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Fotografie

Was passiert, wenn man Profi-Fotografen Einwegkameras in die Hand drückt

Ohne automatische Belichtung und Fokus konzentriert sich 27 Frames auf Fotografie in Reinform.

von Hans Aschim
20 Januar 2017, 8:45am

When the imperfections make the picture. Credit: Meg Haywood Sullivan

Staubige Landstraßen, einsame Bikini-Trägerinnen und inspirierende Landschaften sind nur einige der Motive, die die Fotos einer neuen Gruppenausstellung in Los Angeles schmücken. Die Bilder unterscheiden sich jedoch stark von dem, was man ansonsten von renommierten Fotografen erwarten würde. Einige Aufnahmen sind unscharf und keines der Fotos scheint perfekt belichtet zu sein—und genau diese kleinen Unvollkommenheiten machen diese Ausstellung so besonders. Matt Titone rief das Kunstprojekt ins Leben, weil ihm auffiel, dass sein Instagram-Feed zunehmend von perfekt inszenierten und nachbearbeiteten Bildern bestimmt wurde. Mit der Ausstellung wollte der Mitbegründer der Kreativagentur ITAL/C und der Surfer-Publikation Indoek der Fotografie etwas von ihrer ursprünglichen Spontanität zurückgeben und das Medium zu seinen Wurzeln zurückführen.

Darum schickte er kurzerhand ein paar Einwegkameras ohne weitere Vorgaben an einige seiner Lieblingskünstler. Die vielseitigen Ergebnisse dieses Kunstexperiments sind nun seit dem 12. Januar im Rahmen von 27 Frames in der Think Tank Gallery in L.A. zu sehen.

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Prints on prints on prints… Credit: Matt Titone

„Wir haben uns alle so sehr an die augenblickliche Befriedigung unserer Bedürfnisse und perfekt aufgearbeitete Digitalfotos gewöhnt, dass wir sehen wollten, was Profis mit dem billigsten Film anstellen könnten. Außerdem waren wir gespannt, was sie bei dem Prozess erleben würden“, erklärt Titone The Creators Project. „Die Ergebnisse sind wirklich sehr interessant und ihre Entstehung hielt einige Überraschungen für alle Beteiligten parat.“

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God light at the skatepark. Credit: Read McKendree

Einer der Künstler ist der Fotograf Chris Burkard, der als Werbe- und Sportfotograf im Auftrag von internationalen Kunden wie Surfer-Magazinen, Apple und Toyota schon die ganze Welt bereist hat. Der Globetrotter machte die überraschende Erfahrung, dass die kleine Einwegkamera ihn seinen Motiven und der Kunst näher brachte.

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An iconic vista through a new lens. Credit: Chris Burkard

„Diese Erfahrung rief mir ins Gedächtnis, dass das Erlebnis immer an erster Stelle stehen sollte“, erklärt Burkard. „Man sollte jedes Motiv so behandeln, als ob man nur eine begrenzte Anzahl an Aufnahmen zur Verfügung hat. Unbewusst drauf los zu knipsen entfernt einen regelrecht von der Fotokunst. Diese Erkenntnis hat mich wach gerüttelt.“

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Self-care time is always off the clock. Credit: Mark McInnis

Durch Einwegkameras wird die Fotografie auf ihre einfachste Form reduziert. Die kleinen Plastikgeräte lassen weder Korrekturen der Belichtung noch das Scharfstellen der Bilder zu und sie bieten auch keins der anderen Hilfsmittel, an die sich moderne Fotografen inzwischen so sehr gewöhnt haben. Und am allerwichtigsten: Es gibt keinen Bildschirm, auf dem man das Foto sofort nach der Aufnahme überprüfen kann.

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Line it up and fire. Flash optional. Credit: Matt Titone

„Es hat Spaß gemacht, nicht vom Blick aufs Bild abhängig zu sein“, fügte Burkhard hinzu. „Ich habe nicht einmal den entwickelten Film angeschaut. Ich gab die Kamera wieder ab und habe die fertigen Bilder ein paar Monate später dann zum ersten Mal gesehen. Das war wie Weihnachten. Ich hatte so ein nostalgisches Gefühl wie schon lange nicht mehr.“

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Letting the light do the heavy lifting. Credit: Rob Kulisek

Während Burkhard den Großteil seiner kommerziellen Arbeit mit digitalem Equipment umsetzt, arbeiten andere Künstler auch in ihrer täglichen Arbeit nach wie vor mit Film. Der Fotograf Will Adler aus Santa Barbara ist beispielsweise für seine verträumten kalifornischen Strandaufnahmen bekannt. Für ihn war die Arbeit mit einer Einwegkamera daher weniger exotisch und doch bot sie ihm ganz neue Freiheiten.

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Shade and shadows. Credit: Will Adler

„Es ging nun viel mehr um die Entscheidung, wovon ich ein Foto machen wollte, als darum, wie ich es machen wollte“, erklärt Adler. „Ich nahm die Fotos absichtlich so auf, wie eine Kamera dieser Art es vorsieht: als Schnappschuss.“

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Howling at the trees. Credit: Laura Austin

Die Ausstellung zeigt 88 Bilder von 30 Fotografen und ist ab dem 12. Januar in der Think Tank Gallery in Los Angeles zu sehen. Alle Einnahmen von 27 Frames kommen der Surfrider Foundation zugute.