Der neue US-Botschafter in Deutschland ist vielleicht der fröhlichste Mensch der Welt

Wir haben Richard Grenells Instagram-Account analysiert – und sehr viel über den wichtigsten Schwulen in Trumps Administration gelernt.

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21 Juli 2017, 2:10pm

Foto via richardgrenell

Donald Trump ist ein so außerordentlich erfolgreicher und aktiver Präsident, dass er fast nie Zeit hat, sich um irgendwas zu kümmern. Zum Beispiel darum, die Posten in seinem Außenministerium zu besetzen. Normalerweise schmeißt der neue Präsident nämlich erstmal alle hohen Diplomaten raus, die sein Vorgänger ernannt hat, um die Posten dann mit Leuten zu besetzen, die seine Kampagne unterstützt haben.

Trump hat zwar die erste Hälfte dieses Vorgehens ganz gut hinbekommen – den Botschafter in Berlin, John Emerson, hat er noch am Tag seiner Amtseinführung gefeuert –, die zweite nicht ganz so gut: Noch nach Hundert Tagen war ein Großteil der 200 wichtigsten Stellen im Außenministerium nicht besetzt. Auch in Berlin haben die Amerikaner jetzt schon seit fast sieben Monaten keinen Botschafter mehr.

Das wird sich jetzt ändern. Wie die New York Times berichtet, hat Trump am Donnerstag den Karriere-Diplomaten Richard Grenell zum Botschafter in Berlin ernannt. Und während ein Großteil der Leute, die Trump so um sich versammelt hat, ungefähr so kompetent und seriös wirken wie die Panzerknacker, könnte Grenell ein echter Glücksgriff sein: Er ist nicht nur der erste offen Schwule in Trumps Administration, sondern vor allem ein echter Diplomat, der schon Jahre unter George W. Bush und in der US-Vertretung bei den UN in New York auf dem Buckel hat. Und: Er liebt Instagram.

Grenell hat zwar auch einen Twitter-Account, auf dem er ebenfalls außerordentlich aktiv ist (wenn er nicht gerade liberale Journalisten unter Dauerfeuer nimmt, macht er sich gerne für die gleichgeschlechtliche Ehe stark – was ihn 2012 seinen Posten als außenpolitischer Berater für Mitt Romneys Kampagne gekostet hat). Bekannt ist Grenell auch, weil er regelmäßig bei FOX als Außenpolitik-Experte auftritt. Aber wer den echten Menschen hinter dem perfekten Grinsen kennenlernen will, der muss sich Grenells Instagram-Account anschauen. Denn Grenell, das muss man neidlos anerkennen, kann Instagram: Dort lässt er alle Hüllen fallen, und dort wird auch deutlich, dass offenbar eine ziemlich gute Zeit auf Berlins diplomatische Szene zukommt.

Was wir von seinem Instagram über Richard Grenell gelernt haben:

Sein Job taucht so gut wie nie auf

Was auch immer Grenell die letzten Jahre gemacht hat: Wer ihm auf Instagram folgt, erfährt davon fast gar nichts. Klar, zu seiner Ernennung zum Botschafter postete er dann doch ein Foto von sich und Trump im Oval Office, mit einem kleinen "Thank you, Mr. President". Aber danach widmet er sich schnell wieder dem, was ihn wirklich interessiert:

Er liebt seine Hündin. Er liebt sie über alles.

Grenell und sein Partner besitzen eine Hündin namens Lola, und diese Hündin ist völlig zweifellos mit das Wichtigste in seinem Leben. Niemand taucht öfter in seinem Feed auf als Lola, entweder alleine oder auf einem Selfie mit ihrem Herrchen. Grenells Bio auf Instagram lautet "I wonder what Lola will want to do today", und auf Twitter steht "if you don't have a dog then I'm not sure I trust you…" – was für einen Diplomaten irgendwie schräg, aber auch sehr liebenswert ist. Nach nur ein paar Minuten Scrollen durch seinen Instagram-Account war ich schon so vertraut mit Lola, dass ich einen echten Schock bekam, als ich auf einem Post aus dem April erfuhr, dass Lola drei verschiedene Tumore operativ entfernt werden mussten.

Er liebt seine Freunde und Familie

Grenell hat zwei süße Neffen, und offenbar ist er begeisterter Onkel, denn die beiden tauchen dauernd auf. Was aber noch mehr auffällt, ist die Liebe, mit der ihn seine Freunde auf Instagram permanent überschütten: "Love you!" "Adorable!" "Great selfie!" – sein Feed liest sich manchmal wie der einer 14-Jährigen, so sehr wird da mit Herzen, Liebe und positivem Feedback rumgeballert. Tatsächlich scheint sein Freundeskreis vor allem aus gutmütigen Kalifornierinnen mittleren Alters zu bestehen, die einfach alles, was er postet, "totally adorbs" finden – sogar wenn er nur Foto seines Freundes beim Fensterputzen postet.

Er liebt Britney!

Ja, Grenell geht auf Britney-Konzerte, und er ist verdammt stolz auf seine guten Plätze. Als ob das nicht schon geil genug wäre, kennt er offenbar sogar einen von Britneys Background-Tänzern – der sich auch noch überschwänglich persönlich bei ihm bedankt, dass er gekommen ist. So langsam erreicht die Lebensfreude auf diesem Account besorgniserregende Gradzahlen.

Er hat coole Kunst

Grenell und sein Partner haben nicht nur ihr Haus in Palm Springs komplett selbst designt und eingerichtet, sondern er hat auch noch ziemlich coole Kunst rumhängen. Das da hinten an der Wand zum Beispiel ist eine Fotografie von Magnus Hastings, der sich vor allem auf Hochglanz-Fotos von Drag Queens spezialisiert hat, und zeigt eine Drag Queen als versaute "Dorothy" aus dem Zauberer von Oz. Eine sehr schöne Art und Weise, dem einzigen echt amerikanischen Märchen zu huldigen.

Er ist vielleicht der fröhlichste Mensch der Welt

Es ist sehr komisch, das über jemanden zu sagen, der Donald Trump in seiner Kampagne unterstützt hat, aber: Richard "Ric" Grenfells ist möglicherweise der positivste Mensch der Welt. Und das, obwohl er es durchaus nicht immer leicht hatte: Wie er selbst freimütig berichtet, hat er sechs Runden Chemotherapie durchgemacht, um seinen Lymphdrüsenkrebs zu besiegen, und hat seine Schwester an Hautkrebs verloren. Er musste sich aus dem Job seines Lebens (der Romney-Kampagne) zurückziehen, weil ein paar Fundamentalisten ihn wegen seiner sexuellen Orientierung scheiße fanden und Romney keinen Finger krumm gemacht hat, um ihm beizustehen.

Und trotzdem hört er nie auf, sich breit grinsend durchs Leben zu knipsen und sich wirklich über jeden Scheiß zu freuen – sogar über die Trinkbecher im Weißen Haus:

Seine Ernennung zu einem der wichtigsten Botschafterposten überhaupt verdankt Grenell vor allem seiner Loyalität zu Trump, den er während der Kampagne als außenpolitischer Berater unterstützt hat. Jetzt bringt also ganz alleine mehr gute Laune nach Berlin, als die Stadt seit dem Mauerfall erlebt hat. Seinen härtesten Test hat der Kalifornier allerdings noch vor sich: den Berliner Winter. Dieser ewige Winter, der noch jede Frohnatur in eine missmutige, verschnupfte Kakerlake verwandelt hat. Aber irgendwie haben wir das Gefühl, dass Grenell sich auch davon nicht unterkriegen lassen wird.

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