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Trotz härterer Strafverfolgung kaufen immer mehr Menschen ihre Drogen im Darknet

Die Ergebnisse einer weltweiten Umfrage legen nahe, dass Darknet-Marktplätze trotz polizeilicher Ermittlungserfolge in den meisten Ländern immer stärker zum Drogenkauf genutzt werden.
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Bild: Flickr | Tanjila Ahmed | CC BY 2.0

Nicht nur das FBI, auch die deutsche Polizei ergreift seit längerem außergewöhnliche Maßnahmen, um sowohl Verkäuer als auch Käufer von Drogen im Darknet zu überführen. Es wurden ganze Server aufgespürt und beschlagnahmt und auch über die Post wurden schon so mancher Darknet-Drogenhändler ausfindig gemacht, genauso wie einzelne Kunden—selbst für ein paar Gramm Gras.

Laut einer vor kurzem veröffentlichten Studie der Global Drug Survey (GDS) 2016 kaufen Konsumente ihre Drogen trotzdem häufiger als je zuvor im Darknet.

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„Trotz all der Eingriffe durch die Strafverfolgungsbehörden und ihrer erfolgreichen Ermittlungen und sogar trotz der vielen Exit Scams (bei denen Online-Dealer ihre Kunden noch mal richtig abzocken, bevor sie spurlos verschwinden), nutzen die Leute immernoch Darknet-Seiten, um an Drogen zu kommen", so Monica Barratt, Mitarbeiterin des GDS-Kernteams, gegenüber Motherboard.

Weltweit gaben sogar mehr Leute als in den vorigen Jahren an, im Darknet illegale Drogen zu kaufen. In einigen Ländern ist die Beliebtheit der von Darknet-Marktplätzen dabei besonders stark angestiegen.

„In den vergangenen drei Jahren konnten wir eine bestimmte Tendenz beobachten; Gegenüber den meisten anderen Ländern haben in den nordischen Ländern wie beispielsweise Schweden deutlich mehr Leute berichtet, im Darknet aktiv zu sein", sagte Barratt, die auch am National Drug and Alcohol Research Centre an der UNSW Australia forscht.

„Es gibt dort definitiv diesen Aufwärtstrend, der ebenso in fast allen anderen Ländern außer Australien und Neuseeland zu erkennen ist", fuhr sie fort.

Insgesamt gaben 8.058 von 101.313 (acht Prozent) Befragten der GDS-Studie an, ihre Drogen schon mal aus dem Darkent bezogen zu haben. Gegenüber dem Vorjahr sei diese Zahl deutlich gestiegen und vier Mal so hoch wie noch vor zwei Jahren, erklärte Barratt.

Weitere Erkenntnisse der Umfrage zeigen, dass ein Großteil derjenigen, die sich ihre Drogen aus dem Darknet besorgen, nicht selbst über das Tor-Netzwerk im Darknet aktiv sind und dort Bitcoins ausgeben; stattdessen kauft jemand anders die Drogen für sie.

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„Einundvierzig Prozent der gesamten Gruppe hat selbst noch nie in einem der Darknet-Schwarzmärkte eingekauft", so Barratt. Sie erklärte, dass die Leute manchmal in Gruppen einkauften, und nur eine Person sich um die technischen Details der Drogenbeschaffung kümmere. Zudem geht aus den in der Umfrage gemachten Angaben hervor, dass die Mehrheit der Darknet-Nutzer ihre Drogen nur von einem Anbieter gekauft hat.

Laut der Ergebnisse waren MDMA und Cannabis die am häufigsten gekauften Drogen im Darknet. Dies spiegelt weitgehend die Ergebnisse aus früheren Studien wieder, in denen unter anderem die Verkaufszahlen diverser Darknet-Märkte aufgeführt wurden.

Das Darknet ermöglicht es den Nutzern auch, an Drogen zu kommen, die sie sich normalerweise auf anderen Wegen nicht beschaffen könnten. „Neunundsiebzig Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine bestimmte Art von Drogen das erste Mal nach einem Kauf im Darknet ausprobiert haben", berichtete Barratt.

In der GDS-Umfrage wurde den Teilnehmern eine Reihe von Fragen über ihren Drogenkonsum und ihre Beschaffungspraktiken gestellt, außerdem wurden demografische Daten erhoben. Dennoch hat dieser Ansatz seine Grenzen; es liegt nahe, dass diejenigen, die an der Umfrage teilnehmen, ein besonderes Interesse für Drogen haben. Dadurch können die Ergebnisse nicht als repräsentativ für die gesamte Bevölkerung eines Landes angesehen werden.

Sie liefern jedoch einen Einblick in die Gewohnheiten der Menschen, die anderen in Bezug auf die Praktiken der Drogenbeschaffung voraus sind.

„Wenn man bedenkt, dass vor allem junge und stärker aktive Drogenkonsumenten an der GDS-Umfrage teilnehmen, können wir anhand der Ergebnisse neue Trends erkennen, bevor sie in der Allgemeinbevölkerung Eingang finden", so die Schlussfolgerung im Bericht.

Klar ist derweil, dass sich Nutzer weiterhin über das Darknet Drogen beschaffen werden.

„Sie sind dabei sehr erfolgreich, selbst in diesem unbeständigen Umfeld", so Barratt.