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Restaurant Confessionals

So fühlt es sich an, von einem Gast begrapscht zu werden

Wenn mir all die Dinge, die ich in der Bar über mich ergehen lassen musste, auf der Straße passieren würden, hätte ich unglaublich Angst.
10.2.15
Photo via Flickr user Daniel Hoherd

Willkommen zu den Restaurant Confessionals, wo wir den Leuten aus der Gastronomie eine Stimme geben, die ansonsten viel zu selten zu Wort kommen. Hier erfährst du, was sich hinter den Kulissen in deinen Lieblingsrestaurants so alles abspielt.

Ich gehe direkt von meinem Bürojob zu meinem Barjob, also trage ich immer genau das in der Bar, was ich auch im Büro trage. Ich habe einen wohlproportionierten Körper aber wie gesagt, ich ziehe mich für die Bar nicht extra um. Ich denke mir nie, Für die Bar zieh ich das T-Shirt mit dem engen Rundhalsausschnitt aus und lieber eins mit großem V-Ausschnitt an.

Es gibt einen vorgeschlagenen Dresscode, an den ich mich aber nie halte. Manche meiner Mitarbeiterinnen tragen T-Shirts oder Blusen mit Kragen, aber mir—wie allen Frauen mit gutem Vorbau—wurde gesagt, ich dürfe anziehen, was ich wolle.

Egal, wie du aussiehst, in einer Bar oder einem Restaurant wird dich immer jemand lüstern ansehen.

Wenn ich ein Kompliment bekomme oder mir jemand hinterherruft, kann ich mir das Lächeln leider nicht verkneifen. Ich kann nicht verbergen, dass es meinem Selbstbewusstsein gut tut.

Als Kellnerin fällt es leicht zu sagen, dass sich jemand unangemessen verhält, weil ich am längeren Hebel sitze. Es hilft sehr, einfach sagen zu können, „Du bist betrunken", und den Typen wegzustoßen. Sexuelle Belästigung in Bars hat viele Seiten. Es gibt ältere Männer mit Kindern in meinem Alter, die zu mir sagen: „Du bist wunderschön, du leuchtest richtig", was irgendwie süß ist. Unangenehm sind die Leute, die mir ins Ohr flüstern oder mich zur Seite nehmen oder mir sagen, sie wollen privat mit mir reden. Ich flirte nicht. Ich bin nett, ich schließe gerne Freundschaften, ob mit Männern oder Frauen, und ich glaube, ich werde in meiner Bar respektiert. Aber in der Bar fehlt mir definitiv das Flirt-Gen. Ich bin dort um Geld zu verdienen.

Es gibt einen Stammkunden in der Bar, der jeden Tag und jede Nacht da ist—jeder kennt ihn. Seit ich dort angefangen habe zu arbeiten, macht er lautstark Kommentare zu meinem Aussehen. Er hat diese Art an sich, sowohl Frauen als auch Männer zu sexualisieren. Ich war nicht die Erste, der das passiert ist. Jedes Mal, wenn ich an ihm vorbeiging, sagte er: „Oh. Mein. Gott. Seht euch alle dieses Mädchen an." Dann zog er mich zu ihm her und fasste mir an den Hintern.

Es ist, als würden sie nostalgisch an eine Zeit denken, in der es noch OK war, Frauen offenkundig sexuell zu belästigen.

Ich weiß nicht, wie ich mit solchen Situationen umgehen soll. Ein Teil von mir, will die Hand packen und wegstoßen und was der andere Teil will, weiß ich nicht so genau. Nach ein paar Wochen sagte ich zu ihm: „Ich möchte, dass du damit aufhörst, weil andere Leute sonst denken, sie könnten das auch tun." Ich konnte ihn einfach nicht so bloßstellen und sagen: „Hey, das, was du machst, ist sexuelle Belästigung und das ist mir unangenehm." In meinem Job geht es ja auch darum, wie man die Stammkunden nicht verärgert. Er hörte auf damit—bis vor kurzem, als er wieder in die Bar kam, während ich arbeitete. Er hatte wahrscheinlich das Gefühl, einen gewissen Punkt mit mir erreicht zu haben, an dem er es sich wieder erlauben konnte.

Ich arbeite in Restaurants, seit ich 12 bin und sogar damals baggerten mich die Köche an. Egal, wie du aussiehst, in einer Bar oder einem Restaurant wird dich immer jemand lüstern ansehen. Ich wurde schon sehr, sehr oft sexuell belästigt, in der Bar und anderswo, aber nur selten tue ich etwas dagegen.

Ich glaube, Frauen haben Angst, sich selbst bloßzustellen oder ein Drama aus einer Sache zu machen, weil man sie als Lügnerinnen abstempeln könnte.

Aufgezeichnet von Talia Ralph.