Ein Kroko Jack-Fan hat uns erzählt, wie er das gestrige Konzert in der Grellen Forelle fand

Die Erwartungen an das gestrige Konzert von Kroko Jack waren hoch. Wir haben einen langjährigen Fan gefragt, ob sie erfüllt wurden.

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24 November 2017, 2:52pm

Alle Fotos: Fredi Ferkova

Disclaimer: Ich war gestern auf dem wohl ältesten Rap-Konzert diesen Jahres. Männer um die 30 dominierten das gesamte Publikum in der Forelle. Da ich dort war, hätte auch ich rein theoretisch ein Review über das Konzert schreiben können. Aber: Die Fans, die an der 30 kratzen und männlich sind, überboten sich schon während Konzert mit Klugscheißer-Facts und geballtem österreichischen Rap-Wissen. Da ich 2003 11 Jahre alt und noch mehr Migrantin als Integrierte war – in diesem Jahr erschien das erste Album Konfrontation , von seiner damaligen Crew Rückgrat – habe ich lieber in der Forelle einen Mann um die 30 rausgefischt und ihn darum gebeten zu berichten, ob und wie der lang verschollene Kroko Jack jetzt endlich back ist. Da der Mann um die 30 ist und einen dieser ernsteren Jobs hat, hat er um Anonymität gebeten.

"FB frogt mi 'Was machst du gerade?' Wos glaubst? Forelle ausverkaufen...wos sunst." Der Hype um Kroko Jack momentan ist definitiv real. Props von der Deutschrap-Champions-Liga (Raf Camora) und dem Pop-Business (Bilderbuch), stabile Strukturen im Hintergrund (Irievibrations) und mit dem neuen Album Extraordinär endlich wieder neues Material. Leidenschaftliche Fans wie ich, in deren Freundeskreis "hacklt nöt long, facklt nöt long" und Co. Kultfaktor erreicht haben, warteten seit Jahren auf diesen Comeback-Moment. In Sorge, ob da jemals wieder was kommen wird und ob es dem Krokodü überhaupt gut geht.Jetzt ist der Tag gekommen und die Forelle war ausverkauft. Kroko Jack zeigt sich in den sozialen Medien motiviert wie seit Jahren nicht. In der Forelle ist die Dichte an Szenemenschen groß, jeder will sehen, ob er abliefern wird. Neben diversen Vertretern aus dem HipHop-Lager waren angeblich etwa auch – laut ihm selbst – Bilderbuch zu Gast.


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Auf der Bühne gibt sich Kroko selbstbewusst. Die hungrige Crowd geht von Beginn an gut ab. Kroko Jack beweist sich textsicher und facklt richtig gut ab. "Test Me", "Vadient", "Kraunknstaund" eine Kroko Jack-Version von "An ihnen vorbei" und ähnliches sorgen für gute Stimmung, auch bei den eher jüngeren Fans. Und hier sind wir schon beim Problem. Die Kroko Jack-Rückkehr hätte mehr sein sollen, als das Runterspielen von aktuellen Hits. Das war kein Newcomer-Event, wo man die Tracks vom neuesten Spotify-Release hört. Nein, das war ein Event, für das 35-Jährige ihr altes Royal Bunker-Shirt aus dem Gewandschrank gefischt haben. Bei allem Verständnis für ein neues Publikum: Kroko hätte alte Klassiker spielen müssen. Der Typ hat eine Diskografie seit den frühesten 2000er-Jahren. Ja, "Abzugsfinga" war dabei, aber wo war "Deppate Rapz"? Wo war "Micjack", wo war "Slang Dunk", wo war "Hupf ind Heh", wo war "Sie is a Sau", wo war "500 Krokodü", wo war 2Deswegen sama has", wo war "Es geht dahi"? Die Liste könnte sich (fast) endlos fortsetzen.

Während vor allem vorne die jüngeren Kroko-Fans abgingen, vermissten "reifere" Fans die alten Klassiker. Je länger das Konzert gedauert hat, desto sehnsüchtiger wurde man. Dann wird er halt die Hits von früher als Zugabe spielen, so zumindest die Hoffnung. Aber nicht mal das, stattdessen setzte Kroko als Zugabe auf "Amadeus", einem weniger bekannten Lied vom neuen Album. Als nach Krokos Abgang dutzende Fans minutenlang Kroko Jack nochmal auf die Bühne riefen, ist nichts gekommen. Der Sound in der Forelle hat sich zum wiederholten Mal als eher durchschnittlich für HipHop-Konzerte herausgestellt. Und warum man ein Konzert mit derart rougher und dreckiger Musik in dieser Location inklusive gestern überfordertem Barpersonal veranstaltet, bleibt ein Geheimnis. Der Auftritt von Kroko hat übrigens nicht mal eine Stunde gedauert.

Wenn man wie ich seit 15 Jahren Kroko Jacks Laufbahn verfolgt, mit allen Höhen und Tiefen, dann ist man nach den letzten Wochen ein wenig enttäuscht. So lange hat man auf diesen Auftritt gewartet und dann war das leider doch eher lauwarme Kost. Kroko Jack hat solide abgeliefert, aber zurück bleibt der dumpfe Nachgeschmack, dass da um einiges mehr möglich gewesen wäre. Schade.

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