Sex

Dürfen wir vorstellen: Männer mit Furzfetisch

"Der Furz hat alle meine Träume wahr werden lassen."
Ein Pärchen in furzfester Unterwäsche, höchstwahrscheinlich keine Furzfetischisten, aber das Bild passt wie Arsch auf Nase | Quelle: www.myshreddies.com

Lass uns über Fürze reden. Mitte Februar erst musste ein Flugzeug auf dem Weg von Dubai nach Amsterdam aufgrund heftiger Darmwinde in Wien notlanden – VICE berichtete natürlich. Die analen Ausdünstungen eines älteren Herren hatten einen handfesten Streit zwischen ihm und zwei anderen Passagieren entfacht, der dermaßen eskaliert war, dass der Flug unterbrochen und die Polizei gerufen werden musste. Auch wenn nicht ganz klar ist, ob dies tatsächlich der Auslöser für die Auseinandersetzung war, befindet sich Ekel definitiv unter den häufigsten drei Reaktionen auf Flatulenzen in der Öffentlichkeit. Die anderen sind Verlegenheit – für die Verursacher und Umgebende gleichermaßen – und natürlich Humor.

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Manche begegnen den Verdauungsgasen aber sogar mit Bewunderung. 2014 veröffentlichen Wissenschaftler der University of Exeter eine Studie, die Schwefelwasserstoff, einem Bestandteil von Fürzen, heilende Eigenschaften zuspricht. Das Gas soll demnach menschliche Zellen vor Krankheiten wie Krebs schützen.

Und dann gibt es noch diejenigen, für die Fürze nicht nur ein tabuisiertes Nebenprodukt der Verdauung sind, sondern ein wichtiger Bestandteil ihrer Sexualität.


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Menschen mit Furzfetisch – auch bekannt als Flatophilie oder Eproctophilie – finden menschliche Abwinde sexuell erregend. Wie bei den meisten Fetischen fällt auch dieser von Person zu Person unterschiedlich aus. Manche macht es an, ihren Partner oder die Partnerin anzufurzen, während sich andere lieber anfurzen lassen. Abgesehen vom Geruch kann austretender Darmwind auch die vier anderen Sinne ansprechen – und so verschieden wie Fürze sind auch die individuellen Vorlieben für diese. Mit Koprophilie, der Vorliebe für Kot, haben die allermeisten Flatophilie-Anhänger allerdings nichts am Hut.

Aber wie entwickelt man so einen Furzfetisch? Sex- und Beziehungstherapeutin Sarah Berry sagt: "Fürze gelten gemeinhin als lustig, eklig und/oder peinlich. Jede Erfahrung, die eine dieser Reaktionen extrem verstärkt hat, kann Furzen zu einer sexuellen Präferenz machen." Genau das spiegelt sich auch in einigen Biografien von Personen in der Flatophilie-Community wider.

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Jason*, ein 22 Jahre alter heterosexueller US-Amerikaner, hat schon als Kind erste Furzfantasien gehabt. Mit sechs Jahren stellte er sich vor, mit einem besonders flatulierenden Pumbaa aus Der König der Löwen abzuhängen. Er erinnert sich daran, dass er Fürze unglaublich witzig fand, seine Eltern hingegen waren sehr verklemmt. "Ich weiß noch, dass ich als Kind nicht mal das Wort 'Furz' sagen durfte. Das hat es für mich noch verbotener gemacht."

Ric*, ein 52 Jahre alter homosexueller Australier, hatte nicht so ein strenges Elternhaus wie Jason, aber auch er sieht den Ursprung seines Fetischs in seiner Kindheit. "Als Kind habe ich immer heimlich andere Jungs bewundert, die in der Öffentlichkeit gefurzt haben. Die schienen so ungehemmt, selbstbewusst und ein bisschen rebellisch zu sein."

Als er älter wurde und anfing, seine sexuelle Orientierung zu ergründen, wurde Ric selbstbewusster. Er wollte Reaktionen von anderen Männern provozieren. "Einmal, als ich mich ein bisschen niedergeschlagen gefühlt habe, wollte ich schockieren und habe ziemlich laut vor einem Mann in der Umkleide eines Sportstudios gefurzt", erzählt Ric. "Das habe ich dann regelmäßig gemacht. Manchmal sind meine Fürze sogar auf positive Resonanz gestoßen."

"Für mich ist das ein Zeichen von Zuneigung." – Jason

Bei beiden Männer gewannen diese frühen emotionalen Flatulenzerfahrungen mit der Pubertät eine erotische Komponente. Beide erinnern sich daran, furzinspirierte Erektionen und Masturbationsfantasien gehabt zu haben, was schließlich den Weg für Fürze als primären Turn-on ebnete.

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Jason, der sich vor allem zu Frauenfürzen hingezogen fühlt, konnte seine Vorliebe bislang noch nicht mit einer Partnerin ausleben. "Ich besuche ein paar Internetforen und habe einige Online-Bekanntschaften, die darauf stehen", sagt er. Abgesehen von Chats bedient Jason seinen Fetisch vor allem mit Videos. "Die enthalten weder Sex noch Nacktheit", sagt er. "Meistens schaue ich Solo-Videos, in denen das Model alleine ist – entweder komplett angezogen oder in Unterwäsche."

Rics exhibitionistisches Verhalten in Umkleiden und Schwulensaunas hingegen führte irgendwann auch zu Dates. Nichtsdestotrotz verbrachte er einen Großteil seines Erwachsenenlebens in schwulen Flatophilie-Foren und Yahoo-Gruppen. Auf der mittlerweile nicht mehr existierenden Seite maleassrippers.com hatte er auch eigene Videos hochgeladen.

Erst mit 40 hat Ric einen älteren Mann im Ausland besucht, um seine Fantasie auszuleben. "Wir haben 24 Stunden miteinander verbracht. Als wir zusammen waren, haben wir voreinander an verschiedenen öffentlichen Orten wie Restaurants gefurzt, uns gegenseitig auf die Hand und schließlich ins Gesicht gefurzt." Seit diesem herrlich-frivolen Tag hat Ric noch einige solche Sessions mit Partnern gehabt, aber meistens beschränkt sich das Ausleben seines Fetischs auf Skype-Sitzungen mit anderen Furzliebhabern im Ausland.

"Es erlaubt mir, ihn auf eine Weise kennenzulernen wie sonst niemand." – Fabio

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Bei Fabio*, einem verheirateten 37-jährigen Brasilianer, sieht die Sache noch einmal etwas anders aus. Nicht nur hat er regelmäßige Gesicht-zu-Po-Interaktionen, sondern ist dazu ein heterosexueller Mann, der sich ausschließlich zu Männerfürzen hingezogen fühlt. Auch Fabio erinnert sich daran, wie er sich als Fünfjähriger für die Blähungen eines Freundes begeistert hat. Ein paar Jahre später hing er mit einem Cousin zu Hause ab: "Wir schauten Fernsehen und er wollte witzig sein und hat mir absichtlich ins Gesicht gefurzt", erinnert sich Fabio. "Er wusste nicht, dass ich so nah an seinen Pobacken war, um sie zu bewundern. Sein Furz hat alle meine Träume wahr werden lassen."

Trotz der unterschiedlichen Hintergründe, sexuellen Orientierungen und Erfahrungen mit Eproctophilie schätzen die drei Männer vor allem einen Aspekt ihres Fetischs: die Intimität. Für Jason ist diese eng an gesellschaftlicher Erwartungen gekoppelt: "Frauen tendieren dazu, nicht offen mit solchen Sachen umzugehen, solange sie sich nicht wirklich wohl in deiner Gegenwart fühlen. Für mich ist das anscheinend ein Zeichen von Zuneigung."

Soziale Akzeptanz spielt auch für Fabio eine wichtige Rolle. Er interessiert sich insbesondere für Fürze gut gekleideter Männer, sowie die Abwinde von Herren, die er als schöner und intelligenter wahrnimmt als sich selbst. Wenn so ein Mann einwilligt, ihm ins Gesicht zu furzen, "dann heißt das, dass er mich mag", sagt Fabio. "Und es erlaubt mir, ihn auf eine Weise kennenzulernen wie sonst niemand. Menschen wissen in der Regel nämlich nicht, wie die Fürze von jemand anderem sind." Blähungen, sagt er, machen eine Person menschlich. Wenn ein Mann, dem er sich unterlegen fühlt, seine Darmwinde mit ihm teilt, fühlt sich Fabio auf einer Höhe mit ihm – etwas, das ihn geistig ungemein entspanne, wie er sagt.

Ric fasst zusammen, was er an seiner Vorliebe so schätzt: "Für mich ist das geteilte Intimität, eine Form von Befreiung und die Anerkennung der eigenen primitiven animalischen Wurzeln."

*Name geändert.

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