Interview

Es gibt endlich eine App, die dich fürs Laufen bezahlt

Wir haben mit der Erfinderin von Runister gesprochen, die dir dabei hilft, deinen Arsch hochzubekommen. Und das Post-Workout-Weizen ist auch schon bezahlt.
16.11.16

Kein Witz: Deine Jogging-Runden bringen dir ab jetzt nicht nur physisches und seelisches Wohl, sondern haben noch einen netten Nebeneffekt. Denn Runister, eine spanisch-slowakische App, bezahlt dir jetzt dein Post-Workout-Weizen.

„Eines Tages kamen wir auf die Idee zu der App", erklärte uns die 31-jährige Alba Vázquez, eine Chemikerin aus Ostspanien, die in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne laufen geht. „Mein Freund und ich hatten beide null Bock auf Joggen und einer von uns meinte dann: ‚Warum kann uns keiner Geld dafür geben?' Und genau so wurde unser Projekt geboren."

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Alba und ihr Partner, der slowakische Ingenieur Matej Jahnátek, haben im Januar ihre Jobs bei einem multinationalen Konzern gekündigt und im Oktober—nach Monaten intensiver Recherche und harter Arbeit—ihre App auf den Markt gebracht. Bisher gibt es sie nur für iOS, dafür haben sich aber schon stolze 6.000 iPhone-Nutzer Runister heruntergeladen.

In den anderthalb Monaten ihres Bestehens hat der workoutfreudigste Benutzer rund 17 Euro erlaufen. Das mag auf den ersten Blick nicht viel Geld sein, aber die Idee hinter der App ist eigentlich auch die, den Menschen einen Extragrund für einen gesunden Lebensstil zu geben. „Du kannst sowohl spazieren gehen als auch laufen. wir haben genauso einen User, der im Monat 900 Kilometer joggt, wie auch solche, die in der Woche 30 Kilometer spazieren gehen. Das Interessante ist, dass sich unsere App für ganz unterschiedliche User-Profile eignet", versichert mir Alba.

Die App ist sehr einfach gehalten, sie misst deine zurückgelegten Distanzen und die Kalorien, die du dabei verbrannt hast. Spannend—und potentiell lukrativ—wird es erst dann, wenn du dich für die Plus-Version entscheidest. Die kostet dich 1,99 Euro im Monat. Und bezahlt dich für jeden Meter, den du zurücklegst.

Insgesamt hat die App sieben Level, die es freizuschalten gilt. Wie? Natürlich durch ordentlich Beinarbeit. Am Anfang bekommt man für jeden Kilometer vier Cent, aber Läufer, die das siebte Level erreicht haben, bekommen für dieselbe Distanz dann schon 1,76 Euro, was rund zehn Euro für fünf Kilometer Joggen entspricht. Auch wenn das Ganze zugegeben eine ganze Weile—und etliche Laufschuhe—in Anspruch nehmen würde.

Die beiden Entwickler betonen, dass sie Runister als Motivation und Herausforderung für Läufer konzipiert haben—die sich nach einem fleißigen Sportjahr über PayPal einen kleinen Obolus abholen können. Mit anderen Worten: Die App ist nicht dazu gedacht, dass du reich wirst, sondern dass du deinen Arsch hochbekommst. Viel mehr als dein Konto wird es dir am Ende dein Körper danken. Dennoch: Ein Durchschnittsläufer kommt in einem Jahr auf 50 bis 60 Euro. Besser als nichts, oder?

Und wie finanziert sich das Ganze? Die Antwort liefert uns Alba: „Aus dem Gemeinschaftstopf, ähnlich wie bei Spotify. Alle User zahlen ja 1,99 Euro pro Monat und daraus werden dann die Läufer bezahlt." Der User, wenn man beim Spotify-Vergleich bleiben möchte, ist also der Künstler, der für seine Arbeit Geld bekommt. Nur dass die Arbeit in diesem Fall körperlicher Natur ist: laufen, laufen, laufen.