The Restless Youth Issue

So leben berufstätige Frauen in Saudi-Arabien

In dem patriarchalen Königreich arbeiten nur wenige Frauen, 96 Prozent davon als Lehrerin. Ein neue Fotoreihe erforscht das Leben der restlichen 4 Prozent.

von Laura Boushnak
01 Juli 2017, 2:30am

Rozana Albanawi, 32, ist die erste saudische Frau, die als zertifizierter Coaching-Partner arbeitet

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Kaum ein Land ist so patriarchal und religiös wie Saudi-Arabien. Ich war vor Kurzem dort, um für mein fortlaufendes Projekt I Read, I Write zu dokumentieren, wie Frauen unter derart widrigen Bedingungen studieren und arbeiten. Die Arbeitslosenquote unter Frauen ist hoch und das Land bietet ihnen nur wenige qualifizierte Jobs. Von den erwerbstätigen Frauen sind 96 Prozent Lehrerinnen. Vor meiner Reise fragte ich mich, was die restlichen 4 Prozent wohl machen.

Die Regierung in Riad hat sich bemüht, gering qualifizierte Gastarbeiter durch Einheimische zu ersetzen, und ein Vertreter dieser Initiative sagte mir, man versuche gezielt, auch Frauen zu vermitteln. Doch die Jobs, die so in Fabriken und im Einzelhandel frei werden, helfen hoch qualifizierten Frauen nicht weiter. Die Reformen mögen die Wirtschaft und die Erwerbstätigkeit bei Frauen fördern, Kritikern greifen sie aber zu kurz, besonders solange die strikte Geschlechtertrennung und die Gesetze über die männliche Vormundschaft fortbestehen. Fortschritt in dem mächtigen Ölstaat Saudi-Arabien würde auch seine Nachbarländer mitziehen und die Menschenrechtslage für Frauen insgesamt verbessern.

Dschidda ist eine relativ liberale Stadt mit einer hohen Arbeitslosenquote. Ich habe dort fünf Frauen mit Hochschulabschluss begleitet, um mehr über ihre Arbeit, ihre Ansichten und ihr Leben in einer derart frauenfeindlichen Gesellschaft zu erfahren.

Rozana an der Strandpromenade von Dschidda

Die Filmemacherin und Schauspielerin Ahd Kamel probiert beim Casting für ihr Spielfilmdebut als Regisseurin, My Driver and I, eine Perücke an. Sie zog mit 17 von Dschidda nach New York, um Jura zu studieren, brach das Studium aber ab. Trotz einigem Widerstand wechselte sie an die Filmschule. Vor vier Jahren ist sie nach Dschidda zurückgekehrt, um an ihrem Kurzfilm La sainteté zu arbeiten.

"Vor ihm muss ich mich nicht zensieren", sagt Ahd über ihren Onkel. Sie wuchs in Dschidda in einer privilegierten Familie als einzige Tochter mit vier Brüdern auf. Bereits mit 19 hatte sie beide Eltern an Krebs verloren.

Basma Buschnak, 32, beantwortet auf dem Heimweg E-Mails. Sie ist die Mitbegründerin und Geschäftsführerin von Emkan Education, einer Schulentwicklungsfirma in Dschidda. Die drei Partnerinnen der Firma beraten private und öffentliche Einrichtungen, entwickeln Lehrpläne und maßgeschneiderte Lehrinhalte.

Basma, die sehr viel arbeitet, entspannt mit Freunden in einem Wochenendhaus bei Dschidda.

Mona AlSaydlani, 31, arbeitet mit einem Kollegen in einem Labor von Dow Chemical auf dem Campus der König-Abdullah-Universität für Wissenschaft und Technologie. Sie liebt Chemie und hat Ingenieurswesen studiert. Als sie bei Dow anfing, war sie dort die erste saudische Frau.

Mona lebt allein und fährt nachts gern Rad, um nach einem langen Arbeitstag zu entspannen.

Alaa Bahri, 35, behandelt in ihrer Praxis in Dschidda eine Patientin. Sie ist die einzige Frau in der Region, die als Okularistin arbeitet. Da sie als erste in Saudi-Arabien Augenprothesen herstellt, musste sie vier Jahre auf die Lizenz des Gesundheitsministeriums warten, bevor sie ihre Klinik 2010 eröffnen konnte. Sie hatte die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten, blieb aber in der Heimat, weil sie findet, dass sie hier gebraucht werde.

Mit der Unterstützung ihrer Familie begann Alaa ihre Ausbildung in Spanien. Hier ist sie in Dschidda zu sehen.

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