Ecstasy: Das sind die 17 Pillenwarnungen zu Silvester

Ecstasy-Pillen waren 2018 oft extrem hoch dosiert. Zum Jahresende warnen Forschungsinstitute nun auch vor Pillen mit Methamphetamin.

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28 Dezember 2018, 11:48am

2018 wurde Ecstasy mit dem Konterfei Donald Trumps getestet und mit den Logos vom Tomorrowland und vom Berghain. Eine rosafarbene "Audi"-Pille, wie sie im Sommer in Innsbruck auftauchte, erzielte allerdings den Spitzenwert: Die untersuchte Pille enthielt 319 Milligramm MDMA und ist damit die höchstdosierte Warnung, die 2018 veröffentlicht wurde. Der Durchschnittsgehalt von MDMA in Ecstasy-Pillen dürfte europaweit in diesem Jahr erneut weiter angestiegen sein. Wir warnten hier wöchentlich vor mehreren neuen und extrem hoch dosierten Pillen mit mehr als 200 Milligramm MDMA.

Doch nicht alle Pillen, die zur Analyse gegeben wurden, enthielten MDMA. Insbesondere in Pillen in Herz-, Stern- und Pilzform oder ganz ohne Logo fanden sich statt MDMA halluzinogene Stoffe wie 2C-B, 4-Fluoramphetamin, 5-MeO-MiPT,25I-NBOMe oder n-Methyl Pentylon. Diese Substanzen wirken anders als MDMA. Das kann Konsumierende überfordern und schnell gefährlich werden, vor allem, wenn ihnen die Tabletten fälschlicherweise als MDMA oder LSD verkauft wurden. Auch Überdosierungen sind dann wahrscheinlicher, weil die Wirkung länger auf sich warten lässt und Konsumierende schon vorher "nachlegen".

Gerade an Silvester trinken viele zusätzlich Alkohol. Wer dazu noch eine Pille schmeißt, setzt sich einem besonderen Gesundheitsrisiko aus. Die Wirkung beider Drogen wird anders wahrgenommen. Es besteht die Gefahr, dass der Körper beim Tanz ins neue Jahr überhitzt, wenn man nicht genug Wasser trinkt – denn Alkohol trocknet den Körper aus, Nieren und Leber werden besonders gefordert.

Und weil Drug-Checking in Berlin und anderswo bisher nur ein guter Vorsatz ist, veröffentlichen wir pünktlich zu Silvester die aktuellen Drug-Checking Ergebnisse von europäischen Forschungslaboren und Drogenberatungen: The Loop in Großbritannien, Eurotox in Belgien, das niederländische Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, Drogenarbeit Z6 in Innsbruck, Energy Control in Spanien, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und Drug-Checking, Infos und Beratung (DIB) in Bern.

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den letzten vierzehn Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschließlich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heißt das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlicht im Laufe des Wochenendes regelmäßig zusätzlich neue Warnungen und Meldungen.

Pillenwarnungen für das letzte Dezember-Wochenende und für Silvester

Rosafarbene "Ferrari" *KEIN MDMA

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Pillenfotos: "Checkit!" | DIB | DIZ | Drogenarbeit Z6 | Energy Control | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Eine solche Pille wurde kurz vor Weihnachten auf Mallorca getestet. Statt MDMA enthielt sie die Chemikalie N-Ethyl-Pentylon. Die psychoaktive Substanz zählt zu der Stoffgruppe der Amphetamine. Da noch wenig über Nebenwirkungen und Langzeitfolgen des Stoffes bekannt ist, rät das Tester-Team von Energy Control vom Konsum ab.

Rosafarbener Stern *KEIN MDMA

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Eine rosafarbene Pille mit einem eingepressten Stern wurde im Dezember in Innsbruck als "Unbekannt" zur Analyse gebracht. Drogenarbeit Z6 fand darin 24 Milligramm Amphetamin sowie 13 Milligramm Koffein, aber kein MDMA.

Rote Ananas

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Mitte Dezember testete das DIZ in Zürich eine Pille in Form einer roten Ananas. Das Ergebnis: eine hohe Dosis von 122 Milligramm MDMA.

Rote "Coca-Cola"

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Tatsächlich enthielt das Softgetränk Coca-Cola bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Spuren von Kokain. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb Drogenlabore Cola-Flaschen auf Pillen pressen. In Wien wurden im Dezember gleich zwei rote Pillen mit Cola-Flasche auf der Vorderseite und "Coca-Cola"-Logo auf der Rückseite zur Analyse gebracht. Eine enthielt 79 Milligramm MDMA, die andere eine hohe Dosis von 162 Milligramm.

Orangefarbene oder goldene "20th Century Fox"

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Beim DIZ in Zürich wurde Anfang Dezember eine orangefarbene oder goldene "20th Century Fox" zur Analyse gebracht. Die Pille mit dem Logo des US-amerikanischen Filmstudios kam auf eine extrem hohe Dosis von 279 Milligramm MDMA.

Orangefarbener "Skull" *KEIN MDMA

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Von lachenden Totenköpfen in Orange sollte man definitiv die Finger lassen. Eine solche Pille wurde von Energy Control und der Vereinigung "DoctorX & his Chemical Brothers and Sisters" Mitte Dezember getestet. Statt MDMA enthielt die getestete Pille drei Milligramm Methamphetamin und die Chemikalie N-Ethyl-Pentylon. Energy Control untersucht auch Darknet-Produkte und erhielt die Probe aus den USA. Dort sind Pillen mit Meth leider keine Seltenheit.

Gelber Dominostein

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Bereits im November testete "Checkit!" in Wien einen lilafarbenen Dominostein auf 148 Milligramm MDMA. Auf der getesteten Pille waren sechs und fünf Augen eingepresst. Auch im Dezember wurde dort ein Dominostein abgegeben, jedoch mit kaum erkennbaren Augen und in Gelb. Die untersuchte Pille erreichte eine extrem hohe Dosis von 203 Milligramm MDMA. Weitere Dominosteine in Lila und Blau enthielten ebenfalls hohe Dosen und sind im Hauptartikel aufgelistet.

Gelbe Eule

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MDMA-Konsum weitet die Pupillen. Wahrscheinlich ist die Eule deshalb ein beliebtes Pillenmotiv. Mitte Dezember analysierte das DIZ eine gelbe Pille, bei der es sich um eine schlecht gepresste Eule handelte. Beim Test wurde eine extrem hohe Dosis von 209 Milligramm MDMA gefunden.

Gelbe "Philipp Plein"

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Auch kurz vor Silvester wurden wieder "Philipp Plein"-Pillen getestet. Eine gelbe "Philipp Plein" in Form einer Rasierklinge kam in Zürich auf eine extrem hohe Dosis von 232 Milligramm MDMA. Eine Pille mit gleichem Aussehen erreichte im Oktober 252 Milligramm MDMA.

Gelbe "PP" oder "Philipp Plein"

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Zürcher Forscher und Forscherinnen testeten Mitte Dezember eine runde "PP" in Gelb. Sie kam auf eine hohe Dosis von 181 Milligramm MDMA. "Philipp Plein"-Pillen wurden 2018 oftmals in sechseckiger Form mit "PP" auf der einen und einem Totenkopf, drei Bruchrillen oder gar nichts auf der anderen Seite zum Testen abgegeben. Ein ähnliches oder fast identisches Aussehen bedeutet allerdings nicht, dass die Pillen aus derselben Produktion stammen. Deshalb sollten Konsumierende diese Pillen jedes Mal aufs Neue in Kleinstmengen zunächst auf ihre Wirkung antesten.

Hellgrüne Kirschen

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In Bern enthielten rote Kirschen im Mai und im Juni nicht nur MDMA, sondern ebenfalls unbekannte Synthese-Nebenprodukte. Eine hellgrüne Pille in Kirschform kam Anfang Dezember in Zürich auf 186 Milligramm MDMA.

Hellgrüne "Maybach"

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Bereits im November testete das DIB in Bern zwei hellgrüne Maybach auf hohe Dosen von 127 und 158 Milligramm MDMA. Kurz vor Weihnachten tauchte dort eine weitere Pille mit diesem Aussehen auf. In ihr wurden 150 Milligramm MDMA gefunden.

Hellblaue Handgranate

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Unter Pillenproduzierenden scheint es nicht nur Pazifisten und Pazifistinnen zu geben. Pillen gibt es in Panzerform oder mit Glock-Logo. Mitte Dezember untersuchte das DIZ eine blaue Handgranate auf 124 Milligramm MDMA.

Blauer Pilz *KEIN MDMA

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In Pillen mit Pilzform ist oftmals kein MDMA enthalten. Das war auch bei einem blauen Pilz der Fall, der im Dezember in Wien abgegeben wurde. Die getestete Pille enthielt 5-MeO-MiPT, auch als Moxy bekannt. Bereits im November enthielt ein blauer Pilz in der Schweiz die psychedelische Substanz.

Lilafarbene "Defqon"

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Das weltweit größte Hard Dance Festival "Defqon.1" findet jährlich in Australien und den Niederlanden statt. Eine lilafarbene "Defqon" kam bei einem Test in Wien im Dezember auf 165 Milligramm MDMA.

Lilafarbenes Pillenbruchstück

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Um eine Pille auf ihren MDMA-Gehalt zu untersuchen, braucht es nicht mehr als einen kleinen Teil. In einem Bruchstück einer lilafarbenen Pille, das jemand im Dezember in Wien abgegeben hatte, wurden neben einem Anteil MDMA, auch sechs weitere psychoaktiven Substanzen wie 3,4-DMMC und Pentedron sowie zwei unbekannte Stoffe gefunden. Leider ist das Aussehen der ganzen Pille nicht bekannt.

Lilafarbene Trump

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Das Gesicht des US-amerikanischen Präsidenten erinnert manche an eine aufgequollene Orange. Kein Wunder, dass Ecstasy-Pillen mit Trump-Kopf meistens orangefarben sind – die MDMA-Testeresultate solcher Pillen sind im Hauptartikel aufgelistet. In Zürich tauchte Anfang Dezember jedoch ein lilafarbener Trump auf. Das DIZ analysierte eine solche Pille auf 186 Milligramm MDMA.

Viele der Daten darüber, wie Menschen Drogen konsumieren, stammen aus dem Global Drug Survey, der weltweit größten Umfrage unter Drogenkonsumierenden. An der aktuellen Ausgabe kannst du dich hier beteiligen, über die Ergebnisse werden wir dann 2019 berichten.

Und wenn du oder deine Freunde schon einmal ambulant behandelt werden mussten, nachdem ihr Drogen genommen hattet, und du mit VICE über diese Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-Mail oder Twitter-DM.

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