Ecstasy: Das sind die Pillenwarnungen für "Bentley", "Lego" und andere

Forschungsinstitute warnen diese Woche vor 11 extrem hoch dosierten Pillen. Dass Drug-Checking Leben rettet, beweist nun einmal mehr eine neue Studie.

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14 Dezember 2018, 11:15am

Pillenfotos: Checkit! | DIB | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Auf Festivals werden Drogen genommen, das ist Fakt. Fakt ist auch, dass bisweilen Menschen dabei sterben. 2016 erwischte es sechs Festivalbesucher in Großbritannien – so viel wie noch nie. Dass gehandelt werden musste, hatte die britische Polizei bereits im selben Jahr erkannt und deshalb die Non-Profit Organisation The Loop unterstützt. Die bot vor zwei Jahren in einem Pilotprojekt erstmals Drug-Checking auf einem Festival an. Forscher und Forscherinnen der Durham University haben das Programm begleitet und nun ihre Studie veröffentlicht – mit interessantem Ergebnis. Drug-Checking kann Leben retten, denn: Jede fünfte abgegebene Probe enthielt nicht die Substanz, die die Konsumierenden geglaubt hatten, gekauft zu haben. Hätten sie die Pulver oder Pillen unwissend konsumiert, hätten sie das Risiko nicht im Ansatz einschätzen können.

Während des Pilotprojekts wurden auf einem viertägigen Festival im Juli 2016 fast 250 Drogen zur Analyse abgegeben. Konsumierende, die das Angebot nutzten, wurden anschließend über die Risiken aufgeklärt, mit weitreichenden Folgen: Einer von fünf Teilnehmenden ließ seine Drogen durch The Loop entsorgen. Mittlerweile baut The Loop jedes Jahr sein Labor auf mehreren britischen Festivals auf. Leider sind wir in Deutschland noch nicht so weit, Drug-Checking ist hier illegal – egal ob in der Stadt oder auf einem Festival. Darum müssen wir uns auf die Ergebnisse unserer Nachbarländer verlassen, die wir jede Woche veröffentlichen – auch die von The Loop. Außerdem vom niederländischen Trimbos Institut, Eurotox in Belgien, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, Drogenarbeit Z6 in Innsbruck, Energy Control in Spanien, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschließlich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heißt das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlicht im Laufe des Wochenendes regelmäßig zusätzlich neue Warnungen und Meldungen.

Pillenwarnung für das dritte Dezember-Wochenende

Orangefarbene "Bentley"

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Pillenfotos: Checkit! | DIB | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Eine orangefarbene Pille in Form eines großen "B"s für die Automarke Bentley wurde Anfang Dezember zu Eurotox in Brüssel zur Analyse gegeben. Sie enthielt eine hohe Dosis von 150 bis 175 Milligramm MDMA.

Beigefarbener Panzer oder "Newgrounds"

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Vielleicht sind manche Pillenproduzierende nebenher auch noch Gamedesigner. Das würde zumindest dieses Motiv erklären: Newgrounds, deren Logo hier verwendet wurde, ist eine Community für Flash-Spiele und -Filme. Anfang Dezember wurde beim DIZ in Zürich eine beigefarbene Pille in Form des Panzers mit einer extrem hohen Dosis von 243 Milligramm MDMA abgegeben.

Beigefarbene oder braungelbe "Philipp Plein"

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In Belgien tauchen regelmäßig "Philipp Plein"-Pillen auf. Eine braungelbe "PP" mit Totenkopf auf der Rückseite kam bei einem Test Anfang Dezember auf bis zu 200 Milligramm MDMA. Das ist eine extrem hohe Dosis.

Gelb-grüne fünfeckige Pille ohne Logo oder Namen *KEIN MDMA

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Hat eine Pille keine Prägung, sollten Konsumierende beim Einnehmen besonders aufpassen. Denn oftmals enthalten die namenlosen Teile kein MDMA. Auch bei einem gelb-grünen Pentagon, das Anfang Dezember in Brüssel abgegeben wurde, war dies der Fall. Statt MDMA steckte 2C-B in der Tablette.

Gelb-rosafarbener Goldbarren

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Auf eine extrem hohe Dosis von mehr als 200 Milligramm MDMA wurde ein gelber Goldbarren von Eurotox im September getestet. Eine gelb-rosafarbene Pille in dieser Form und mit GOLD-Schriftzug erzielte Anfang Dezember ein ähnliches Ergebnis.

Gelbe "Lego"

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Kinderfreundlich ist eine solche Pille auf keinen Fall. In einer gelben Pille in Form eines Legosteins steckte eine hohe Dosis von 108 Milligramm MDMA – untersucht wurde sie Anfang Dezember von Drogenarbeit Z6 in Innsbruck.

Gelber Pharaoh

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Erst Ende November analysierte das DIZ einen gold-gelben Pharaoh auf 126 Milligramm MDMA. Anfang Dezember erreichte ein gelbes Exemplar mit eingepresstem "WARNING 240MG" auf der Rückseite eine extrem hohe Dosis von mehr als 225 Milligramm MDMA. Getestet wurde diese Pille von Eurotox in Brüssel. Beide Ergebnisse zeigen, dass sich Konsumierende in keinem Fall auf die auf manche Pillen gepressten Gehaltsangaben verlassen sollten – diese schwanken in Wahrheit starken und können auch höher sein.

Grüne "Max F1"

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Das "MAX" auf dieser Pille darf wörtlich genommen werden. "MAX"-Pillen mit dem Formel-1-Logo waren bei verschiedenen aktuellen Tests in Zürich mit bis zu 263 Milligramm MDMA immer extrem hoch dosiert. Forscher und Forscherinnen von Eurotox analysierten eine solche Pille Anfang Dezember: 225 bis 250 Milligramm MDMA.

Blauer "Domino"

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Bisher zirkulierten vor allem lilafarbene Dominosteine, deren MDMA-Gehalte mit Ergebnissen von 122 Milligramm bis 324 Milligramm MDMA sehr schwankten. In Zürich kam nun ein blauer "Domino" Ende November auf eine extrem hohe Dosis von 219 Milligramm MDMA.

Blauer Hulk

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Superkräfte bekommt man durch eine solche Pille nicht, aber möglicherweise eine extrem hohe Dosis MDMA – einschließlich aller Risiken. Eurotox fand in einem blauen Hulk Anfang Dezember mehr als 225 Milligramm MDMA.

Blaue "Lego"

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Züricher Forscher und Forscherinnen testeten eine blaue "Lego" Anfang Dezember auf 182 Milligramm MDMA.

Blaue Punisher

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Beim Konsum einer blauen Punisher sollte man aufmerksam auf die Dosierung achten. Eine solche Pille wurde im Dezember vom Z6 auf eine extrem hohe Dosis von 301 Milligramm MDMA getestet. Auch in England kamen im Mai und Juni mehrere blaue Punisher auf MDMA-Dosen von mehr als 300 Milligramm.

Graue Apollon

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Eurotox deklarierten eine Pille mit diesem Aussehen als unbekannt. Wir gehen davon aus, dass es sich dabei um das Abbild des griechischen Sonnengottes Apollon handelt. Bei der Analyse in Brüssel erreichte ein Exemplar zwischen 225 und 250 Milligramm MDMA – eine extrem hohe Dosis.

Grauer Bandit

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Vor grauen Banditen sollte man sich in Acht nehmen. Eine solche Pille enthielt in Zürich Anfang Dezember eine extrem hohe Dosis von 222 Milligramm MDMA. Eine andere Pille mit diesem Aussehen erzielte im September 236 Milligramm MDMA.

Graue "Defqon"

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Eine graue Pille mit dem Logo des weltweit größten Hard Dance Festivals – Defqon.1 – kam bei einem Test des DIZ Anfang Dezember auf 187 Milligramm MDMA.

Graue "Duracell"

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Das "NL" auf der Rückseite dieser Pille lässt auf die Produktion in den Niederlanden schließen. Getestet wurde sie jedoch in Zürich. Dort erreichte eine solche Pille mit "Duracell"-Logo, "MDMA Power"- und "LAST LONGER"-Aufschrift eine extrem hohe Dosis von 224 Milligramm MDMA. Eine solche Pille in Blau enthielt im Oktober in Österreich 138 Milligramm MDMA.

Und wenn du oder deine Freunde schon einmal ambulant behandelt werden mussten, nachdem ihr Drogen genommen hattet, und du mit VICE über diese Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-Mail oder Twitter-DM.

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