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Gesundheit

Dicke Kinder sind ein fettes Problem

Nur Babyspeck? Weit gefehlt: 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind übergewichtig oder fettleibig. Das sind erschreckende 6,1 Prozent aller Babys und Kleinkinder auf der ganzen Welt.

von Alex Swerdloff
29 Januar 2016, 9:30am

Foto von David Goehring via Flickr

Wie die WHO berichtet, sind 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig oder fettleibig—6,1 Prozent aller Kinder weltweit. Das ist ein drastischer Anstieg im Vergleich zu den 90er Jahren, als in derselben Altersgruppe 31 Millionen Kinder, also noch 4,5 Prozent, von Übergewicht oder Adipositas betroffen waren.

Diese erschreckenden Zahlen hat die WHO-Kommission für Fettleibigkeit bei Kindern in ihrem neuesten Bericht veröffentlicht. In Ländern mit unterem oder mittlerem Einkommen hat sich die Zahl der Kinder mit extremen Gewichtsproblemen innerhalb von zehn Jahren von 7,5 Millionen auf 15 Millionen verdoppelt. Wie es im Bericht heißt, „leben in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen mehr übergewichtige oder fettleibige Kinder als in einkommenstarken Ländern." Bei letzteren ist „das Risiko für Kinderfettleibigkeit in sozioökonomisch schwach gestellten Gruppen am höchsten."

Am schlimmsten scheint die Situation auf dem asiatischen Kontinent zu sein. Hier lebt fast die Hälfte aller fettleibigen oder übergewichtigen Kinder; in Afrika lebt ein Viertel.

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Die WHO-Experten fordern ein stärkeres Engagement seitens der Politik, um dieses Problem erfolgreich zu bekämpfen, denn die Staaten seien „moralisch dazu verpflichtet". Peter Gluckman, Co-Vorsitzener der Kommission, bezeichnete dieses Problem als einen „explodierenden Albtraum", insbesondere in den Entwicklungsländern.

Doch was sind die Ursachen für diese Entwicklung? Gluckman meint, dass „ein zweijähriges Kind nicht allein daran schuld sein kann, dass es dick und faul ist und zu viel isst." Die Kommission meint, dass sich dieses Problem schon vor der Geburt des Kindes entwickelt. Wenn eine Frau, die übergewichtig ist oder Diabetes hat, schwanger wird, dann wird das Kind mit höherer Wahrscheinlichkeit an einer Stoffwechselkrankheit leiden und schneller fettleibig werden. Die Autoren meinen: „Die Tendenz eines Kindes, Übergewicht zu entwickeln, kann bereits durch Faktoren vor der Geburt beeinflusst werden, sodass damit mehr Kinder Adipositas entwickeln könnten, es sei denn, sie ernähren sich gesund und bewegen sich ausreichend."

Wie kann man also verhindern, dass alle Babys irgendwann aufgehen wie Hefeklöße? Die Kommission hat einige Empfehlungen parat, zum Beispiel eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke, wie sie kürzlich in Mexiko eingeführt wurde. Außerdem plädieren sie für ein weltweites und einheitliches Kennzeichnungssystem für Nährstoffe, das einfach und verständlich ist. Des Weiteren benötigen Kinder unter fünf vor allem ausreichend Schlaf und Bewegung.

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Gluckman fordert, „eine enge Zusammenarbeit der Regierungen mit der WHO, damit umfassende Maßnahmen gegen die Ursachen der Fettleibigkeit und des Übergewichts eingeführt werden können, sodass Kindern ein gesunder Start ins Leben ermöglicht wird."

Die Kommission betont zudem, dass die derzeitige Gewichtsentwicklung „die verbesserte Gesundheit der Menschen und die daraus resultierende höhere Lebenserwartung zunichte micht." Das liegt daran, dass viele „der betroffenen Kinder auch im Erwachsenenalter an Adipositas leiden—mit schweren gesundheitlichen und finanziellen Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft insgesamt."

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