Safer Use

Ecstasy: Das sind die Pillenwarnungen am vierten August-Wochenende

Es gibt 15 neue Warnungen für hoch oder extrem hoch dosierte Pillen und eine Pille, die beim Test gar kein MDMA enthielt.
24 August 2018, 5:07pm
Pillen mit unterschiedlichen Prägungen

"Wenn Leute schon Drogen nehmen, dann sollen sie wenigstens nicht daran sterben." So begründet der gesundheitspolitische Sprecher der Bremer Grünen, Nima Pirooznia, warum seine Fraktion für eine Einführung legaler Drogentests in Bremen ist. Bremen ist eines von vier Bundesländern, die derzeit prüfen oder zumindest diskutieren, ob sie das sogenannte Drug-Checking erlauben sollten.

Dass Deutschland flächendeckend mit Nachbarstaaten wie den Niederlanden oder der Schweiz gleichzieht, wo Konsumierende Pillen und Pulver längst auf ihre Zusammensetzung testen können, ist allerdings so wahrscheinlich wie eine Literaturdebatte bei Promi Big Brother. Das ergab zumindest eine Umfrage von VICE unter Fachpolitikerinnen und -politikern in fast allen deutschen Bundesländern. Zwar gibt es in jedem Bundesland Befürworter der Präventionsmaßnahme, vor allem CDU und CSU stellen sich aber quer und die SPD hat keine einheitliche Haltung.

So bleibt uns weiterhin nur, die Pillenwarnungen aus vier Nachbarländern und aus Großbritannien zusammengetragen. Getestet wurden die Pillen von der gemeinnützigen britischen Firma The Loop, Eurotox in Belgien, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, der Innsbrucker Drogenarbeit Z6, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschließlich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heißt das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlichen im Laufe des Wochenendes regelmäßig noch neue Warnungen und Meldungen.

Die Pillenwarnungen der vierten August-Woche 2018

Rosa "Chupa Chups"

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Pillen mit diesem Logo kursieren vor allem in den Farben Rosa bzw. Pink und Grün. Ein rosafarbenes Exemplar brachte es auf die hohe Dosis von 146 Milligramm MDMA, als es Mitte August von DIZ getestet wurde.

Beige Erdbeere

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Ecstasy-Pillen sind nie ungefährliches Naschwerk. Eine beigefarbene Pille dieser Prägung wurde Mitte August in Zürich getestet. Sie enthielt 126 Milligramm MDMA – eine hohe Dosis.

Beigefarbene "Pharao"

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Mitte August hat das DIZ eine beige Pille getestet. Wie praktisch alle Pharao-Pillen, die derzeit kursieren, trug auch sie eine Warnung auf der Rückseite: "Warning Pharao 240MG". Das würde einer extrem hohen Dosis entsprechen. Genau wie die 200 Milligramm MDMA, die tatsächlich in der Pille gefunden wurden. Diese Schwankung zeigt allerdings, dass man sich nie auf eingepresste Warnungen verlassen kann. Auch höhere Werte sind möglich.

Beigefarbene "Thunderdome"

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Eine Pille mit dem Logo des legendären Gabber-Festivals in den Niederlanden tauchte Mitte August auch in Zürich auf. Die 232 Milligramm MDMA, die darin enthalten waren, "donnern" lebensgefährlich: Es handelt sich um einen extrem hohe Dosis.

Orange "Music on"

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Es gibt Pillen mit Berghain-Logo und es gibt Pillen mit dem Logo des Musiklabels "Music on". Mit denen haben allerdings weder Club noch Label zu tun, noch der DJ Marco Carola, der hinter Musikfirma steckt. Das DIZ hat eine solche Pille getestet und warnt jetzt: Sie enthielt die extrem hohe Dosis von 252 Milligramm MDMA.

Gelbe Pharao

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Wie praktisch alle Pharao-Pillen, die derzeit im Umlauf sind, trug auch die gelbe Pille, die das DIZ Mitte August testete, eine Warnung auf der Rückseite: "Warning Pharao 240MG". Das würde einer extrem hohen Dosis entsprechen. Doch sie enthielt "lediglich" 155 Milligramm MDMA, was immer noch einer hohen Dosis entspricht. Diese Schwankung zeigt, dass man sich nie auf eingepresste Warnungen verlassen kann. Auch größere Mengen als 240 Milligramm können nicht ausgeschlossen werden.

Gelbe USA *KEIN MDMA

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Wenn es Trump-Pillen gibt, dann gibt es auch USA-Pillen. Bei der als Ecstasy verkauften gelben Tablette handelt es sich allerdings nicht um MDMA. Das mobile Test-Team des DIZ fand in ihr stattdessen das Potenzmittel Sildenafil und warnt: "Da sich nach der Einnahme dieser Tablette keine psychoaktive Wirkung einstellt, besteht die Gefahr, dass nachdosiert und dadurch ungewollt eine hohe Dosis Sildenafil eingenommen wird, welches zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Erröten und Verdauungsstörungen führen kann. Sildenafil sollte nie mit Poppers (Amylnitrit) kombiniert werden! Wechselwirkungen zwischen diesen Substanzen können lebensbedrohlich sein!"

Grün-gelbe Eule

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Die Eule auf dieser Pille macht große Augen. MDMA weitet die Pupillen, aus kleinen Löchern werden "Teller". Eine Überdosierung ist auch mit einer solchen Pille möglich. Beim Test in Zürich enthält eine die hohe Dosis von 146 Milligramm MDMA.

Grüne "Chupa Chups"

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Pillen mit diesem Logo kursieren vor allem in den Farben Rosa bzw. Pink und Grün. Ein grünes Exemplar brachte es auf die hohe Dosis von 131 Milligramm MDMA, als es Mitte August von DIZ getestet wurde.

Grüne "Formel 1"

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Der MDMA-Gehalt mag stark schwanken, dennoch waren alle drei Mitte Mai und Anfang August in Zürich getesteten Pillen extrem hoch dosiert: 263 Milligramm MDMA ergab ein Test, 235 Milligramm ein anderer, 201 Milligramm der aktuellste. Auch eine lilafarbene "F1" aus Wien war extrem hoch dosiert.

Lilafarbener Dominostein

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Nur wenige Pillen werden so oft getestet, wie lilafarbene Dominos. 171 Milligramm MDMA enthielt eine Pille beim Test in Zürich, Mitte August. 122 Milligramm, 154 Milligramm, 142 Milligramm und 154 Milligramm lauten die weiteren Ergebnisse vom DIZ und von Checkit! aus den letzten Monaten. Die Zahlpunkte auf dem falschen Dominostein können sich unterscheiden, die Farbe reicht von Lila zu Rosa.

Lilafarbene "Transformer"

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Diese "Transformation" ist mehr als riskant. Mit 271 Milligramm MDMA gehört die Pille, die in Zürich mobil auf einer Veranstaltung getestet wurde, zu den am höchsten dosierten des Sommers: eine extrem hohe Dosis.

Graue "Bugatti"

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Neben Rollern und Motorrädern, Familienautos und Sportwagen dürfen Luxusschlitten nicht fehlen. Eine graue Bugatti wurde Ende Juli vom DIZ in Basel auf 258 Milligramm MDMA getestet, Mitte August in Zürich auf 257 Milligramm MDMA, das sind extrem hohen Dosen und damit sehr gefährlich. Alle Pillen dieses Aussehens, die 2018 in der Schweiz untersucht wurden, enthielten extrem hohe Dosen von über 240 Milligramm. Achtung: Sie sollte auch nicht verwechselt werden mit einer grün-gelben "Bugatti", die im Juni in Wien aufgetaucht ist. Diese enthielt 107 Milligramm MDMA.

Wenn du schon einmal ambulant behandelt werden musstest, nachdem du Drogen genommen hast, (oder Freunde von dir) und du mit VICE über deine Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-mail oder Twitter-DM.

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