Harmony Korines 'The Beach Bum': So verrückt ist das Leben auf Floridas Inseln

Matthew McConaughey zieht auf Key West durch Bars, feiert mit koksenden Papageien und hilft Snoop Dogg beim Drogenschmuggel – und so ist das Leben da wirklich.

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03 April 2019, 3:30am

Foto: bereitgestellt von Neon

Es war erst ein Monat vergangen, seit der Hurrikan Irma mit seiner zerstörerischen Kraft über die floridianische Insel Key West hinweggefegt war. Trotz der schlimmen Naturkatastrophe musste der Kultregisseur Harmony Korine 2017 aber mit den Dreharbeiten für sein neuestes Projekt The Beach Bum anfangen.

"So kurz nach dem Hurrikan wussten wir nicht genau, was wir zu erwarten hatten. Ursprünglich wollten wir irgendwie unsere Unterstützung anbieten, den Leuten helfen", sagt Judd Alison, einer der örtlichen Location-Scouts. Je mehr die Filmcrew der Bevölkerung von Key West dann unter die Arme griff, desto mehr Betroffene lernte sie kennen. "Das waren nicht die Touristen, sondern die 'Conchs', wie wir sie hier nennen." Und so entstand schließlich der Film.

Der Regisseur Korine, der vor allem für seine Arbeit am 90er-Drama Kids bekannt ist, beleuchtet mit seinem aktuellen Film das seiner Aussage nach "kosmische Amerika" und die ganzen Trinker, Degenerierten und Romantiker, die Key West ihr Zuhause nennen.

The Beach Bum, von VICE Studios produziert, läuft seit dem 28. März im Kino. Im Grunde handelt es sich bei dem Film um eine Art überschwänglichen Liebesbrief an die Florida Keys, eine sonnengetränkte dunkle Komödie, in der sich alles um die Widerstandsfähigkeit der dortigen Bevölkerung dreht. Und um den Lifestyle, den auf Key West niemand einfach so aufgeben will. Die ganzen Hausbootbesitzer, die Barkeeperinnen und die Schnapsnasen, das sind für Korine die Conchs.

"Die meisten Leute hier haben sich einfach damit abgefunden, dass Hurrikans zu ihrem Leben dazugehören", sagt David Hawthorne, der Hafenkapitän eines Jachthafens auf Key West. "Sie mögen ihren Lifestyle und machen das Beste draus."

The Beach Bum gilt als Film, der vor allem von seinen Figuren vorangetrieben wird – so als ob Matthew McConaughey von der letzten Szene der ersten Staffel von True Detective direkt in eine Strandbar im Süden Floridas gesprungen wäre. Dort spielt er Moondog, einen in den Tag hineinlebenden Typen, der sich schon frühmorgens mit Rotwein betrinkt und sich im bunt zusammengewürfelten Outfit daran versucht, den nächsten großen Roman zu schreiben. Über seine Figur sagte McConaughey gegenüber dem Magazin GQ: "Moondog macht einfach. Er ist ein Dichter, eine Figur aus einem Bob-Dylan-Song, der sich durch die Vergnüglichkeiten und den Schmerz des Lebens tanzt. Er weiß, dass jede Interaktion nur eine weitere Note in der Melodie seines Lebens darstellt." Solche Sätze könnten auch direkt von Moondog selbst stammen.

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Moondog | Foto: bereitgestellt von NEON

Und dann sind da noch die Figuren (meistens Männer), mit denen Moondog irgendwie zu tun hat. Zac Efron spielt einen gottesfürchtigen Druffi mit Zebrastreifen-Bart und Bluetooth-Headset im Ohr. Snoop Dogg tritt als erfolgreicher Drogendealer auf. Martin Lawrence mimt einen Delfin-Tourguide, der einen kokssüchtigen Papagei als Haustier hält und von Vietnam-Flashbacks geplagt wird, obwohl er nie gedient hat. Jonah Hill ist vor allem auf dem Golfplatz anzutreffen und überzeugt mit starkem Südstaaten-Akzent. Und Sänger Jimmy Buffett spielt sich natürlich selbst.

"Je länger du auf Key West bist, desto mehr registrierst du einen bestimmten Typ Mensch", sagt Harmony Korine selbst. Dort feiere man einen gewissen fehlenden Ehrgeiz und klinke sich am liebsten aus. "Diese Leute wissen genau, wie sie leben wollen", so Korine weiter.

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Zac Efron in 'The Beach Bum | Foto: via IMDb

Im Gespräch mit Location-Scout Alison und seinem Kollegen Jamil Gonzalez wird klar, was Korine meint. Mit den beiden könnte man auf jeden Fall gut auf ein bis sieben Bierchen versacken. "Harmony legt sehr viel Wert darauf, dass alles in seinen Filmen authentisch ist", sagt Alison.

So wie der "Kokosnuss-Typ", der die Location-Scouts im betrunkenen Zustand herumführte, ihnen ein geheimes Aloe-Vera-Beet zeigte und die Heilkräfte der Pflanze direkt demonstrierte, indem er sich die Blätter übers Gesicht rieb. Oder das ältere Schwarze Christenpärchen – laut Gonzales Nachfahren der ersten Schwarzen Siedler in der Gegend –, das überhaupt kein Problem damit hatte, dass das eigene Haus für die Dreharbeiten in ein Bordell verwandelt wurde. Oder der Besitzer des Bootes "Well Hung" [auf Deutsch so viel wie "da unten gut bestückt"], das Moondog im Film betritt, und auf dem sich im echten Leben ein kleines Hotel befindet. "Da haben wir nur den Namen geändert", sagt Alison. "Aber vielleicht heißt sein Boot jetzt auch dauerhaft so."

Bei den vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten in The Beach Bum kann man schnell durcheinanderkommen. Dabei geht es in dem Film genauso viel um den Ort und die dazugehörige Atmosphäre wie um die Menschen. Beides kann man nämlich nicht erklären, ohne das jeweils andere zu erwähnen. In The Beach Bum wird dieser Umstand natürlich etwas überspitzt dargestellt – auch wenn Korine behauptet, bei den Dreharbeiten beobachtet zu haben, wie ein Mann mit Delfinen sprach.

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Foto: via IMDb

"Wir hielten vor allem nach Orten Ausschau, die etwas versteckter sind", sagt Korine. "Außerdem waren wir nicht nur auf Key West unterwegs, sondern auch auf anderen Keys." Insgesamt sei die Inselgruppe einzigartig, so Location-Scout Alison: "Neben den Touristenmassen hat man hier auch die Aussteiger und die Ausgestoßenen. Stell dir vor, du hast nichts mehr, bist pleite und willst es als Künstler schaffen. Da kannst du das Ganze doch auch im Paradies versuchen."

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