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Warum empfinden wir Mitleid, wenn der Boston Dynamics-Roboter geschlagen wird?

Immer wieder vermenschlichen wir Objekte ohne Bewusstsein.

von Rachel Pick
25 Februar 2016, 3:18pm

Am Dienstag haben die Ingenieure des Roboter-Labors Boston Dynamics ihren neuesten Roboter vorgestellt. Das Video ihrer jüngsten Schöpfung wurde in nur zwei Tagen über sieben Millionen mal angeschaut und rief weltweit von Schadenfreude über Angst vor dem Roboteraufstand bis hin zu Faszination für die ingenieurtechnische Meisterleistung unterschiedlichste menschliche Reaktionen hervor.

Boston Dynamics arbeitet bereits seit einiger Zeit an ihrem zweibeinigen Atlas-Roboter. Die neueste Version ist das bisher beeindruckendste Modell—vor allem, was seine Fähigkeit angeht, sich eigenständig nach einem Sturz aufzurichten.

Doch so wenig menschlich Atlas auch aussieht, seine Missgeschicke in dem Video lösen eine überraschende Vielfalt an Emotionen aus. Während Atlas über schneebedecktes, unebenes Gelände schwankt, jubeln wir vielleicht, wenn er sich gerade noch vor einem Sturz bewahrt. Doch als die Ingenieure Atlas absichtlich zu Boden schubsen, empfinden nicht wenige ein eigenartiges Unbehagen, ob des Mensch-Maschine-Konflikts—und ja, manch einer empfindet auch ein wenig Mitleid mit unserem metallenen Freund.

Die Boston Dynamics-Entwickler stellten Atlas auch die Aufgabe, eine Kiste aufzuheben, woraufhin ihm ein fieser Techniker mit einem Hockeyschläger (das hier ist immerhin Boston) die Kiste aus den Händen schlägt und sie immer wieder aus der Reichweite des Roboters schiebt.

All diese Gemeinheiten führen die Ingenieure nur vor, um zu zeigen, wie Atlas sich selbst korrigieren, sich von Stürzen erholen und bei der Umsetzung seiner Aufgaben hartnäckig bleiben kann. Doch die menschliche Tendenz, Objekte ohne Bewusstsein zu vermenschlichen ist so stark, dass sie unser logisches Denke beizeiten außer Kraft setzt. Ingenieure treten Roboter in schöner Regelmäßigkeit, um zu demonstrieren, wie diese sich aufrichten können, und es fühlt sich immer ein wenig grausam an. Das menschliche Gehirn hat einfach die seltsame Tendenz, gewisse Gegenstände zu bemitleiden, auch wenn diese Eigenschaft bei manchen ausgeprägter ist als bei anderen.

In der letzten Einstellung im Video von Boston Dynamics sehen wir Atlas, wie er eine Tür öffnet und alleine das Testgebäude verlässt. Obwohl Atlas eine Ansammlung von Motoren, Metall und Kunststoff ist, sieht das menschliche Auge eine Filmszene vor seinen Augen. Fast scheint der Bot zu sagen: „Scheiß' auf all das hier, ich bin raus."

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