Anzeige
Tech

40 Jahre lang galt diese 'Star Wars'-Doku als verschollen – jetzt ist sie online

Jahrzehntelang suchten 'Star Wars'-Fans den Film, der hinter die Kulissen von 'Das Imperium schlägt zurück' blickte. Jetzt lässt ein glücklicher Zufall Zehntausende Fans jubeln.

von Dennis Kogel
15 Oktober 2018, 12:40pm

Die Roboter C-3PO und R2-D2 in der Rebellenbasis auf dem Eisplaneten Hoth | Bild: imago | Entertainment Pictures

Unter Fans gilt diese Doku als der verloren geglaubte Schatz einer längst vergangen Ära: The Making of The Empire Strikes Back – die Doku eines französischen Filmemachers, der ganz nah dabei war, als Carrie Fisher, Mark Hamill, Harrison Ford und Regisseur Irvin Kershner Filmgeschichte schrieben. Angeblich nur zwei Mal wurde die Doku vor fast 40 Jahren ausgestrahlt: ein Mal im französischen, ein Mal im holländischen TV. Es hat jahrelange Recherche gebraucht und einen Star der Star-Wars-Fan-Community – jetzt ist die verschollene Doku auf YouTube.

Der etwa 56-minütige Doku-Film gibt bisher unbekannte Einblicke hinter die Kulissen der Entstehung von Star Wars V: Das Imperium schlägt zurück, den legendären Teil der Reihe, in dem Darth Vader die Wahrheit über Lukes Abstammung verrät. Die Doku zeigt die Crew bei den Filmarbeiten an der Schlacht um den Eisplaneten Hoth im norwegischen Schneegestöber, während im Hintergrund zahlreiche Künstler an Modellen und Spezialeffekten arbeiten.

Zu sehen sind auch Interviews mit den Stars der Reihe: Ein begeisterter Mark Hamill erzählt vom intensiven Schwertkampf-Training; Carrie Fisher vergleicht die Liebesgeschichte zwischen der von ihr gespielten Prinzessin Leia und dem von Ford verkörperten Schmuggler Han Solo mit den großen Hollywood-Love-Stories der 50er und 60er. Und Harrison Ford versucht Fans hinters Licht zu führen, indem er den wohl düstersten Film der Saga so zusammenfasst: "Das Gute siegt über das Böse. Han ist ein Guter." Spannend sind auch die Einblicke des 2010 verstorbenen Regisseurs Kershner: "Star Wars ist ein Märchen, keine Science-Fiction", sagt er in der Doku.

Wie das Making-Of seinen Weg ins Netz fand

Hinter dem Film steckt der französische Fernseh-Journalist Michel Parbot, der vor etwa zehn Jahren verstorben ist. Einen Namen machte er sich vor allem mehrere Jahre nach der Doku, als er der einzige Reporter mit Filmkamera war, der die Invasion der Insel Grenada durch US-Truppen dokumentierte, das berichtete 1983 die Nachrichtenagentur UPI. Zusammen mit Hubert Henrotte gründete er 1974 die Agentur Sygma TV, in der auch seine Star-Wars-Doku entstand.

Dass die Doku jetzt online ist, haben wir jedoch Superfans von Star Wars zu verdanken. Seit über sechs Jahren sucht das Team der französischen Fansite Mintinbox.net nach dem verschollenen Video. Immer wieder berichteten sie von verschiedenen Funden verloren geglaubter Szenen, die verschiedene Fan-Sites bereits zu einer etwa halbstündigen Doku schneiden konnten. Doch dann wurden die Fans, das schreiben sie auf Französisch auf Mintinbox.net, von einer anonymen Quelle kontaktiert. Diese Quelle hätte selbst jahrelang nach diesem Film gesucht – und sei irgendwann auf eBay fündig geworden. Die Redaktion der französischen Fansite bekam eine Kopie und schrieb einen vierteiligen Bericht über die Inhalte der Doku.

Vor kurzem wurde jedoch klar, wer wahrscheinlich hinter diesem Fund steckt: Adywan. Das ist der YouTube-Kanal, auf dem die Doku von Michel Parbot jetzt zu sehen ist. In der Fan-Community ist dieser Name wohl so bekannt wie Obi-Wan Kenobi. Hinter dem Accountnamen stecken die Macher des Projekts Star Wars Revisited. Das ist ein Versuch, die alte Trilogie so originalgetreu wie möglich wiederherzustellen, dafür wurden nachträglich von George Lucas hinzugefügte Spezialeffekte und Farbbearbeitungen korrigiert. Die Fans bauten hierzu teilweise selbst Szenen und Modelle nach. "Eine Version, die faszinierend und oft überlegen ist im Vergleich zur offiziellen Fassung und den vielen Fan-Versionen im Netz", urteilte Polygon 2017, als Star Wars Revisited nach Jahren der Arbeit erschien und über Filesharing-Seiten verbreitet wurde.


Bei Motherboard: Der Mann, der Schrott-Teslas wieder auf die Straße bringt


Wie lange The Making of The Empire Strikes Back nun online bleiben darf, ist unklar. Die Rechtslage um die Doku, das schreiben die Autorinnen von Mintinbox.net, ist komplex. Die Agentur Sygma ging 2011 bankrott, laut Mintinbox.net müssten die Rechte am Film jetzt also beim französischen und holländischen TV-Sender liegen. Diese jedoch würden sich nicht mehr auf Anfragen melden. Auch LucasFilm müsste eine Kopie des Films haben, doch Mintinbox.net zufolge wird auch dieses Archiv Fans nicht zugänglich gemacht.

Für Fans von Star Wars ist die Aktion von Adywan ein Grund zum Feiern: "Jeder sollte dieses Video jetzt speichern", schreibt ein Fan auf Reddit. Dass die einst verschollene Doku so schnell wieder in den Tiefen des Internets verschwindet, ist also unwahrscheinlich.

Folgt Dennis auf Twitter und Motherboard auf Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter