So viel geben EU-Länder wirklich für "Schnaps und Frauen" aus

Die südlichen Länder sind Verschwender, sagt der Eurogruppenchef. Aber hat er Recht?
24.3.17

Bäm, das hat gesessen! Wenn es darum geht, sich mal so richtig fett in die Nesseln zu setzen, dann hat Jeroen Dijsselbloem gerade vorgemacht, wie es geht. Und zwar mit nur einem, wenn auch bemerkenswerten, Satz: "Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um Ihre Unterstützung bitten."

Der Eurogruppenchef sagte diesen Satz in einem Interview mit der FAZ, in dem es um Hilfe für EU-Krisenländer ging – er wollte damit verdeutlichen, dass jeder, der Solidarität einfordert, auch Pflichten hat. Sofort haben sämtliche Politiker des südlichen Europas gleichzeitig Schnappatmung bekommen, und seitdem ist der innereuropäische Kot am Kochen. Dijsselbloems Bemerkung sei "rassistisch und machohaft" (Spanien), "dumm" (Italien) und vertiefe "den Graben zwischen Nord- und Südeuropa" (Griechenland). Vergebens hat Dijsselbloem seitdem versucht zu beschwichtigen, dass er nicht unbedingt nur südeuopäische Länder gemeint habe.

Aber: Ist die EU nicht ein Zusammenschluss von Freunden? Und sind Freunde nicht dazu da, sich gelegentlich auch mal die Wahrheit zu sagen? Aber: Ist das überhaupt die Wahrheit? Abgesehen von dem offensichtlichen Sexismus, der da durchscheint (immerhin könnten Frauen sich genauso auch Männer kaufen, sie wollen es nur meistens nicht).

Als unermüdliche Datenjournalisten, die wir sind, haben wir sofort mit der Recherche begonnen. Welches EU-Land gibt am meisten für Schnaps aus? Und welches für Frauen? Nach stundenlanger, zäher Wühlerei in den Archiven der Europäischen Statistik-Agentur Eurostat, der WHO, dem Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und dem Landesarchiv für überholte Bauernweisheiten können wir nun die Ergebnisse präsentieren. Leider konnten wir nicht für alle EU-Länder Daten finden. Aber seht selber:

Schnaps

Zugrunde liegende Europakarte: CrazyPhunk | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

"Frauen"

  • Es war leider unmöglich, verlässliche Zahlen für den alleinigen Anteil von Prostitution an der Schattenwirtschaft zu bekommen. Zugrunde liegende Europakarte: CrazyPhunk | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

Fazit

Dijsselbloem sollte sich schämen. Nicht nur, weil er versucht, mit frauenfeindlichen Sprüchen Volksnähe zu simulieren. Sondern vor allem, weil er damit auch noch Unrecht hat. Es ist bei Weitem nicht so, dass im Norden hart und nüchtern gearbeitet und im Süden gesoffen und gevögelt wird. Die Wahrheit ist, wie immer, komplexer.

Beziehungsweise: Einfach zweigeteilt. Denn die Untersuchungen ergeben ein klares Bild: Gesoffen wird im Norden, gevögelt im Süden. Und damit ist wohl auch geklärt, warum der Niederländer Dijsselbloem so grantig mit den Südländern ist.

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