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Es ist 2018 und Dealer verdienen Geld mit Lego-Steinen

Warum Drogendealer werden, wenn man auch Lego verticken kann? Die US-Polizei hat schon wieder geklautes Spielzeug im Wert von mehreren Zehntausend Euro entdeckt. Dahinter steckt eine erstaunlich effiziente Masche.

von Daniel Oberhaus
03 Mai 2018, 10:30am

Bild: Portland Police

Ende April hat die Polizei in Portland einen 40-jährigen Mann festgenommen. Der Verdacht: Er soll einen kriminellen Lego-Ring betrieben haben. Der mutmaßliche Lego-Schwarzhändler Raji Azar soll gestohlene Lego-Sets erworben und dann online mit hohem Profit weiterverkauft haben. Bei der Verlesung der Anklage am 27. April wurden ihm zwei Dutzend Straftaten vorgeworfen.

Die Polizei geht davon aus, dass der Angeklagte fremde Nutzer zum Diebstahl von Lego angestiftet hat, etwa über Seiten wie Craigslist und OfferUp. Das seien laut Polizei vor allem Leute gewesen, "die von Opioiden oder anderen Drogen abhängig waren". Anschließend kaufte Azar den Dieben das Lego ab und verkaufte die Hehlerware mit Gewinn weiter.

Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei genug Lego-Sets, um damit die Autoeinfahrt des Angeklagten zuzustellen. Ladendetektive der Supermarktkette Fred Meyer, aus deren Filialen die Lego-Sets vermutlich gestohlen wurden, schätzen den Wert der Beute auf umgerechnet ungefähr 42.000 Euro.

Die gestohlenen Lego-Sets stapeln sich vor der Einfahrt des Angeklagten.
Diese Lego-Sets fand die Polizei bei dem Angeklagten in Portland | Bild: Portland Police

Der Lego-Ring in Portland wurde mit vereinten Kräften von Supermarkt-Detektiven und einer Spezialeinheit der Polizei aufgedeckt. Am 26. April traf sich der Angeklagte mit verdeckten Ermittlern, die sich als Lego-Diebe ausgaben. Sie behaupteten, eine große Menge an Lego-Sets gestohlen zu haben, die sie nun für einen Bruchteil des Ladenpreises verkaufen wollten. Nachdem der Angeklagte den Undercover-Agenten das vermeintliche Diebesgut im Wert von 10.800 Euro abgekauft hatte, wurde er verhaftet.

Auch in Deutschland gibt es Lego-Diebe

Auch wenn Lego-Sets vielleicht nicht das erste sind, das einem in Sachen Hehlerware in den Sinn kommt: Das illegale Geschäft mit dem Spielzeug ist das beinahe perfekte Verbrechen. Denn Lego hat einen hohen Verkaufswert und keine Seriennummern. Somit ist es für die Polizei schwer, festzustellen, ob ein Set gestohlen wurde oder nicht. Besonders beliebt sind Lego-Sets zu populären Serien und Filmen wie Harry Potter, Star Wars oder Frozen.


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Dass sich der Handel mit dem Spielzeug für Kriminelle lohnt, zeigen auch die zahlreichen großen Lego-Diebstähle in den vergangenen Jahren. Vor allem Portland scheint ein besonders heißes Pflaster für die bunten Steinchen zu sein: Bereits 2016 wurde ein Dealer festgenommen, der versucht hatte, Lego an verdeckte Ermittler zu verkaufen. Bei ihm wurden Lego-Sets im Wert von umgerechnet 42.000 Euro sichergestellt. Ein Mann in Florida, der in den Nachrichten als "Lego Bandit" bekannt wurde, stahl Lego und andere Spielzeuge im Wert von fast 1,6 Millionen Euro. Im Jahr 2014 nahm die Polizei in Arizona einen Mann fest, der Lego-Sets im Wert von 200.000 US-Dollar vertickt hatte.

Auch in Deutschland gibt es Berichte über Lego-Diebstähle. So wurden aus einem Lastwagen auf der A38 Lego-Sets im Wert von schätzungsweise 32.000 Euro gestohlen. Im Jahr 2015 griff die Bundespolizei drei Männer auf der A11 auf, die gestohlene Lego-Sets im Gesamtwert von 6.000 Euro im Kofferraum und auf der Rückbank ihres Autos versteckt hatten. Im selben Jahr nahm die Polizei einen Vater fest, der versucht hatte, rund 120 Lego-Figuren aus dem Legoland Deutschland zu schmuggeln. Ob er die 120 Figuren illegal weiterverkaufen oder einfach nur damit spielen wollte, ist nicht bekannt.

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