Feminismus

Die Renaissance männlicher Feministen in Hollywood

Von Ryan „Hey Girl“ Gosling bis zu Mark „The Hulk” Ruffalo: Immer mehr Prominente setzen sich offen für Gleichberechtigung und Frauenrechte ein. Endlich.
15.4.16
Foto: imago | Independent Photo Agency

Ende März hat sich Chris Hemsworth in einem Radiointerview als Feminist geoutet, während er seinen Film The Huntsman: Winter's War vorgestellt hat—ein Film, in dem es zwar drei weibliche Hauptrollen gibt, der aber trotzdem nach dem männlichen Protagonisten benannt worden ist. Als man ihm die Frage stellte, antwortete Hemsworth: „Oh ja, na klar. Meine Mutter ist eine große Feministin. Ich denke, dass ich viele meiner Ansichten, was den Respekt gegenüber Frauen und so angeht, von meiner Mutter habe."

Wie du, ich und all die schlagzeilengierigen Promi-Magazine da draußen wissen, führt der schnellste Weg in das Herz der weiblichen Leserschaft nicht über das markante Kinn oder die bemerkenswerten Bauchmuskeln eines Hollywood-Schönlings, sondern über seinen Sinn für soziale Gerechtigkeit. Was hält er von Frauenrechten? Was sagt er zu den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen? Was denkt er über die Bevorteilung von Weißen? Bernie Sanders: ja oder nein?

Hemsworth ist nur einer von vielen Hollywood-Männern, die den wohl riskantesten und gefährlichsten Weg eingeschlagen haben, den ein wohlhabender, im traditionellen Sinne attraktiver, weißer Cis-Mann überhaupt einschlagen kann: Er hat sich als praktizierender Feminist geoutet. An dieser Stelle möchten wir seine Schauspielerkollegen feiern, die dasselbe getan haben.

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Ryan Gosling

Gosling ist das Urbild eines aktiven feministischen Mannes und hat unter anderem deshalb Heldenstatus erlangt, weil er mit Brille einfach unglaublich gut aussieht und nett zu seinen weiblichen Co-Stars ist. Heutzutage verlangen wir schon mehr von unseren berühmten Feministenkollegen—zum Beispiel sollten sie mindestens zwei Bücher von Elena Ferrante sowie passives Wissen über Emma Goldman besitzen. Aber im Jahr 2011? Da war so etwas noch Gold wert.

Jon Hamm

In Mad Men spielte Jon Hamm einen Typen aus der Werbebranche, der gerne Whiskey trinkt, mit Frauen schläft und Verträge abschließt—in dieser Reihenfolge. Im wahren Leben macht sich Jon Hamm selbst regelmäßig über sein erstaunlich gutes Aussehen lustig, indem er absolute Vollidioten spielt. Beispielsweise einen von Gameshows besessenen Sektenführer (Unbreakable Kimmy Schmidt), oder einen Mann der so dumm ist, dass er sich selbst beim Sex kommentieren muss, um nicht den Überblick zu verlieren (Bridesmaids). Er hat auch in Minions mitgespielt, aber das wollen wir ihm jetzt mal nicht übel nehmen. Alles in allem ist es doch so, dass das Patriarchat durch nichts wirkungsvoller demontiert wird, als dadurch, seine Karriere darauf aufzubauen, Männer als den größten Ausschuss irdischen Daseins darzustellen, oder?

Joseph Gordon Levitt

Mit 15 Jahren war er der Star in Hinterm Mond gleich rechts und auch seine Ansichten über Frauen sind nicht von dieser Welt! (also, im guten Sinne). Levitt hat Playback zu Janet Jacksons „Rhythm Nation" gesungen und dabei Lippenstift getragen (rebellisch!). Als Hommage an seine feministische Mutter, hat er Don Jon gedreht—einen Film, der zeigt, wie negativ sich exzessiver Pornokonsum auf unser Leben auswirken kann—vor allem wenn du ein mit Steroiden vollgepumpter Typ aus New Jersey bist (respektvoll!). Und zu guter Letzt hat er sich nicht nur in der Ellen Degeneres Show als Feminist geoutet (mutig!), sondern auch noch ein YouTube-Video gedreht, in dem er erklärt, warum er Feminist ist (viral!). Kurzum: Gordon Levitt sieht zwar aus, als wäre er ein Weichei, das seine Dissertation über Anne Sexton geschrieben hat und dir in der Uni immer stumm nachgelaufen ist, aber er ist ein echter Verbündeter.

Mark Ruffalo

Mark Ruffalos Profil als Schauspieler hat vielleicht eine deutliche Kurve nach oben genommen, seit Spotlight einen Oscar für den besten Film gewonnen hat, aber seien wir mal ehrlich: Zu einem echten heroischen Feministen wurde er doch mit seiner Rolle in 30 über Nacht, einem Film, der zeigt, dass eine 30-jährige Frau auch dann noch die große Liebe finden kann, selbst wenn sie gerade mitten in einem psychotischen Zusammenbruch steckt, der sie denken lässt, dass sie 13 Jahre alt ist. Mark Ruffalo ist die „Ja, vielleicht"-Antwort auf die Frage: „Sind Bernie Sanders Anhänger heiß oder sind es nur ihre progressiven, jedoch wahrscheinlich finanziell nicht umsetzbaren Ansichten in Bezug auf Studiengebühren und die Reichensteuer, die ich so anziehend finde?" Außerdem ist es immer gut, den Hulk auf seiner Seite zu haben.

Pen Badgley

Nachdem Gossip Girl abgedreht war, ließ sich der Schauspieler, der einst als Dan Humphrey bekannt war, sofort einen Bart wachsen, nutzte die komplette Hautfarbenpalette rebellischer Emojis und begann Ta-Nehisi Coates zu retweeten. Vielleicht ist das seine ganz persönliche, pointierte Antwort auf seine Rolle in Gossip Girl, wo New York ein Höllenschlund war, der einzig und allein von bourgoisen, reichen weißen Gören bevölkert wurde, die die ersten wären, die man an die Wand stellen würde, wenn es eine Revolution gäbe. Vielleicht recherchiert er aber auch nur für Dan Humphreys zweiten Roman.

Matt McGorry

Wenn du ein Buch über den institutionellen Rassismus im amerikanischen Rechtssystem gelesen, aber kein Bild davon gemacht hast, ist es dann wirklich passiert? Matt McGorry würde sagen: „Nein, natürlich nicht. Ach und übrigens, hier ist ein Bild von mir oben ohne mit dem großartigen Buch The New Jim Crow von Michelle Alexander." Hier sagt der Schauspieler aus Orange ist the New Black, dass Feminismus so ist, als würde man sich verlieben. Und hier weint er, weil auch Männer weinen, versteht du? Und hier ist er schon wieder und kommentiert Emma Watsons UN-Post mit: „YAAAAASSSS QUEEN! YAAS." Vielleicht möchtest du jetzt gerne ein feministisches T-Shirt von Matt McGorry kaufen, dessen Einnahmen an die Pro-Choice Organisation NARAL gehen? Natürlich willst du das. Wir sind hier doch alle Verbündete!