Gottesdienst

Hermes Phettbergs Mai

Hermes feiert Hexensabbat. Und die Wahl. Und will Sir eze heiraten.
31.5.16
Bild: Kurt Prinz

Hermes Phettberg ist Teil der MUNCHIES Regulars, jeden Monat erscheint eine gekürzte Fassung seines Tagebuches auf dieser Seite. Die Langfassung kann man hier lesen, ein Portrait über ihn hier.

D I E N S T A G: 24:5:2016 18:29

Mo: 23:5:16 vom „Steman": Speckknödelsuppe, gebackene Pilze, Erdäpfel, Sauce Tartare, grüner Salat.

Alexander Van der Bellen wurde am Montag, 23:5:2016 um 16:44 Uhr zum nächsten Bundespräsidenten Österreichs verkündet! „Mein" Sir ist jetzt so gehupft, dass ich fürchten muss: Der Fußboden bricht z'samm!

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Gottseidank gehört Österreich keinesfalls zu den rechten Staaten der EU.

Als ich heute in der Früh aufkam, regnete es in Gumpendorf „Schusterbuben" (das ist eine bestimmte Art von Maikäfern). Und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, es seien Jeansboys, die halt damals Schusterbuben geheißen haben, und war schon ganz „im geistigen Saft". Der „Gschwindl"-Mann kam elegant und hilfsbereit in Bluejeans mit seinem Regenschirm und versuchte, mich trocken zu halten.

Futter des Dienstags: In Mamas Eierspeisreindl brät mir heute NAC-HI Hirn mit Ei!

Während die Sonne mir auf den nackten Oberschenkel strahlt, glühe ich vor Glück: „Mein" Sir eze managte, dass ich am Mi: 25:5:16, also „morgen", um 18:30 Uhr „Klartext" mit Kanzler Kern und Vize Mitterlehner im Ö1-Funkhaus mit einatmen darf!

Mein elender Leib webte mich stockschwul (= Männer vergötternd!). Doch dann entschied Gott, der Herr, Sir eze zu mir zu schicken. Und seitdem dieser Gottesbeweis (göttliches Wunder) geschah, muss und will ich unbedingt Sir eze in der Laurenzipfarre Unternalb heiraten!

Gottseidank hat die katholische Kirche eine totale Sexhemmung und es wird daher kein Problem geben, wenn ich vor Gott und der Welt gestehe, dass ich schon lange keine Erektion bekomme. Ab und zu gerät mir im Traum eine Spur von Erigierung, doch laut Tex Rubinowitz gilt das nie und darf nicht mitgerechnet werden. Eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten hab' ich schon eingesammelt als circa ein Dutzend Trauzeugen. Ich muss noch unbedingt berichten, dass ich ohne Sir eze überhaupt nix mehr handhaben könnte.

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Geträumt hab' ich von gestern auf heute, Mittwoch (24:5:16): Ich bekam ein kleines viereckiges Kästchen mit vielen Knöpfen, womit ich überallhin mich melden kann. Quelle: Kurt G. (der „Albaner") schickte mir vorgestern eine Mail aus der Steiermark, dass viele Parteien sich neu eröffnen wollen. Doch ich kann nirgendwo mehr mitmachen. Ich könnte nur sexuell was machen, wo mein sexuelles Scheitern bewiesen werden müsste. Und das andererseits wär' mir sogar sehr recht, damit zu beobachten wäre, wie schnell das sexuelle Glück zu Ende geht.

Das größte Glück, das mich erreicht: Wenn Jeansboys sich herzeigen!

Mi: (25:5:16): „Futter" vom „Steman": Leberreissuppe, Gnocchi mit Spinatobers und Parmesan.

M I T T W O C H: 25:5:2016: 22:19:

Viel schwerer steht in der Früh Sir eze auf als ich. Die Natur ließ mich daher entdecken, wie ich dem Sir in der Früh aufhelfe. Wenn der Sir bei mir nächtigt, liegen Sir und ich in der Länge nach hintereinanderstehenden Betten, wenn ich mich recke, erreiche ich mit meinen Fingern gerade noch die Haare des Sirs. Und es gefällt ihm, wenn ich ihn auf diese Weise erwecke. Er beginnt, subtil zu lächeln und ergreift von hinten herum meine Finger, und wir geben uns dann so zeremoniell die Hand, sagen „Guten Morgen, Sir!" Sir eze schläft weiter, und ich höre mir das Morgenjournal an. Wenn ich diese Zeremonie zwei- oder dreimal abhalte, beginnt auch der Sir schön langsam zu erwachen. Und ich kann ihm die Gestionsprotokolle ansagen.

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Gestern hatte ich eine Unmenge Eiweiß gegessen (Hirn mit Ei, von NAC-HI allerfeinstschmeckend gebraten), Hirn und Bries stammten von der „Fleischerei Ringl", und die zwei Eier stammten vom Unternalber Gutshof, gewürzt hatte er es mit Cayenne-Pfeffer.

Am Heimweg hatten wir nur noch 10 Euro in der Tasche. Ich kann aber erfolgreicher jammern und der Sir führte mich schnurstracks mit dem Rollstuhl ins Wirtshaus „Sokrates", Wien 4., Wiedner Hauptstraße 60b. Sir eze rannte, wie immer, vor, bestellte mir, dem hungernden Jammerer, einen gebratenen Wolfsbarsch mit Haut und Gräten und Erdäpfeln und grünem Salat als Nachtmahl. Ich hatte keinen Genierer und ließ eze daneben sitzen mit einem leeren Glas Wasser. Das Bronzegesicht des Sokrates, das im „Sokrates" stand und unter dessen Angesicht ich den Wolfsbarsch verschlang, sah mir verdammt ähnlich. Wie kann ich eze heiraten, ohne dann in der Hölle zu braten, wie der heilige Laurentius??? Die der Diskussion lauschenden Gäste bekamen anschließend Orangensäfte oder Sekt. Die vielen Jünglinge, die als Kameramänner und Photographen herumfuhren, betörten meine Augen mit ihren schönen Körpern.

S A M S T A G: 28:5:16: 07:50:

In der Früh hab' ich heute plötzlich die Erinnerung an etwas ganz Schlimmes in meiner Kindheit: Entweder geschah das in meiner ersten oder in meiner zweiten Volksschulklasse, da bekamen Eltern ein Kind, das sie adoptieren wollten, zugewiesen, und dieser Sohn plauderte das voller Stolz in der ganzen Klasse herum. In der Pause kam ich ins Gespräch mit Direktor Schwingenschlögl und erzählte ihm das voller Freude ebenfalls. Dann ging der Unterricht weiter und ich merkte GAR NICHT, alle Kinder gingen dann am Ende der Stunde den Hügel hinunter, und ich merkte noch immer GAR NICHT, merkte auch nicht, dass alle andern Buben begannen, sich fern von mir zu halten, dort ist nämlich eine Ecke zum Pfarrhof hinauf, und da versammelten sich alle anderen Buben, und als wir Kinder dann den zweiten Hügel, der in den Unternalber Pfarrhof hinaufführte, erreichten, standen alle Buben mit heraushängendem Schwanz, es waren circa sieben, acht Knaben, und alle zielten wie auf Kommando urinierend auf mein Gesicht. Ich wagte nichts davon meinen Eltern zu erzählen. Und in diesem Zustand leb' ich bis heute. Wieder kommuniziert kein Mensch über „MEIN" brennendes Thema, den Sadomasochismus.

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Ich muss mich einfach aufs Sterben vorbereiten, kann nix mehr bewirken!

M I T T W O C H: 18.5:2016: 08:20:

Dann träumte ich wieder von Soldaten, die in engsten Hosen bekleidet waren und sich immer stramm verhielten. Egal, ob sie lagen oder standen, es war alles stramm und glatt. Dieser Traum gefiel mir sehr, sehr, sehr!

D I E N S T A G: 10:5:2016: 20:07:

Das „VICE-Magazin" schickte mir in der Tat die April-Ausgabe (Vol. 12, Nr. 1, S. 94) in mein Postfach 535. Ich werde meine Witzigkeit für das „Nam Nam" photokopieren, dass es sich auch freuen kann. Es schaut so aus, wie wenn das „VICE-Magazin" meine Jammerei in jeder Ausgabe erscheinen lassen will. JUHU JUHU JUHULIA! Die Wiener Version mit dem Titel „Fleisch-Magazin" (Nr. 37, Heft 1/2016, S. 79 und S. 81) bringt mich nur als Photographie in der Abteilung „Narren". Ich bin ja wahrlich ein großer Narr, mein Leben lang alleinstehend.

Evangelium des Pfingstsonntags, Lesejahr C: „…, wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert." (Joh. 20,19-23)

Ich kann mir nicht vorstellen, wenn ein Mensch von Herzen bittet, ihm doch nicht böse zu sein, dass da ein darum Gebetener ihm die Vergebung verweigert.

Wenn jetzt das Wiener „Fleisch-Magazin" mich unter der Kategorie „Narrenhäusler" subsummiert, freu' ich mich trotzdem, denn mein Name ist richtig geschrieben, und einmal vor vielen Jahren brachte die Wiener Wochenzeitung „Die ganze Woche" mich als Dorfdepp von Unternalb. Und wenn heute soetwas über mich steht, dann freu' ich mich, weil ich erwähnt werde und in Erinnerung bleibe.

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D O N N E R S T A G: 12:5:2016: 09:34:

In der Sekunde trat folgende Komödie in mein Sein ein: Renate Schweiger, meine treueste Begleiterin durch meine Irrigkeit seit vielen Jahren, sammelt alles, was nur geht über meine Irrigkeit in ihrer winzigen Wohnung, und ich will ihr eine Photokopie schicken vom Berliner „Laster"-Magazin („Vice"), und wollte ihr dazu folgenden Brief schreiben, damit sie weiß, was ich ihr da schicke:

„Herzliebe Renate, die Berliner Version des „Fleisch"-Magazins heißt „Laster" („Vice"). Ich kenn' mich ja selber nicht g'scheit aus, aber ich schicke jedenfalls beiden Redaktionen, und dem Wiener „Augustin", meine Internetjammereien („Gestionsprotokoll"). Und alle können daraus sich löffeln, was sie wollen, Hauptsache, sie schreiben meinen Namen richtig. Ergebenst, Dein elender Hermes Phettberg".

Aber es ist äußerst schwer für mich geworden, auf Papier etwas niederzuschreiben. Also sagte ich meinen Brief an Renate Schweiger „meinem" Sir eze an und der tippte ihn in seinen Computer.

RED LETTERDAY: S O N N T A G: 1:5:2016: 15:50

Als ich dann in meinem heutigen Gestionsprotokoll das Wort „Unzucht" zitieren wollte, schlugen mich alle Polizistys Österreichs zu Tode. Nur der Schweizer und göttliche McGoohan hatte die Weisheit, indem er mir das Wort „Unzüchtigkeit" einschenkte, mich zu retten. Denn in der Schweinefleischfrage wurde auch das Blut zur „Blutwurst" verarbeitet und nix ess' ich lieber als Blutwürste. Ich denke nie daran, Unzucht mit Kindern zu treiben, aber ich treibe sehr wohl und sehr gern Unzucht mit Männern, es lässt mich ja eh niemand mehr je … Unmengen Kondome werden mir geschenkt, doch ich kann sie nicht gebrauchen, denn ich bin 63 und habe drei Schlaganfälle, meine Libido ist gleich Null.

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Gemäß „meiner" guten Tradition war ich gestern (Sa: 30:4:2016) vor dem Chinarestaurant „Chinatown" in Wien 7., Burggasse 67, Hexensabbath feiern, um meiner „Mission" zu folgen, wurde aber inzwischen informiert, dass es ein sehr raffiniertes Lokal gibt, das zwei verschiedene Namen hat: erstens „Marktwirtschaft" („Hausverstand, ja natürlich"), und zweitens nennt es sich: „Die Liebe". Darum übersiedelte ich ums Eck, um dort Hexensabbath zu begehen. Nicht vergessen: Die Hexen haben ab 1. Mai Pause. Und dürfen erst wieder zu Halloween, in der Nacht von 31. Oktober auf 1. November, in ihr Winternest. Einer meiner emsigsten Followys, der Zauberprofessor Moritz Kienesberger, schob mich mit dem Rollstuhl vom „Chinatown" in „Die Liebe", aber ich darf dort nie wieder hin, weil ich kann mir „Die Liebe" nicht leisten. Gestern gab's als „Blind Date"-Überraschung ein doppelstöckiges Gartensandwich mit Weißwurst, Sauerkraut und Salzstangerl. Und Sir eze kaufte mir sogar Austern. Und als Dessert Schokolade-Kokos-Passionsfrucht-Creme. Das Raffinierte an „Die Liebe" & „Hausverstand" & „Marktwirtschaft" ist, dass sie ungefragt eine Milchkanne mit einer Flasche burgenländischem sehr guten Weißwein auf den Tisch stellen. Und dann mussten alle ihr Geld zusammenlegen, um nicht wegen Zechprellerei hinausgeschmissen zu werden. Alle „Diener" des Lokales sind so fesch, schön, jung und schlank … Die Leute, die sich ewig disziplinieren, nix fressen, brauchen auch weit und breit keine Stricher und keine Huren, geschweige denn eine Hochschule darob! Mein unglaublich edler Sir eze entdeckte im Internet, dass es seit Jahren einen Diversitätsball im „Kursalon im Stadtpark" (vormals Hübner) immer am 30. April gibt. Als Ballgeschenk gab's zum Abschied ein schwarzes Leinensackerl mit der traumhaften Aufschrift: „TRÄGT ALLES AUSSER VORURTEILE."

Es gab dann im obersten Stock des Ballortes eine Art Party von Gehörlosen, die waren alle so schlank und so schön und so kommunikativ, es gab dann auch eine Laser-Show, wo die Leute unsichtbar gemacht wurden und nur mehr ihre bunten Laser-Zeichen sehen ließen.

Roman & Markus irritiert, dass ich all meine erhaltenen Briefe und Antworten gestioniere. Ich will aber alles, was mich einfängt und meine Reaktionen darauf, festhalten, das heißt, gestionieren. Alles Leben ist ja Reaktion. Und ich freu' mich über jede Kommunikation, denn die treibt mich zum Widersprechen bzw. Reagieren.

Heute briet mir Sir eze zwei Käsekrainer mit Spargel, Senf und Kren. Und dazu gab es Dinkelbrot. Ich muss aber gestehen: Um das zweite Käsekrainer musste ich mich zu Tode raufen, denn Sir eze wollte mir auf keinen Fall zwei Käsekrainer braten und hätte mir deshalb gerne Indianerbohnen angeboten. Doch Indianerbohnen und Käsekrainer sind kein wirklicher Vergleich???!!!!!!!

Morgen gibt es vom „Steman" Eintropfsuppe, in Sur eingemachtes Wiener Schweinsschnitzel mit Erdäpfelsalat. Das Schweinefleisch, egal ob Schnitzel oder Braten oder Käsekrainer, wird uns alle zu Tode mästen. Fleisch ist außerdem viel, viel billiger als jede Art von Gemüse, das ist ein Skandal! Wo all die Fliehenden jetzt sind, wüsste ich gerne. „Ö1" ist scheinbar so fest in einer ordnenden Hand, denn alle Parteien wollen ihre Süppchen warmhalten.