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Xavier Naidoo gewinnt vor Gericht: Er darf nicht Antisemit genannt werden

Die Referentin einer Stiftung gegen Antisemitismus hatte den Sänger im vorigen Jahr als Antisemiten bezeichnet, konnte dies jetzt aber vor Gericht nicht ausreichend begründen.

von Noisey Staff
17 Juli 2018, 11:06am

Foto: imago | Future Image

Das Landgericht Regensburg hat heute morgen entschieden: Xavier Naidoo darf nicht Antisemit genannt werden. Damit gab das Gericht der Unterlassungsklage des Sängers gegen eine Referentin der Amadeu Antonio Stiftung recht. Die Referentin hatte voriges Jahr im Juli nach ihrem Vortrag über Reichsbürger auf Nachfrage gesagt: "[Xavier Naidoo] ist Antisemit. Das darf ich, glaube ich, aber gar nicht so offen sagen, weil er gerne verklagt. Aber das ist strukturell nachweisbar."

Genau das ist dann auch passiert. Allerdings habe die Referentin ihren Vorwurf, Naidoo benutze in seinen Songs antisemitische Codes und Chiffren, nicht ausreichend belegen können, begründete die Richterin ihr Urteil. Xavier Naidoo hatte sich drei Wochen zuvor vor Gericht auf seine Kunstfreiheit berufen, er wisse nichts von solchen Codes und überhaupt seien sein Konzertmanager und viele seiner Freunde jüdisch.

Bereits 2015 hatte Naidoo die Stiftung verklagt, weil sie ihn in einem Artikel als Antisemiten bezeichnet hatte. Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus ein und verkündete nach dem Vergleich, zumindest die entsprechenden Songs Naidoos weiterhin als antisemitisch zu bezeichnen. So heißt es etwa in "Raus aus dem Reichstag" von 2009: "Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel / Der Schmock ist'n Fuchs und ihr seid nur Trottel". Im Zuge des aktuellen Verfahrens erklärte Naidoo, das sei nur eine allgemeine Bankenkritik, inspiriert von der Finanzkrise 2008.

Auffällig, dass er sich dafür ausgerechnet die Bank der deutsch-jüdischen Bankiers-Familie Rothschild ausgesucht hatte, die mit der Krise tatsächlich weniger zu tun hatte als etwa die Sächsische Landesbank. Zuletzt war der Sänger der Söhne Mannheims 2017 mit dem Song "Marionetten" aufgefallen. Darin warf er den Bundestagsabgeordneten vor, nur "Sachverwalter" für unbenannte "Puppenspieler" zu sein und sang davon, dass Pizzagate auch noch "auf der Rechnung" stehe. Sicher auch nur eine allgemeine Politikerkritik.

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