Der Marktplatz in Kirchberg am Wagram heute und in den 1930er-Jahren
Das ehemalige Gefangenenhaus hinter der heutigen Polizeidienststelle in Kirchberg am Wagram, 2016. Aus der Serie "Suche nach dem Licht", 2017 © Nadja Meister
Der Pensionist Karl Martinek ist der einzige noch lebende Insasse der Außenstelle Kirchberg am Wagram. Er wurde als Jugendlicher zu drei Monaten Haft mit Erziehungsmaßnahmen verurteilt. Da er sich gegen einen brutalen Erzieher in der Justizanstalt Kaiserebersdorf zur Wehr setzte, wurde er nach Kirchberg gebracht – im Lastwagen und nur mit einem T-Shirt bekleidet. "Die Kinder in Kaiserebersdorf haben alle gewusst, dass es in Kirchberg scharf zur Sache geht.Wenn du nicht spurst, kommst nach Kirchberg", erinnert sich Karl heute. Kurator Wolfgang Giegler beschreibt diese Methode als Kalkül: "Die Aufmüpfigen werden noch mehr bestraft und der Rest kriegt Angst.""Wenn du nicht spurst, kommst nach Kirchberg!"
Karl Martinek in einem Kellerraum des Gefangenenhauses. Aus der Serie "Der Koarl", 2017 © www.friedlundpartner.at
Aus der Serie "Suche nach dem Licht", 2017 © Nadja Meister
Perfomance-Künstlerin Cynthia Schwertsik wäscht im Bewegungshof die Wäsche der Besucher weiß. "Weiß Waschen", 2017.
Ein paar Worte, handgeschrieben auf einem Blatt Papier, sind der einzige amtliche Beweis dafür, dass Karl von 18. November 1968 bis 3. März 1969 in Kirchberg am Wagram in Haft war. Die Grausamkeiten, die ihm dort zugefügt wurden, beweisen sie nicht. Aus der Serie "Der Koarl", 2017 © Karl Martinek
Das aufgelassene Gasthaus Eiselt gegenüber vom ehemaligen Bezirksgericht, 2017.
Eine Luftaufnahme ist das einzige auffindbare Foto aus der Vergangenheit, auf dem das Gefangenenhaus abgebildet ist.