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Wurden prähistorische Marsbewohner von atombombenwerfenden Aliens ermordet?

Die besten Wissenschaftler des Internets glauben an formschöne Theorien, wie die eines extraterrestrischen „atomaren Holocaust“ auf dem Roten Planeten. Wir haben das mal untersucht.
28.11.14
Bild vom Autor bearbeitet. Original: NASA & Department of Energy

Soweit wir das von hier beurteilen können, ist der Mars eine recht einsame Wüste ohne offensichtliche Spuren von Leben. Es könnte durchaus Mikroben auf dem roten Planeten geben, aber ich denke, wir können mit einiger Sicherheit sagen, dass es dort oben keine fortschrittliche Zivilisation gibt. Doch das muss nicht immer so gewesen sein. Beherbergte der Mars einst eine lebendige Kultur, die vielleicht sogar fähig zu einem nuklearen Erstschlag war?

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Fragen wir doch mal einige Verschwörungstheoretiker und beginnen mit der Beweisführung von Andrew, der für die wunderbare Argumentation auf seinem YouTube-Kanal UFO Sightings Cape Town verantwortlich ist:

„Es gibt tatsächlich Ruinen hunderter Gebäude in Panoramaaufnahmen der NASA. Was ging damals tatsächlich auf dem Mars vor? War es ein nuklearer KRIEG oder waren es Asteroidenschläge? Faktisch ist es doch so, dass es an vielen Ecken auf dem Mars humanoides Leben gibt." Eindrückliche Statements, die er in einem seiner YouTube-Videos mit Bildern von „Gebäuderesten" imposant präsentiert.

Andrew vertritt sicher eine der extravaganteren Verschwörungstheorien, die durch unser Universum schwirren. Mit seinem Glauben an die Existenz einer prähistorischen Marszivilisation, die durch einen Nuklearschlag vernichtet wurde, ist er allerdings nicht allein. Und er hat sich die Idee auch nicht alleine ausgedacht.

Eine weitere Verschwörungstheorie spekuliert, dass es einen „atomaren Holocaust" auf dem Mars gegeben haben muss, der irgendwie mit der Bundeslade in Verbindung stehen muss. Bild (Screenshot): ​Arkcode.com

Die Grundlage vieler seiner „Gedankengänge" finden sich in Robin Collyns 1976 veröffentlichtem Did Spacemen Colonize the Earth? Collies erklärte auf dieser Basis noch einmal genau, warum es zu atomaren Explosionen auf dem Mars gekommen sein muss:

„Eine nukleare Detonation auf dem Mars, die nicht absichtlich verursacht wurde, ist kaum vorstellbar. Sie wurde äußerst wahrscheinlich durch bauliche Vorhaben verursacht. Deshalb kann die Beobachtung nuklearer Aktivität auch als ein Beweis für die Existenz intelligenten Lebens auf dem Mars gelten."

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Warum genau es zwangsläufig einen Zusammenhang zwischen intelligentem Leben und bewusst verursachten atomaren Detonationen gibt, erläutert Collyns leider nicht weiter. Es lassen sich jedoch auch diese unterhaltsamen Theorien und Pseudo-Akademiken noch toppen: John Brandenburg, ein promovierter Plasmaphysiker, der lange Zeit eine verhältnismäßig normale wissenschaftliche Karriere hingelegt hat, gibt seiner akademischen Reputation mit aufregenden Theorien einen interessanten Schub. Er erforscht ausgiebig auf welche Weise das Leben auf dem Mars von Nuklearwaffen zerstört wurde—möglicherweise absichtlich.

„Wurde der Mars ermordet?" spekuliert er in ​einem seiner Bücher.

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In einem Interview mit dem obskuren Fernsehsender „Supreme Master Television", der von dem Kult der Supreme Master Ching Hai International Association betrieben wird, merkt Brandenburg an, dass auf dem Mars sogar zwei humanoide Zivilsationen lebten: Cydonia und Utopia erreichten dabei ein technologisches Level, das mit dem des alten Ägypten vergleichbar ist.

Und was besiegelte das Schicksal dieser Marsmenschen? Atomwaffen, sagt Brandenburg.

„Zwei große Katastrophen ereigneten sich auf dem Mars" erklärt er bei Supreme Master TV und deutet dabei auf die Utopia Zivilisation auf der Karte. „Eine Katastrophe ereignete sich hier, und dann gab es noch den Einschlag eines Asteroiden da drüben. Cydonia liegt unmittelbar zwischen diesen beiden Punkten. Das ist wirklich erstaunlich. Warum sollten so viele grausame Dinge in ein und demselben Gebiet passieren, in dem sich auch noch archäologische Artefakte finden lassen?"

Diese Ausführungen stammen aus dem Jahr 2011. Seit dem ist Brandenburg zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei den Unglücken um Atomwaffen und möglicherweise „natürliche" atomare Detonationen gehandelt haben muss. Zu den Ursachen der „natürlichen" nuklearen Detonationen vermutet er besondere kosmische Ereignisse, beispielsweise ein Asteroid, der auf radioaktives Material getroffen ist. Inzwischen hat er seine Thesen jedoch noch einmal ein wenig aktualisiert.

Am vergangenen Wochenende hat Brandenburg seine neuesten Ergebnisse auf einer ​Veranstaltung der American Physical Society präsentiert. Angeblich belegen seine Ergebnisse, dass es nukleare Explosionen auf dem Mars gegeben habe. Außerdem liegen diese Erkenntnisse im Einklang mit den atomaren „Detonationssalven", weshalb der auch keine natürliche Ursache geben könnte. In einer Erklärung, die er mir per E-Mail zugesandt hat, schreibt Brandenburg außerdem, dass seine Daten zu den Informationen über „gemischte Fusionsspaltungen passen".

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Es sollte darauf hingewiesen werden, dass die ​Vorträge von renommierten Forschern bestritten werden, die im Feld der experimentellen Teilchenphysik arbeiten. Ich muss zugeben, dass es auf mich durchaus bizarr wirkt, dass Brandenburg (dessen Untersuchungen nicht peer-reviewed zu sein scheinen) auf einer gemeinsamen Bühne mit solchen Wissenschaftlern auftritt.

Die Theorie Brandenburgs erklärt, was in Folge der Explosionen passierte. Bild: ​ Journal of Cosmology and Astroparticle Physics

Doch lassen wir ihn die Thesen in seinen eigenen Worten erläutern. Hier ein Ausschnitt aus seinem Text der im Journal of Cosmology and Astrophysics veröffentlich wurde, in dem erst kürzlich eine Untersuchung über den Big Bang als Hologram erschien:

„The high concentration of Xenon-129 atmosphere, the evidence from Krypton-80 and the detected pattern of excess abundance of Uranium and Thorium on Mars surface, relative to Mars meteorites, first seen by the Russians and now confirmed by the Mars Odyssey Spacecraft Gamma Ray Spectrometer, mean that the surface of Mars was apparently the site of massive radiological events, which created large amounts of signature isotopes and covered the surface with a thin layer of radioactive debris enriched in certain elements relative to its subsurface rocks. This pattern of phenomenon can be explained as due to two large anomalous nuclear explosions on Mars in the past."

Die Grundzüge dieser Theorie lesen sich bis zum letzten Satz so, als würde sich ein Forscher einen Wolf erklären, weil irgendetwas Eigenartiges auf dem Mars passiert ist. Die These einer natürlichen atomaren Explosion auf dem Roten Planeten ist ja ​sogar von der NASA noch nicht komplett ausgeschlossen worden.

In der letzten Zeile jedoch verweist Brandenburg auf quasi-wissenschaftliche Ergebnisse, nach denen die Detonationen besondere Anormalitäten darstellten und nicht natürlichen Ursprungs seien. Falls das immer noch nicht eindeutig erklärt, wo die Reise hingeht, möchte ich euch noch einmal auf den Titel seines kommenden Buches hinweisen: Death on Mars: The Discovery of a Planetary Nuclear Massacre

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Auch die Conclusio seines Papers, das er mir als Vorabversion übersendet hat, spricht wahrhaftig für sich, weshalb ich es euch in seiner ganzen unübersetzten Schönheit nicht entgehen lassen will:

Given the large amount of nuclear isotopes in Mars atmosphere resembling those from hydrogen bomb tests on Earth, Mars may present an example of civilization wiped out by a nuclear attack from space.

It is possible the Fermi Paradox means that our interstellar neighborhood contains forces hostile to young, noisy, civilizations such as ourselves," he added. "Such hostile forces could range from things as alien as AI (Artificial Intelligence) 'with a grudge' against flesh and blood, as in the movie Terminator, all the way to things as sadly familiar to us as a mindless humanoid bureaucrat like Governor Tarkin in Star Wars, eager to destroy planet Alderann as an example to other worlds.

Abschließend sollte noch einmal darauf hingewiesen werden, dass kein allgemein angesehener Wissenschaftler diese Theorie bisher als glaubwürdig eingeordnet hat—auch wenn ihr das nun vermutlich wirklich nicht mehr glauben wollt.

Doch zumindest im Internet lassen sich unwiderlegbare Beweise finden, die zeigen, dass Brandenburgs frühere Theorien bereits ​eindrückliche Spuren hinterlassen haben, und auf Seiten wie Mysterious Universe oder Above Top Secret gehörig ​Eindruck schinden.