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Marokko

Zwei Tote in Marokko, nachdem Ultras vom selben Verein aufeinander losgehen

Zwei rivalisierende Ultragruppen von Raja Casablanca bekämpfen sich gegenseitig und lösen eine Massenpanik aus. Die Strafe für den Verein wirkt angesichts von zwei toten Fans lächerlich.
21.3.16
Screenshot Youtube

In Marokko kam es am Wochenende während eines Erstligaspiels zwischen Raja Casablanca und Chabab Rif Al Hoceima (2:1) zu schweren Fan-Ausschreitungen. Laut Agenturmeldungen kamen dabei zwei Menschen ums Leben und mindestens 54 weitere wurden verletzt. Die über mehrere Minuten andauernden Krawallen konnten nur schwer unterbunden werden, da es sich um zwei rivalisierende Fangruppen von Raja-Anhängern handelte, die im gleichen Block standen.

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Die Ausschreitungen begannen inmitten der Curva Sud Magana, dem Stehplatzbereich der Raja-Fans, und betrafen hauptsächlich die Gruppierungen Ultras Green Boys und Ultras Eagles. Neben diversen Schlägereien wurden immer wieder Bengalos zurück in die Menge geworfen, wodurch es zu einer Panik kam und etliche Fans an die Zäune und Mauern des „Stade Mohamed V" gedrückt wurden. In ihrer Not sprangen mehrere Menschen in den Innenraum oder über andere Fans hinweg über die Absperrungen. Auf den Videoaufnahmen der Vorfälle scheinen die untätigen Ordner mit der Situation heillos überfordert gewesen zu sein. Vielen Menschen hätte wohl schneller geholfen werden können, wenn man einfach die Tore geöffnet hätte.

In einer Stellungnahme der marokkanischen Sicherheitsbehörde (DGSN) wird zudem von elf beschädigten Autos und massiven Schäden im Stadion berichtet. Zu den beiden Verstorbenen heißt es:

Von den zwei Menschen, die bei der Ankunft im Krankenhaus starben, wurde einer von einem scharfen Gegenstand verletzt und der andere zeigte keine offensichtlichen Anzeichen von Gewalt auf.

Die Curva Sud Magana, die in der weltweiten Ultraszene für ihre atemberaubenden Choreos und Gesänge eigentlich gefeiert wird, ist nicht zum ersten Mal Schauplatz von Auseinandersetzungen. Schon seit einigen Jahren bekämpfen sich die Raja-Ultragruppen gegenseitig—was nun seinen traurigen Höhepunkt fand. Nähere Gründe, wieso die Rivalität zwischen den Ultras Green Boys und den Ultras Eagles nun derartig eskalierte, gibt es jedoch nicht.

Raja Casablanca ultra groups clash with each other yesterday, with reports of two dead and many injured pic.twitter.com/uY0TBvnZzL
— FootballAwaydays (@Awaydays23) 20. März 2016

Laut DGNS wurden 31 Verdächtige von der Polizei „wegen ihrer Beteiligung an Vandalismus-Akten" verhaftet. Schon vor dem Anpfiff waren zehn gewaltbereite Fans in Gewahrsam genommen worden. Der marokkanische Fußballverband (FRMF) reagierte ebenfalls und verhängte eine Strafe gegen Raja, die aber in Anbetracht der Umstände vergleichsweise gering, wenn nicht sogar lächerlich wirkt: Raja muss die nächsten fünf Spiele vor leeren Rängen austragen und eine Geldstrafe von 100.000 marokkanischen Dirham (ca. 9200 Euro) zahlen. Nach den Vorfällen berief der Präsident des FRMF, Fouzi Lekjaa, zudem eine Dringlichkeitssitzung der Disziplinarkommission ein, um künftig solche Ausschreitungen zu verhindern. Einige marokkanische Medien wie Le 360 Sport forderten derweil, das Verbot von Ultragruppierungen prüfen zu lassen.

Der marokkanische Fußball ist immer wieder Schauplatz von besonders schweren Ausschreitungen. Bei Krawallen zwischen Casablanca-Fans und Anhängern von Olympique Khouribga kam im vergangen Jahr ein Fan ums Leben. Im Jahr 2013 wurden bei mehreren Kämpfen zwischen Fans in Casablanca 130 Anhänger verurteilt. Nach den letzten Vorkommnisse werden die staatlichen Behörden wohl noch strikter durchgreifen.