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Musik

VICE Reviews

Was wäre unsere Fashion Issue ohne die besten, schlechtesten, schönsten und hässlichsten Platten des Monats?

JOHN DALY
Sunburst
Drumpoet Community
9                                                                                                                                                                                                                                                         Mein erster Besuch als 9-Jährige im IMAX ist in etwa zu vergleichen mit meinem ersten Trip als 16-Jährige. Ich hatte eine Scheißangst und war mir nicht sicher, aus der Sache unbeschadet oder überhaupt lebend rauszukommen. Was mich in beiden Fällen beruhigte, war die gemütliche Musik, die mich einlullte. Wenn ich heute bei einer Afterhour mit einem Haufen fremder Arschlöcher sitze und wieder das Gefühl habe, mein Leben nicht mehr auf die Reihe zu kriegen, drehe ich Sunburst auf, und ich schwöre, dass, obwohl das Album komplett ohne Gesang auskommt, mir eine Stimme zuflüstert: „Alles wird gut!“
ROAD RUNNER

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VCMG
Ssss
Mute
2                                                                                                                                                                                                                                                  Martin L. Gore eines Tages zu Vince Clarke vermutlich so im Studio: „Fertig.“—„Das nennst du fertig? Das klingt nach einer Preset-Demo für eine Musikmesse.“— „Ey, ich hab’ mir voll Mühe gegeben.“—„Na ja, für eine dieser ostdeutschen Depeche-Mode-Partys in einer Mehrzweckhalle wird’s vielleicht reichen.“—„Du bist aber auch anstrengend. Hast du dir denn inzwischen wenigstens einen guten Namen überlegt?“—„Ich dachte, wir nehmen einfach unsere Initialen …“—„MLG & VC?“—„Na ja, du müsstest dein L weglassen …“—„Mein Markenzeichen weglassen? Bist du verrückt?“—„Eigentlich sollte ich deinen ganzen Nachnamen streichen, so wie das Machwerk hier klingt.“—„Schon gut. Steck’ dir mein L sonstwohin, aber lass’ uns endlich diese dämliche Platte rausbringen, ich muss meine Miete zahlen.“
FROHGE MUTE

PRINCIPLES OF GEOMETRY
Burn the land & boil the oceans
Tigersushi Records
7                                                                                                                                                                                                                                                  Seit ich dem Teenageralter entwachsen bin und aufgehört habe, Daft Punk als das ultimativ höchste Gut auf Erden zu sehen stehe ich eigentlich nicht mehr auf Robotergesabbere in 12-Minuten-Songs. Das hat wohl vor allem mit der Tatsache zu tun, dass Roboter früher oder später die Weltherrschaft übernehmen und unsere gebrechlichen, dürren Körper als persönliche Sexutensilien verwenden werden, die sie nach der Kopulation auf eine Müllhalde schmeißen. So richtig damit anfreunden kann ich mich zwar immer noch nicht, aber dass Principles of Geometry ein paar Nackte auf dem Cover haben, die einen riesigen Stein anbeten, ist halt schon eine gute Sache.
JACK NARROW

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A THOUSAND FUEGOS
The Treachery Of Things
Seayou Records
6                                                                                                                                                                                                                                                  Monat für Monat werde ich gezwungen, irgendwelche unsinnigen Reviews über Bands zu schreiben, die keinen interessieren. Unlängst war es jemand mit dem nervigen Namen Soap&Skin und noch nervigerer Musik. Dieses Album sorgt Gott sei Dank für etwas angenehmere Momente, ich hätte trotzdem gerne einen richtigen Job, Werbetexter zum Beispiel. Oder Pr-Assistent.
DAS PREKARIAT

SCUBA
Personality
Hotflush Recordings
8                                                                                                                                                                                                                                                  Wowee! Was soll man sagen, diese Platte macht uns glücklich. Paul Rose zimmerte mit den feinsten Schrauben und Hämmern ein House für uns, und wir wollen nicht mehr raus. Kein Dubstep, einfach nur klassischer House mit den richtigen Referenzpunkten - von Mickey Olivers Pump Up The Acid über Voodoo Ray bis hin zu den Happy Mondays und der seriöseren Seite des Ministry Of Sound. Das ist ein weiter Bogen, und es mag auch danach klingen, als ob hier alles abgekupfert wäre—aber das stimmt so nicht. Nein, das hier ist mehr 2012 als Bubble Tea mit Wodka. Classic and epic, wirklich schön und clever, eine saugute Platte. Her damit! Wer uns nicht glaubt, soll sich mal Gekko anhören. Anthem!
CALL THE COPS

CARDIOCHAOS
Poetic Terrorism
Little Night Music
6                                                                                                                                                                                                                                                  Hier geht es angeblich um poetischen Terrorismus und ontologische Anarchie, außerdem wurde das alles vom Typen abgemischt, der das auch für Sigur Rós macht, und ein Dude, der mit The Knife und Prodigy zu tun hat, war auch involviert. Angeblich hatte im Studio sogar jemand ein Ramones-T-Shirt an, munkelt man zumindest. Wenn die noch ein Madonna-Ölgemälde ins eine und ein Ray-Charles-Mosaik ins andere Eck des Studios gestellt hätten, hätte das sicher auch nicht geschadet. Trotzdem keine schlechte EP. Ein bisschen fad, aber ohne Madonna-Gemälde reißt man halt selten viel.
EIN FREUND VON EINEM FREUND

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EARTH
Angels of Darkness, Demons of Light 2
Southern Lord
7                                                                                                                                                                                                                                                   Die Älteren unter uns werden sich noch an die Eingeweide tretenden Drone-Riffs von Earth erinnern. Dieses „Angels/Demons“-Sequel aber schwebt so ätherisch im Raum, dass nicht mehr viel fehlt, bis es sich komplett in Luft auflöst. Es ist das Album, das sich nach Jahren der Selbstfindung und des Reisens zu einem Besuch im Elternhaus einfindet und als Erstes diesen Sorgensermon von „Menschenskind, wie siehst du denn aus? Iss doch mal was!“ über sich ergehen lassen muss. Und auch wenn wir die Wirkung dieser nahkosmischen Blues-Mantras keinesfalls in Abrede stellen wollen, müssen doch auch wir uns der immerwährenden Gültigkeit folgenden Gesetzes unterwerfen: Mutter hat immer Recht.
SUGAR DADDY

THE SHINS
Port of Morrow
Aural Apothecary/Columbia
7                                                                                                                                                                                                                                                    Ich habe tatsächlich ein paar Freunde, die aus irgendeinem Grund immer noch Indierock hören. Halt, ich sollte es anders formulieren: Einige der Leute, die Indierock hören, sind aus irgendeinem Grund immer noch meine Freunde. Na ja, die erzählen mir auf jeden Fall, dass The Shins immer noch eine der besseren oder sogar besten Bands sind, die dieses Genre zu bieten hat, dass man bei ihren Songs total gute Laune bekommt und dass sie trotz interner Umbesetzungen und dem Wechsel zum Majorlabel jetzt wieder eine gute Platte gemacht haben. Ich kann dazu nichts sagen, da ich Indierock gegenüber völlig indifferent bin. Also gute Laune habe ich nicht bekommen, aber ich musste jetzt auch nicht kotzen oder so. Sieben Punkte, weil einige der Leute, die The Shins mögen, nach wie vor meine Freunde sind. Warum auch immer.
MARK ZUCKERBERG

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