Krizzli—Ein Raumfahrtingenieur und Beat-Bastler im Interview

Der Lausanner Bass-Produzent Krizzli startet gerade durch wie eine Rakete. Ich habe den Tausendsassa gefragt, woher er kommt und was er so macht.
26.10.16
Foto: Facebook

Krizzli war mir—ehrlich gesagt—bis vor kurzem noch kein Begriff. Ich habe nur mal aufgeschnappt, dass ein Lausanner Produzent ziemlich fette Bassmusic produzieren soll. Dieser Produzent ist eben Valentin Bersier aka Krizzli, den die Red Bull Music Academy 2014 unter seine Fittiche genommen hat. Nun steht er natürlich für den RBMA Weekender (10. bis zum 13. November in verschiedenen Zürcher Clubs) auf der Matte und bringt seinen selbstgebauten Drumcomputer für seinen Auftritt im Exil mit.

Noisey: Vielen wird Krizzli wohl noch nichts sagen. Magst du dich kurz vorstellen?
Krizzli: Ich bin 26 Jahre alt, produziere elektronische Musik und bin seit 2010 im Game. Meine grösste Errungenschaft bis jetzt war, Teil der Red Bull Music Academy in Tokio zu werden.

Produzieren tust du aber schon seit du 16 Jahre alt bist. Wie hat sich deine Musik damals angehört und wie hat sie sich verändert?
Ich habe mit Electro-House angefangen, diese Musik hat mich damals fasziniert. Aber seitdem hat sich mein Sound eigentlich jedes Jahr verändert.

Wieso hat er sich immer verändert?
Hauptsächlich wegen den Menschen, denen ich begegne. Sie zeigen mir immer Musik, die ich niemals entdeckt hätte. Aber mein Geschmack hat sich auch einfach immer verändert.

Wer sind diese Personen, die dich beeinflussen?
Natürlich sind das viele meiner Freunde aus der Schweiz, wie zum Beispiel Lemonick. Weil die Bassmusic-Szene hier und weltweit nicht so gross ist, habe ich auch schnell diverse Künstler aus dem Ausland kennengelernt. Man diskutiert zusammen über Musik und zeigt sich gegenseitig Songs.

Trotzdem ist Bassmusic in der Schweiz ein sehr untypisches Genre.
Natürlich, das Genre hat seine Ursprünge in England. Dort passiert das meiste und auch die Pionierarbeit. Deswegen wollte ich auch immer in London Fuss fassen. Das habe ich in den letzten zwei, drei Jahren geschafft und mir auch dort einen Freundeskreis aufgebaut, was mir viele Türen geöffnet hat.

Foto: Facebook

Gibt es in der Schweiz überhaupt eine Bassmusic-Szene?
Ja, es gibt schon eine Szene, aber sie ist klein. Das bringt aber sicher auch einen Vorteil mit sich: Die Szene fühlt sich wie eine Familie an. In Clubs wie Le Zoo in Genf oder Le Bourg in Lausanne, die innovative elektronische Musik fördern, triffst du immer dieselben Leute. Ich mag das.

Dann kennst du sicher auch deine Fans?
Natürlich. Wenn du immer wieder den gleichen Gesichtern begegnest, kommst du zwangsläufig ins Gespräch und manchmal entwickelt sich daraus eine Freundschaft. Das gäbe es in grösseren Club und in einer grösseren Szene sicher nicht.

Dein Sound ist sehr rough und raw, du hingegen scheinst ein sehr netter Typ zu sein—wie passt das zusammen?
Ich weiss es nicht. Das hat wahrscheinlich wenig mit meiner Persönlichkeit zu tun. Ich mag eine gewisse Roughness und brutalen Sound. Das heisst aber nicht, dass ich auch so bin. Ich habe mir ehrlich gesagt, nie darüber Gedanken gemacht. Es ist nur das, was aus den Maschinen und meinem Computer kommt. Ich denke, während ich produziere, wenig darüber nach, wie sich das Endresultat anhört.

Du hast vorhin gesagt, dass es dir wichtig war, dir Türen in London zu öffnen. Was für Möglichkeiten haben sich dir dadurch ergeben?
Ich habe mir diese Möglichkeiten dadurch erarbeitet, dass ich einfach immer wieder nach London gegangen bin. Meine Freunde dort zeigen mir die Szene und stellen mir Booker, Labelmanager und andere wichtige Personen vor. Was wiederum heisst, dass mein Netzwerk stetig wächst. Jetzt habe ich von der Red Bull Music Academy die Möglichkeit erhalten, mit dem Londoner Rapper DeeJillz zusammenzuarbeiten. Wir haben eine EP in Berlin aufgenommen und werden am RBMA Weekender in Zürich zusammen auftreten. Ich hätte nie gedacht, dass mal so etwas zustande kommt und ich hoffe, das wird mir noch ein paar weitere Türen öffnen. Wer weiss, vielleicht werde ich bald auch mal in England auftreten.

Für deinen Auftritt am RBMA Weekender hast du deinen eigenen Drumcomputer gebaut, richtig?
Ja. Ich war schon immer ein Tausendsassa und versuche, mir oft selbst Dinge beizubringen—sei es Musikproduzieren, Programmieren oder jetzt Elektronik. Ich habe gesehen, dass Selbstbau-Kits für Drumcomputer im Internet verkauft werden. Also habe ich mich versucht, immer wieder Fehler gemacht und aus ihnen gelernt. Für die gesamte Konstruktion habe ich drei, vier Wochen gebraucht.

Was kommt als nächstes? Baust du dir einen eigenen Synthesizer?
Das weiss ich noch nicht. Kann aber gut sein. Erstmal möchte ich die Live-Shows perfekt rüberbringen. Dann kann ich das nächste Projekt angehen.

Foto: Facebook

Etwas ganz anderes: Ich habe gehört, du machst irgendetwas mit Raumfahrt—habe ich das richtig verstanden?
Auf eine gewisse Weise. Ich habe Materials Science and Engineering studiert und habe mein Nebenfach in Raumfahrttechnologie gemacht. Wenn ich meine aktuellen Projekte hinter mich gebracht habe, will ich mir einen Job in der Flug- oder Raumfahrtbranche suchen. Es gibt in der Schweiz eine Menge Start-ups und auch grössere Unternehmen, die in diesem Gebiet forschen.

Fasziniert dich das Weltall?
Natürlich. Und ich glaube, ich bin damit nicht der einzige. Das Weltall ist mysteriös, wir können hinaufschauen und es beobachten. Aber wissen tun wir so wenig, was da draussen ist. Auch der technische Aspekt ist spannend: Es ist immer noch eine grosse Herausforderung, ins Weltall zu fliegen. Ich mag solche Herausforderungen ganz generell—darum wollte ich auch den Drumcomputer bauen.

Aber wenn du dir einen Job suchen willst, heisst das auch, dass du nicht hauptberuflich Musik machen möchtest.
Musik wird mich mein ganzes Leben oder zumindest eine lange Zeit begleiten. Aber, ich glaube, sobald Produzieren dein Job wird, kann etwas in dir kaputt gehen. Du musst dafür einiges opfern, weil du dann von der Musik leben musst—also musst du zu Gigs kommen und deine Musik verkaufen. Das will ich nicht. Ich will Musik so machen, wie ich möchte und das geht nur als Hobby.

Versteh ich. Letzte Frage: Was dürfen die Leute am 12. November von deinem Set erwarten?
Ich werde die Musik, die ich in den letzten Jahren herausgebracht und für mein Live-Set überarbeitet habe, natürlich die Songs mit DeeJillz und einige bisher ungehörte Sachen spielen. Es wird rhythmisch, bassig und ein wenig grimey werden.

Der Red Bull Music Academy Weekender findet vom 10. bis zum 13. November in diversen Zürcher Clubs statt. Noisey verlost zu verschiedenen Events Tickets (siehe unten). Wenn du dein Glück versuchen willst, schreibst du einfach ein Mail mit dem Betreff "RBMA", deiner Postanschrift* und deinem Wunschevent an noisey.schweiz@vice.com. Anmeldeschluss ist der 7. November 2016.

Freitag, 11. November
1x2 Tickets für: Gonzo: TOP 5: 5 Artists—5 Rounds—5 Songs—mit DJ Sets von Stress, Manillio, Skor, Laskaar und Reeto von Gunten
1x2 Tickets für: Lexy: Derrick May (Transmat, Detroit) & Mirko Loko (Visionquest, Cadenza)
1x2 Tickets für: Zukunft: DJ KOZE (Pampa Records) & Kalabrese

Samstag, 12. November
2x2 Tickets für: Exil: LADY LESHURR (Live), SEVDALIZA (Live), Krizzli Live ft. MC DeeJillz
2x2 Tickets für: Kino Roland: Kyle Dixon & Michael Stein performing music from their score for Stranger Things

*Deine Kontaktdaten werden nur für die Verlosung gebraucht, nicht für interne Zwecke verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.