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Menschen

Hochzeits-Hass: die schlimmsten Geschichten vom schönsten Tag des Lebens

Frauen erzählen, wie traumatisch es sein kann, den Bund der Ehe zu schließen und wie sehr sie ihren Hochzeitstag gehasst haben.

von Jessica Pan
12 Dezember 2016, 8:00am

Photos by Dylan M Howell via Stocksy

„Es war der schönste Tag meines Lebens—ganz ehrlich", lautet das einstimmige Urteil von Hochzeitspaaren auf der ganzen Welt.

Wirklich? Der schönste Tag deines Lebens? Deines gesamten Lebens? Obwohl du nicht ausschlafen konntest, keine Zeit zum Entspannen hattest, ein eng anliegendes Kleid tragen musstest und einen Raum voller betrunkener Freunde und Familienmitglieder in einer hochemotionalen Situation zu beaufsichtigen hattest, während du selbst immer versuchen musstest, gut auszusehen?

Hochzeiten haben großes Potenzial, in einer Katastrophe oder einem einzigen Drama zu enden. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich persönlich immer dafür entscheiden, mit meinem Mann und dem aufgewärmten Essen vom Vortag auf dem Sofa rumzuliegen, anstatt ihn noch einmal zu heiraten—und anscheinend bin ich nicht die Einzige.

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Sarah*
Meine beste Freundin hat „vergessen", zu meiner Hochzeit zu kommen und die Rede meines Vaters bestand lediglich aus den Worten: „Schön, dass ihr da seid." Dann wurden mir während dem Empfang zum Spaß Fotos von der Junggesellenabschiedsparty meines Manns geschickt, die einfach nur schrecklich waren. Erstaunlicherweise sind wir auch heute, viele Jahre später, noch immer verheiratet.

Jolene
Ich habe jede Sekunde meiner Hochzeit gehasst, weil ich wusste, dass ich einen Fehler mache. Sogar im Auto auf dem Weg zur Kirche, in der 70 Leute auf mich warteten, habe ich geweint. Nicht vor Freude, sondern weil ich wie gelähmt war. Natürlich dachte jeder, dass ich nur kalte Füße hätte. Ich hatte versucht, die Hochzeit abzublasen, bin aber nur auf taube Ohren gestoßen. Der Bräutigam hat sogar damit gedroht, sich umzubringen.

Am Ende des Tages war ich nur noch ein nervöses Wrack und bekam eine Panikattacke auf der Toilette. Mein Schwiegervater (dem ich ewig dankbar sein werde) brachte mich heimlich nach draußen zum Wagen. Ich habe mich den ganzen Abend über im Badezimmer eingeschlossen, bis mein „Ehemann" schließlich eingeschlafen war. Ich habe ihn zehn Monate später verlassen.

Amy
Ich habe den Morgen meiner Hochzeit allein verbracht. Ich kann mich noch erinnern, wie ich auf dem Bett saß, mein Kleid in der Hand hielt und dachte: „Das ist echt scheiße." Dann hielt der Freund meiner Schwester auf der Tanzfläche um ihre Hand an. Sie wollte unbedingt, dass der DJ ihre Verlobung bekannt gibt und bestand darauf, ihren eigenen ersten gemeinsamen Tanz zu bekommen.

Am Ende des Abends war ich so genervt, dass ich den DJ bat, die Manic Street Preachers zu spielen. Den einzigen Song, den er von ihnen hatte, war, „If You Tolerate This" (ein Song über den Spanischen Bürgerkrieg). Das endete damit, dass ich allein auf der Tanzfläche stand, weil ich unbedingt wollte, dass er den Song spielt. Wie man zu so einem Lied tanzen soll? Indem man einfach ziellos herumstolpert.

Ich ging unter wie eine Lammkotelett am vegetarischen Buffet.

Suzanne
Ich habe mich die ganze Zeit über wie Abschaum gefühlt. Ich wollte nicht im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen, also beschlossen wir, im Urlaub in Italien zu heiraten und unserer Familie die „frohen" Nachrichten erst am Abend zuvor zu überbringen.

Ich ging unter wie eine Lammkotelett am vegetarischen Buffet. Unsere Familien dachten, dass wir einfach nur Urlaub machen wollten und waren entsprechend schockiert und gekränkt. Mit einem Mal wurde mir klar, wie egoistisch ich mich benommen hatte. Obwohl die Location (Malcesine am Gardasee) atemberaubend war, habe ich auf den wenigen Bilder, die es von mir gibt, ein hochrotes, aufgedunsenes Gesicht, weil ich so viel geweint habe.

Meg
Am Tag meiner Hochzeit lief der Freund meiner Mutter zu meiner Musik vor mir in den Raum. Ich war so unglaublich sauer. Den Rest des Tages haben die Leute nur noch darüber gesprochen, wie er mir die Show gestohlen hat. Keiner sprach mehr über die Hochzeit. Als wäre das noch nicht schlimm genug, wurde unsere „Hochzeit am Strand" durch einen Sturm zunichte gemacht. Statt Cocktails an der Strandbar, Krabben am Kai, Strandspaziergängen und einem Barbecue saßen wir den ganzen Tag über in einem Konferenzraum fest.

Zu allem Überfluss war ich auch noch in der 13. Woche schwanger und konnte noch nicht einmal trinken, um mich zu beruhigen. Ich kann bis heute noch nicht einmal mit meiner Familie darüber sprechen oder mir die Fotos anschauen.

Foto: Snapwire | Pexels | CC0

Rosa

Kurz bevor wir in die Kirche fuhren, erzählte mir meine Mutter, dass sie mein Hochzeitskleid anprobiert hatte, als es bei ihr Zuhause hing und mein Vater ein Foto von ihr gemacht hatte.

Beim Empfang wurden unsere Hochzeitsgeschenke gestohlen und die Rede des Trauzeugen drehte sich nur um seine eigene Hochzeit. Er redete stundenlang, verlor aber kein einziges Wort über mich oder den Bräutigam. Meine Schwiegermutter war von Kopf bis Fuß in schwarz gekleidet und sagte jedem, der ihr zuhörte, was für ein trauriger Tag es sei, weil sie ihr einziges Kind verlieren würde.

Eine meiner Freundinnen verpasste die Hochzeit und tauchte vollkommen verschwitzt und in Shorts zum Empfang auf, weil sie geradewegs vom Wimbledon-Finale der Frauen kam. Unser Fotograf hatte in letzter Minute abgesagt, was mir mein Vater aber nicht erzählt hatte. Er ersetzte ihn am Ende durch einen Fotografen, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, die Toten für das Leichenschauhaus des örtlichen Krankenhauses zu fotografieren.

Trotzdem sind es die schönsten Fotos, die je von mir gemacht wurden.

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Katie
Mein Mann ist Amerikaner, deshalb haben seine Eltern beschlossen, eine zweite Hochzeit für uns in den USA zu organisieren, weil sie sich nicht die Mühe machen wollten, zur eigentlichen Hochzeit zu kommen. Seine Mutter hat eine kitschige Hochzeitskapelle gemietet und mir ein mit Glitzersteinen verziertes Kleid gekauft.

Meinem Mann hat sie gesagt: „Mir ist egal, was sie will. Das ist mein Tag!" Mit mir hat sie an dem Tag kein einziges Wort gesprochen. Beim Essen sollte mein Mann ihr dann zum ersten romantischen Liebeslied rote Rosen überreichen. (Er hat ihr letztlich eine und den Rest mir gegeben.)

Außerdem bestand sie darauf, dass sie den ersten Tanz mit ihrem Sohn bekommen würde und zwar zu einem Song, den sie ausgesucht hatte. Wir umgingen das Ganze, indem wir stattdessen „Suspicious Minds" von Elvis spielten. Dann reichte seine Familie ein Foto von meinem Mann (nicht uns) herum, auf dem jeder unterschreiben sollte. Sie schrieben alle eine kurze Nachricht an meinen Mann—nicht an mich. Mein Mann und ich machten uns bei der erstbesten Gelegenheit aus dem Staub, gingen Go-Kart fahren und suchten uns eine Margarita-Bar.

Vor Kurzem haben wir unseren 15. Hochzeitstag gefeiert.

Rachel
Mein Verlobter kam aus Südafrika und wir haben in Durban geheiratet. Ich hatte nur zwei Wünsche: Ich wollte in keinem Country-Club heiraten und ich wollte einen DJ. Sein Vater buchte unsere Hochzeit im Country-Club und engagierte eine Band. Während dem Abendessen auf der Terrasse, fing direkt vor uns ein Golfer an zu spielen. Mein Freund ging zu ihm und meinte: „Entschuldigung, aber sind Sie noch ganz dicht?" Der Mann spielte einfach weiter, weil „ich für ein Turnier trainiere. Keine Sorge, ich bin ein guter Golfer. Ich werde schon niemanden treffen."

Außerdem hatte mein Verlobter am Abend zuvor auf seiner Junggesellenabschiedsparty ziemlich viele Drogen genommen. Er war am Tag der Hochzeit komplett durch. Es dauerte zwei Wochen, bis er wieder komplett normal war.

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Sadie
Ich habe mir unser Hochzeitsvideo noch nie angesehen, weil mir allein beim Gedanken daran ein Schauer über den Rücken läuft. Die Hochzeit selbst war wunderschön, aber der Empfang war eine Katastrophe. Mein Vater (der mich anscheinend nicht allzu gut kennt) hat eine seltsame Rede gehalten und wir machten uns den ganzen Tag über Sorgen, weil wir nicht wussten, ob sich meine alkoholkranke Mutter benehmen würde.

Einer meiner sogenannten Freunde ging immer wieder in der Keller des Lokals, wo die Musikanlage stand und pfuschte an unserer sorgfältig erstellten Playlist herum. Nach ein paar Drinks hielt ich dann spontan eine Rede und erzählte unter dem Stichwort „Menschen, die heute nicht bei uns sein können" von meiner Tante, die schon etwas älter ist und fügte zum Schluss noch eilig an: „Sie ist aber nicht tot!"

Am nächsten Tag kam ein Freund von uns viel zu spät zum gemeinsamen Frühstück, weil er sich noch ein Fußballspiel angesehen hat und das Spiel Schottland gegen Aserbaidschan mit einem Elfmeterschießen endete.


*Namen wurden geändert.

Titelfoto: Scott Webb | Pexels | CC0

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