Festival

Die Rich Kids, die 1.600 Euro für ein Luxus-Loft beim Frauenfeld hinblättern

"Nicht mal einen Kühlschrank gibt es und es ist voll heiß."

von Fredi Ferkova
11 Juli 2017, 9:46am

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Dieser Artikel ist ursprünglich bei Noisey Schweiz erschienen.

Das Openair Frauenfeld ist am Höhepunkt angekommen. Während ich diese Zeile schreibe, sprühen die 257ers mit einer Schaumkanone das sonnenverbrannte Publikum voll und brüllen dazu "MUTTER! MUTTER!". Die Leichendichte an richtigen Campingplätzen nimmt pro Minute drastisch zu. Und die Toiletten haben ihren gestrigen Glanz komplett verloren. Doch wie schaut es mit Premium Loft-Besitzern aus? Immerhin kostet ein Premium Loft stolze 1.700 Franken (knapp 1.600 Euro). Im Gegensatz dazu kostet das 3-Tages-Ticket für Normalsterbliche 199 Franken. Sehen diese Menschen gut aus? Leiden sie an Sonnenbrand? Haben sie sich per UberEats Kaviar zum Frühstück bestellt? Diese Fragen haben wir nicht gestellt, sehr wohl aber die größte aller Fragen: WARUM?

Ruben (17) hat so 600 oder 700 Franken bezahlt

Noisey: Was hat dich dazu bewegt, dir eine Premium Loft zu gönnen?
Ruben: Wir hatten Vergünstigungen und haben auch Tickets gewonnen, die wir verkaufen konnten. So haben wir uns das leisten können. Du kannst hier länger schlafen, es ist nicht so komplett heiss – hat schon seine Vorteile.

Wie meinst du das mit Vergünstigungen? Welcher Art?
Wir haben Gutscheine bekommen und eben die Tickets.

Wieviel hast du dann im Endeffekt bezahlt?
So 600 oder 700 Franken.

Und wie hat es sich geschlafen diese Nacht?
Ja, sehr gut.

Kannst du hier Leute vom Festival mitnehmen?
Nein, nur die, die VIPs sind.

Stört dich das?
Manchmal ist es schon ein bisschen blöd, aber es geht.

Würdest du es dir das nächste Jahr wieder kaufen?
Ja, schon. Wenn ich die Chance dazu hätte, warum nicht.

Claude (22) hat einen grosszügigen Bruder

Noisey: Wie hast du dir das gönnen können?
Claude: Ich bin mit meinem Bruder da und der hat es mir zu Weihnachten geschenkt.

Zahlt man die 1.700 Franken zusammen?
Ja, die zahlt man zusammen. Also wenn man es so betrachtet, ist es nicht so arg.

Welche Vorteile hat das Loft? Außer ein normales Bett.
Du hast eben zwei Betten, du kannst dein Zeug einsperren und musst keine Schließfächer nehmen. Und du hast mehr Ruhe.

Stört es dich, dass man keine Menschen vom Festival mit reinnehmen darf?
Nein, hier gibt es ja auch Frauen.

Philipp (22) kann das Festival besser mit einem Bett genießen

Noisey: Wie geht die Geschichte von dir und deinem Premium Loft?
Philipp: Ich bin das zweite Mal mit Freunden hier und diesmal wollten wir es wirklich genießen.

Und das erste Mal wart ihr normal am Campingplatz?
Ja, war nicht so cool.

Bist du reich oder so?
Nein, ich arbeite.

Stört es dich, dass du keine Mädels mitnehmen kannst?
Nein, nicht wirklich. Ich kann ja jederzeit raus.

Wie war deine erste Nacht?
Richtig cool.


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Arielle (40) arbeitet am Openair Frauenfeld und wohnt gratis

Noisey: Wie war die erste Nacht?
Arielle: Ich hatte Nachtschicht, also ganz OK.

Und du machst hier die Rezeption und den Auf- und Abbau?
Ja, genau.

Wohnen hier viele Kollegen?
Nein, ich bin halt aus Deutschland, deshalb wohne ich hier. Obwohl ein paar machen das manchmal freiwillig – vor drei Jahren haben sich Kollegen Zelte mitgenommen und sie hinten aufgestellt.

Blacky (42), Dikeas (31) und Robert (28) wollen nicht von Frauen genervt werden

Noisey: Wieso habt ihr euch das gegönnt? Ist immerhin nicht so billig.
Robert: Entschuldige, was nochmal? Ich war gerade woanders.
Dikeas: Sie hat gefragt, warum wir hier wohnen.
Robert: Achso. Keine Ahnung. Ich habe es geschenkt bekommen.

Und ihr zwei auch?
Blacky: Nein, ich hasse zelten.
Dikeas: Voll, wir sind keine Camper.

Und wie gefällt es euch? Wie war die erste Nacht?
Dikeas: Die zweite. Die erste war beschissen, die zweite war OK. Wir haben uns einen Ventilator geholt.

Störts euch, dass ihr keine Mädels mitnehmen könnt? Oder generell Menschen?
Blacky: Das ist kein Problem, wir wollen eh frei sein. Wir sind beide DJs, wir haben genug Frauen.
Roman: Manchmal brauchst du die Ruhe.

Würdet ihr es nächstes Jahr nochmal buchen?
Blacky: Nein, ich nicht. Für das Geld hätte ich mir mehr erwartet: Kein Kaffee, kein Ventilator.
Dikeas: Eine Freundin von mir arbeitet hier in der Nähe in einem Hotel. Da kostet ein Zimmer pro Nacht circa 200 Franken – wenn du das hochrechnest, kommt es noch immer billiger.

Jannik (27) ist hier zum zehnten Mal

Noisey: Wie gefällt es dir hier? Also so abseits von der Normalbevölkerung?
Jannik: Sehr gut. Also ich komme seit zehn Jahren als DJ her. Normalerweise habe ich ein Hotel und dieses Mal haben sie mir das hier angeboten.

Und ist es hier besser als im Hotel?
Ja, du musst nicht Taxis hustlen.

Wann kann man dich wie am OAF hören?
DJ Rough ist mein Name und ich spiele jeden Tag auf der RedBull-Bühne.

Stört es dich, dass du keine Leute mitnehmen kannst?
Meine Verlobte schläft hier mit mir.

Oh, achso!

Kim (24) und Viktoria (22) sind mit ihrer Geldinvestition nicht zufrieden

Noisey: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, hier zu schlafen und nicht zu campen?
Viktoria: Wir sind jetzt nicht so Fans vom am Boden schlafen. Und auch keine Dusche zu haben. Wir sind ja zum ersten Mal auf einem Festival, aber für den Preis ist es schon ein bisschen wenig hier, muss ich schon sagen. Nicht mal einen Kühlschrank gibt es und es ist voll heiß.

Und was ist dann sonst inkludiert in dem Preis?
Kim: Steckdosen, so ein Aufhänge-Schrank, ein Mülleimer.
Viktoria: Und man kann abschliessen. Handtücher gibt es auch.

Würdet ihr es nächstes Jahr nochmal buchen?
Viktoria: Weiß ich grad nicht, eher nicht. Wenn sie was ändern würden, dann vielleicht. Es gibt ja mittlerweile Container, die kann man so hochbauen. Da hat man dann auch eine Aussicht und man könnte Fenster hinmachen, so dass man die Fenster aufmachen und lüften kann.
Kim: Ja, weil es wird so heiß drinnen.
Viktoria: Das wäre eine total gute Idee.

Ist das hier ein Elterngeschenk oder selbst verdient?
Viktoria: Ne, ich arbeite. Das ist schon selbst verdient.

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