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Wie kreativ Hansa und seine Fans ein Geisterspiel umgehen

Der finanziell angeschlagene FC Hansa Rostock wurde wegen Pyrozündens zu einem Geisterspiel verdonnert. Nun versucht er die fehlenden Einnahmen mit Sonder-Tickets und einigen besonderen Foto-Ideen wieder reinzuholen.
4.1.17
Foto: Imago

Geldprobleme, negative Schlagzeilen und ein Geisterspiel zum Rückrundenauftakt—die Gegenwart des FC Hansa Rostock sieht alles andere als rosig aus. Doch mangelnde Kreativität in Zeiten der Krise kann man dem Verein und vor allem der Fanszene nicht vorwerfen. Das bewiesen die Rostocker nun ein weiteres Mal. Weil der Drittligist beim Rückrundenstart am 28. Januar gegen den SSV Jahn Regensburg vor leeren Rängen spielen muss, versucht man der Strafe mit einer phantasievollen Idee wenigstens ein bisschen auszuweichen.

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So ein Spiel ohne Zuschauer schmerzt Hansa nämlich doppelt. Neben der fehlenden Fan-Unterstützung erwartet man laut NDR durch das Geisterspiel einen Einnahmeverlust von 250.000 bis 300.000 Euro. Nun haben „viele Fans, Mitglieder und Sympathisanten dem Verein signalisiert, dass sie den FCH dabei unterstützen möchten, den wirtschaftlichen Schaden verkleinern zu können", wie der Verein auf seiner Website bekannt gab. Also versucht der Klub mit der Aktion „Mit dem Herzen dabei" verschiedene Sonder-Tickets zu verkaufen, um trotzdem Geld einzunehmen. In der Kategorie 1 können die FCH-Anhänger für 9,95 Euro ein Ticket erwerben und ihre Liebe zum Verein beweisen.

Aus Liebe zum Verein: "Mit dem dabei"- Tickets zum Geisterspiel gegen den SSV unseren #FCH unterstützen https://t.co/R4YTbcMDzE #AFDFCH pic.twitter.com/xiS3kQPkie
— F.C. Hansa Rostock (@HansaRostock) 3. Januar 2017

Bei den Kategorien 2 und 3 hat sich der Verein etwas ganz Besonderes ausgedacht: Für 19,65 Euro sind die Hansa-Fans trotz des Geisterspiels auf eine „besondere Art" im Ostseestadion dabei. Jeder Fan, der sich solch ein Ticket kauft, kann dem Klub ein Foto von sich zuschicken und dieser verteilt die ausgedruckten Fan-Porträts auf die Sitze im Stadion. „Mit einer entsprechenden Anzahl an Fotos kann somit auch bei diesem Spiel eine besondere und noch nie dagewesene Fan-Kulisse entstehen und vor allem ein Zeichen für den großen Zusammenhalt beim F.C.H. gesetzt werden", erklärte der Verein in seiner Mitteilung. In der Kategorie 3 setzte der Klub noch einen drauf: Zum Preis von 49,95 Euro „erhält der Käufer nach dem Spiel ein Foto, auf dem einer der Hansa-Profis mit dem persönlichen Porträt am Stadion-Sitz zu sehen sein wird."

Damit wolle der Verein nicht nur sich selbst helfen, sondern auch die friedlichen Fans stärken. „Der F.C. Hansa, die Mannschaft und seine Fans sind durch das rücksichtslose Fehlverhalten einiger Unverbesserlicher bereits genug gestraft, so dass wir mit Hilfe derer, denen der Verein am Herzen liegt, alles versuchen wollen, die finanziellen Einbußen zumindest ansatzweise aufzufangen und damit auch ein Stück weit zeigen wollen, was wahre Liebe zum Verein bedeutet," erklärte Vorstandsvorsitzender Robert Marien. Wegen „Zuschauer-Vorkommnissen" in insgesamt acht Spielen hatte das Sportgericht des DFB den FCH zu dem Geisterspiel, 10.000 Euro Strafe und weiteren fünf Partien vor heimischer Kulisse mit nur maximal 2.000 Fans auf der Südtribüne verurteilt.

Das Sportgericht widerrief damit die Strafaussetzung aus einem Urteil im November 2015, wo der FCH ein Geisterspiel auf Bewährung erhielt. Grund dafür waren die „neuerlichen Verfehlungen der Anhänger"—wie der stellvertretende Vorsitzende des DFB-Sportgerichts erklärte. Gemeint war das Abbrennen von Pyrotechnik in den Spielen gegen Fortuna Düsseldorf, Preußen Münster, den VfR Aalen, Fortuna Köln, den SC Paderborn, den 1. FC Magdeburg und RW Erfurt. Zudem gelangen im Drittligaspiel gegen Werder Bremen II Glassplitter und eine Schnapsflasche im Bremer Strafraum und es soll bei den Spielen gegen Paderborn und Erfurt zu Handgreiflichkeiten mit Ordnern gekommen sein.

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