Grime

Doku-Donnerstag: Unterwegs in der besten Taxi-Disco der Welt

Dieser Film bietet dir einen perfekten Einstieg in eine neue aufregende Musikrichtung namens Gqom.

von Philipp Kutter
28 Juli 2016, 3:35pm

Still aus Woza Taxi/YouTube

Wenn man über die Zentren elektronischer Musik redet, werden in der Regel die USA, England und Deutschland genannt. Doch es gibt viele andere Länder, in es eine eigene elektronische Szene mit eigenen Stilen gibt. In den Slums von Cairo ist der Electro Chaabi beliebt, eine Art digital modernisierte Form urbaner ägyptischer Volksmusik, auf die schon die UK-Bass-Größe Kode 9 aufmerksam geworden ist. Von Nigeria aus haben die Afrobeats ebenfalls schon ihren Weg nach Europa gemacht und sich hier etabliert. Aus Südafrika kamen Kwaito und Shangaan Electro. Und jetzt Gqom.

In den Townships von Durban hat sich Gqom neben House und Kwaito als elektronisches Genre etabliert. Ein Charakteristikum des Genres ist die Überlagerung verschiedener Rhythmen. Die Musik ist polyrhythmisch, wie auch viele Formen des Jazz. Elemente aus Broken-Beat werden im Gqom mit wabernden Synthesizern gemischt. Viele vergleichen Gqom daher mit Grime, wie er in Großbritannien produziert wird. Allerdings ist diese Ähnlichkeit laut Citizen Boy, einem der bekannten Gqom-Produzenten, rein zufällig. Viele der Musiker hätten erst vor Kurzem oder noch nie von Grime gehört.

Neben Citizen Boy gehört die Rudeboyz Crew zu den Aushängeschildern des Genres. Ihr „Mitsubishi Song" gehört zu den Hits des Gqom. Um Autos geht es darin aber, anders als gedacht, nicht. Welche Rolle Drogen hingegen für Lied und Musik spielen, ist umstritten. Citizen Boy sagt, dass sie auf allen Gqom-Partys verfügbar seien und die Leute zum Ausrasten bringen. Die beliebteste Droge: Ecstasy. Für Emo Kid, einem weiteren Protagonisten der Szene, spielen Drogen keine direkte Rolle für die Musik, zumindest nicht mehr als in anderen Stilrichtungen elektronischer Tanzmusik. Wer sich einen Überblick über das das Genre verschaffen will, kann sich zum Einstieg die Compilation Gqom Oh! The Sound of Durban Vol. 1 anhören, die vom italienischen Label GQOM OH! veröffentlicht wurde.

Wer noch mehr über Gqom erfahren will, kann sich zudem die neue Dokumentation Woza Taxi—Gqom Secret Stash Out Of The Locations von Regisseur Tommaso Cassinisanschauen. Sie wurde von GQOM OH! und dem in Rom sitzenden Radiosender Crudo Volta produziert.

Die Doku ist den örtlichen Taxis gewidmet, da sie eine Art Spiegel und Beschleuniger der Popularität von Gqom sind. Leute steigen mittlerweile gezielt in Taxis, die Gqom spielen, besonders in Durbans Stadtteil South Beach. Außerdem blickt der Film auf die Bedeutung von Ecstasy für die Szene und auf die Probleme von Künstlern wie Dominowe und DJ Mabheko.

Sieh dir die Doku unten an:

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