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Zu Besuch bei dem Bastler, der die stärksten DIY-Laser auf YouTube baut

Der YouTuber "Styropyro" bastelt Lichtschwerter und Laser-Bazookas aus Elektroschrott. YouTube findet seine Experimente zu riskant. Wir haben ihn in seiner Werkstatt besucht.

von Matthew Gault
16 August 2018, 2:59pm

Bild: Xavier Aaronson

Der YouTuber Drake Anthony liebt besonders starke Laser. Seine Eigenkreationen stellt er regelmäßig auf seinem Kanal Styropyro vor. Eines seiner beliebtesten Videos zeigt zum Beispiel eine 200-Watt-Laser-Bazooka, die er aus alten DLP-Beamern und Lithium-Ionen-Batterien gebaut hat. Im Video lässt Anthony den hellen Lichtstrahl durch den Raum kreisen und bringt damit Ballons zum Zerplatzen, sengt Holz an und brennt sich durch ein Computergehäuse. Mit seinen Videos möchte er auch andere Menschen für Naturwissenschaften begeistern. Doch Anthonys Experimente mit Pyrotechnik haben ihm auch Verwarnungen von YouTube eingebracht.

Die Plattform findet scheinbar einige der Clips problematisch, in denen er Experimente aus einem Chemiebuch von 1933 ausprobiert. Zumindest hat er für diese Clips von YouTube sogenannte "Strikes", also offizielle Verwarnungen, erhalten. "Ich habe Chemie studiert und bin für diese Experimente qualifiziert", verteidigt sich Anthony. "Aber wenn ich noch eine weitere Verwarnung erhalte, würde mein Kanal gelöscht werden. Wenn man diese Art von Videos löscht, wird auch bei weniger Kindern das Interesse für Wissenschaft geweckt."

Anthony war schon als Kind von Lasern fasziniert. Das berichtet er im Motherboard-Interview, das wir mit ihm für unsere Video-Dokumentation geführt haben: "Als ich zwölf war, hörte ich im Unterricht das erste Mal davon." Als nächstes bestellte er sich einen Laserpointer, war aber schnell davon gelangweilt. Da er den Laser aufmotzen wollte, nahm er ihn auseinander und zerstörte ihn dabei.

Styropyro mit Laserschutzbrille
Sicherheit geht vor. Bei seinen Experimenten trägt Styropyro immer einer Laserschutzbrille | Bild: Xavier Aaronson

Doch Anthony gab nicht auf. Er sparte ein paar Monate sein Taschengeld und bestellte sich einen weiteren Laserpointer. "Mir gelang es, das Ding auseinanderzunehmen und ihn zu verstärken", sagt er. "Danach fing ich an, DVD-Brenner und Computer auseinanderzunehmen, um an die Laser zu kommen. Von da an baute ich immer größere Laser und lernte bei diesen Experimenten sehr viel." Seine Eltern beäugten die Basteleien ihres Sohnes kritisch: "Bevor ich mich für Laser interessierte, beschäftigte ich mich mit Chemie und Pyrotechnik und das hat sie ziemlich besorgt", sagt Anthony.

Heute experimentiert Anthony in seinen Videos mit besonders starken Lasern, flüssigem Stickstoff und sogar exotischen Termiten. Dabei ist ihm Sicherheit sehr wichtig. "Ich trage immer eine Laserschutzbrille", sagt er. "Die größte Gefahr beim Umgang mit Lasern ist, zu erblinden. Ein Fehler kann dich schnell ein Auge kosten."

Styropyro bei einem Experiment
Bild: Xavier Aaronson

Doch selbst mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen lassen sich Unfälle nicht immer vermeiden. "Ich habe an der Hand bereits einige Laserstrahlen abbekommen und habe auch einige Narben und Verbrennungen davongetragen. Auch bei meinen frühen Chemie-Experimenten gab es einige brenzlige Situationen. Aber zum Glück ist mit den Lasern noch nichts Schlimmeres passiert."

Gegen die Verwarnungen von YouTube hat Anthony Einspruch eingelegt. Tatsächlich wurden die Strikes anschließend wieder aufgehoben. Die betroffenen Videos sind von YouTube jedoch nach wie vor als 'unlisted' markiert. Die Videos können Nutzer also nur finden, wenn sie die Links zu den Clips kennen und Anthony kann mit ihnen kein Geld verdienen.


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Auf unsere Anfrage, wie YouTube die Videos bewerte, erklärte eine Sprecherin, dass "Videos mit Inhalten, die zu Verletzungen führen könnten, eine Altersbeschränkung erhalten oder ganz entfernt werden können". Allerdings spiele auch der Kontext jeweils eine Rolle, sagte die Sprecherin: "Videos, die in einem pädagogischen, dokumentarischen oder wissenschaftlichen Kontext stehen, sind erlaubt."

Anthony geht es vor allem darum, seinem Publikum die Leidenschaft für Naturwissenschaften zu vermitteln. Da er in einer Kleinstadt aufgewachsen ist, war das Internet sein Fenster in die Welt. Viele seiner Experimente wurden erst möglich, weil er sich im Netz informieren konnte. Seine Mission: über seinen YouTube-Channel seine Leidenschaft für Laser und Naturwissenschaft an die nächste Generation weitergeben.

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