Freundschaft

Geschichten von Freunden, die plötzlich zu Feinden wurden

"Mein Mitbewohner hatte ein Steakmesser mit der Klinge nach oben zwischen die Sofakissen gesteckt – genau dort, wo ich immer saß."

von Justin Caffier; illustrationen von Lia Kantrowitz
16 Juli 2018, 3:30am

Deine Freundinnen und Freunde holen dich vom Flughafen ab, halten dein Haar, wenn du kotzen musst, und geben dir in Zeiten der Not was von ihrer Pommes ab. Freundschaften sind so wichtig, man kann es gar nicht oft genug sagen.

Aber nicht alle Freunde sind wirklich Freunde. Manche sind Besties, andere sind von der Schönwetter-Sorte – und andere sind einfach nur Gift. Die Art Mensch, die einen an der Menschheit zweifeln lässt. Oft braucht es aber einen Vorfall, bei dem sie ihren extremen Egoismus unter Beweis stellen, damit uns die Wahrheit aufgeht. Wir haben Menschen gebeten, uns von der Situation zu erzählen, die ihrer Freundschaft den Rest gegeben hat.

Was sollen denn die Leute denken

Als ich meine Abschlussprüfungen hinter mir hatte, schlug ich meinem Mitbewohner vor, zusammen in einer schicken Dachbar zu feiern. Er lehnte ab, weil man uns ja für schwul halten könnte, wenn wir zu zweit in eine Bar gehen. – Nick (Portland, Oregon)


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Ein zukünftiger Serienkiller

Ich kam nach Hause und stellte fest, dass mein Mitbewohner ein Steakmesser mit der Klinge nach oben zwischen die Sofakissen gesteckt hatte – genau an der Stelle, wo ich immer saß. Darüber hatte er eine Sofadecke gebreitet. Zum Glück setzte ich mich nicht drauf. Eine Freundin war dabei und wollte sich vor mir hinsetzen, deswegen zog sie die Decke beiseite. Wir waren beide ganz schön entsetzt. Danach habe ich meine Tür jede Nacht verriegelt. – Brooke (Tuscaloosa, Alabama)

Unterlassene Hilfeleistung

Ich rief panisch und aufgelöst an und erzählte, dass die Hotline für Suizid-Prävention mich 25 Minuten in der Warteschleife hängen ließ. Daraufhin sagte diese Person: "Vielleicht hatte jemand einfach einen dringenderen Notfall als du." – Steven (New York)

Einfach zum Kotzen

Ich war gerade wieder zu meinen Eltern gezogen. Meine damals beste Freundin, die ich schon zehn Jahre kannte, war sturzbesoffen und wollte wissen, ob sie zu mir kommen könne, damit ihre Mutter sie nicht im Rausch erwischte. Ich vereinbarte mit ihr eine Uhrzeit, zu der wir uns vor dem Haus treffen würden, damit wir meine Familie nicht weckten.

Ein paar Stunden später ging der Einbruchalarm los. Sie stolperte ins Haus, ging in mein Zimmer und verlor das Bewusstsein. Sie hatte alle geweckt, Hunde bellten, und so weiter. Noch mal ein paar Stunden später wachte ich von einem Geräusch auf und stellte fest: Sie kotzte gerade mein Bett voll. Ich versuchte, sie ins Bad zu bugsieren, aber sie bestand darauf, dass es ihr gut gehe. Während sie weiter mein Bett und meinen Teppichboden vollreiherte.

Am folgenden Morgen kam ihre Mutter, um sie abzuholen. Sie verließ das Haus – in MEINER Kleidung –, ohne mir oder sonst wem auch nur ein Wort zu sagen. Ich rief sofort an und schrieb ihr, weil ich so wütend war, aber sie entschuldigte sich kein bisschen. Ich sagte, sie solle mir Geld für die Teppichreinigung überweisen. Da rief ihre Mutter an: Wie könne ich es wagen, von ihr überhaupt etwas mit Reinigung zu verlangen, wo die Arme doch eindeutig eine Lebensmittelvergiftung habe. Dann befahl sie mir noch, niemandem von dem Vorfall zu erzählen, das könnte ja das "Image" ihrer Tochter gefährden.

Ich habe danach nie wieder von ihr gehört. Aber später kam mir zu Ohren, dass sie dasselbe noch mal abgezogen hatte und dass ein Mädchen in einer anderen Stadt ein neues Sofa und einen neuen Teppichboden brauchte. – Jena (Miami)

Der Feind in meinem Netz

Ich bezahlte einen Freund als Sicherheitsberater, weil eine meiner Websites gehackt worden war. Ich zahlte ihm 200 Dollar die Stunde und gab ihm alle Zugänge, damit er die Situation unter Kontrolle bringen konnte. Zwei Monate später fand ich raus, dass er ein Script eingesetzt hatte, um etwa 20 Prozent meines Traffics auf sein eigenes Google AdSense umzuleiten. Er war selbst der Hacker und hatte mir mehr als 40.000 Dollar gestohlen. – Dennis (Los Angeles)

Orgie statt Ordnung

Ich hatte einen Freund, der auf unser Haus und unsere Hunde aufpassen sollte. Leider schmiss er eine Party. Das Haus sah schlimm aus, überall lagen Drogen rum, die Hunde hatte er vernachlässigt, unser ganzes Essen und unser Alkohol waren weg – und als ich und meine Frau heimkamen, ging er einfach wortlos zur Tür raus. – Gary (Harrisburg, Pennsylvania)

Zwei Nieten unter einer Decke

Ich lud zwei Freundinnen zu einer Party ein, um einen Typen kennenzulernen, den ich seit Kurzem datete. Irgendwann konnten wir eine der Freundinnen nicht finden. Wir suchten eine Weile und fanden sie schließlich im Obergeschoss, im Bett mit dem Typen. – Diana (Seattle)

Schönwetterfreunde

Als mein Haus im größten Brand der kalifornischen Geschichte fast abfackelte, half mir kein einziger Freund und keine einzige Freundin, meine beschädigten Sachen durchzugehen. – Alexandra (Santa Monica, Kalifornien)

Geldgeil und gewissenlos

Nach 15 Jahren Freundschaft stahl mir eine Person 2.000 Dollar. Das passierte schrittweise im Laufe eines Jahres, direkt von meinem Konto. Ausgerechnet dieser Person klagte ich auch noch mein Leid darüber, dass ständig Geld von meinem Konto verschwand. Die Person lenkte dauernd den Verdacht auf jemand anderen in unserem Freundeskreis und sagte auch, vielleicht würde ich das Geld ja ausgeben, ohne es zu merken. – Brittany (Marquette, Michigan)

Dreistes Design

Ich bin Künstlerin und diese Story hat mich sehr aufgeregt. Eine Freundin von mir, die auch Künstlerin ist, zeichnete für ihre laufende Comicserie eine Figur, die eindeutig ich sein sollte, aber war so dreist, es abzustreiten. Das war offensichtlich ich: Die Figur hatte meinen Nasenring, meinen Dutt, das Bandana, das ich früher immer trug, eine runde Brille und zwei Ohrmuschelpiercings. Und dann nannte sie die Figur auch noch Tran – das ist mein Nachname. Ich checkte ihre Freundesliste auf Facebook, um zu sehen, ob da noch andere Trans sind, denn das ist ein sehr verbreiteter vietnamesischer Name. Aber da war nur ich. Dieses unehrliche Miststück. – Anh, Los Angeles

Kennen wir uns?

Ich war mitten in einer Menschenmenge, auf einem Event auf der anderen Seite der Welt. Dort begegnete ich zufällig einem Typen, mit dem ich schon seit Jahren befreundet war. Für mich war das wirklich ein krasser Moment, ich sagte: "Oh mein Gott, wie groß ist bitte dieser Zufall? Lass uns ein Bier trinken!" Stattdessen bekam ich von ihm bloß ein ziemlich gleichgültiges "wie geht's", als wären wir Kollegen, die sich am Wochenende beim Einkaufen begegnen. Er sagte, er würde gleich zurückkommen, und verschwand dann einfach. Er hatte sich zwar nicht wie ein offensichtliches Arschloch verhalten, aber für mich war das ein ziemlicher Augenöffner. Nicht nur hatten wir völlig verschiedene Vorstellungen von dieser jahrelangen Freundschaft, er hielt offensichtlich so wenig von mir, dass er nicht mal bei so einem Extremzufall ein bisschen Enthusiasmus vortäuschen konnte. – Tyson (Santa Fe, New Mexico)

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