallorca sollte in der Tabellenspitze der Primera Division mitspielen. Der Verein sollte ein Touristenmagnet werden, bei Gegnern wie Christiano Ronaldo und Lionel Messi erhoffte er sich ein volles Stadion und einen riesigen Fanhype. Doch die Pläne zerfielen, 2012 folgt ein Rechtsstreit mit dem damaligen Vorstand, das Verhältnis zwischen Claassen und dem Vorstand war angespannt. In der Saison 2012/2013 passiert es dann: Real Mallorca stieg in die zweite Liga, Liga Adelante, ab. Dahin sind die Träume von vollen Stadien.

Claassen ließ sich davon jedoch in keiner Weise schocken, nur ein Jahr später wurde er Präsident des Vereins und dazu noch völlig größenwahnsinnig: Er musste zurück in die erste Liga! Überall auf der Insel sollten Fanshops eröffnet werden und das Stadion komplett renoviert werden. Auch sportlich legte er nach und verpflichtete zwölf neue Spieler. Um die neu gewonnenen Jungspunde von jeglichem Unfug abzuhalten, legte er zu dem noch ein paar Regeln fest und verlor sich im völligen Verbotswahn: Auf dem Trainingsgelände verbot er das Tragen von Ohrringen und Piercings. Auch Haarschnitte die „nicht mit dem Bild des Vereins übereinstimmen" waren verboten, sowie Mützen im Mannschaftsbus und in der Kabine. Er tolerierte keinerlei Prollo-Getue und erwartete das alle vollkommen nach seiner Pfeife tanzen. Taten sie auch, doch trotz strenger Regeln, Investitionen und taufrischem Kader änderte sich nichts. Real Mallorca dümpelte weiterhin im Keller der Tabelle herum. Ein Wiederaufstieg in die erste Liga ist lange nicht in Sicht, mit Platz 16. droht den Inselkickern im Moment sogar ein Abstieg in die dritte Liga.

Mit seinem autoritärem Führungsstil, seiner Kontrollsucht und seiner Machtgeilheit scheiterte er bei Real Mallorca. Nach einer Kapitalerhöhung suchte der Unternehmer neue Investoren, die er in Nash und seinen Geschäftspartnern nun gefunden hat.

Ob Real Mallorca nun unter der Führung eines Ex-Basketballstars, welcher beteuert das Fußball schon immer seine eigentliche Liebe war, wieder aufsteigen wird…werden wir sehen.