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Wir haben eine Zukunftsforscherin gefragt, ob du deinen Job an einen Roboter verlieren wirst

Laut einem neuen Bericht sollen in den nächsten Jahren in 15 Ländern, darunter Deutschland, 7,1 Millionen Jobs verschwinden. Expertin Marianne Levinsen erklärt, was du tun kannst, um deinen zu behalten.
21.1.16
Die Maschinen kommen: Auf dem Arbeitsmarkt steht uns womöglich ein harter Kampf bevor | Foto: Epsos | Flickr | CC BY 2.0  

Die Maschinen kommen: Auf dem Arbeitsmarkt steht uns womöglich ein harter Kampf bevor | Foto: Epsos | Flickr | CC BY 2.0

Die Zukunft ist hier, und sie sieht nicht gerade rosig aus—vor allem dann nicht, wenn du im Informatikbereich arbeitest oder Maschinen bedienst. Wenn du zu den Unglücklichen gehörst, die einen Job haben, der mit ein bisschen gutem Willen von einem Roboter ausgeführt werden könnte, dann kannst du dich auf einen langen, zähen Kampf gefasst machen, um deinen Wert auf dem Arbeitsmarkt unter Beweis zu stellen.

Das sind, grob zusammengefasst, die Schlussfolgerungen aus einem neuen Bericht namens „The Future of Jobs", der einen Blick auf die Folgen der vierten industriellen Revolution wirft. Der Bericht wurde vom Weltwirtschaftsforum veröffentlicht und untersucht, was in 13 ausgewählten Ländern und 2 Weltregionen mit den Arbeitsmärkten passiert, wenn die Technologie erst einmal die Menschen überholt.

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Zu den Ländern, die in dem Bericht behandelt werden, gehören unter anderem Deutschland, Frankreich, die USA, China, Indien, die Türkei und Mexiko—Nationen also, die sich auf unterschiedlichen industriellen Entwicklungsstufen befinden. Das allgemeine Fazit ist deutlich: Unbeschadet überstehen wir die bevorstehende technologische Revolution nicht. Es gibt zwar noch keinen Grund, von Szenarien wie aus Szenarien wie aus Terminator auszugehen, in denen die Maschinen das Überleben der gesamten Spezies Mensch bedrohen, doch die Prognosen sind trotzdem beunruhigend: Der Bericht sagt voraus, dass die 15 Arbeitsmärkte in fünf Jahren insgesamt 7,1 Millionen Stellen verloren haben werden, weil neue digitale Lösungen und Arbeitsvorgänge sie abgelöst haben werden. Hierbei muss allerdings noch beachtet werden, dass die digitale Entwicklung eine gewisse Anzahl neuer Arbeitsplätze schaffen wird, sodass der tatsächliche zahlenmäßige Verlust an Stellen bei etwa 5 Millionen liegen wird.

Weil diese Zukunftsprognose auch nicht verschwindet, wenn wir den Kopf in den Sand stecken, haben wir uns mit Marianne Levinsen, Forschungschefin bei Fremforsk, einem dänischen Zentrum für Zukunftsforschung, unterhalten.

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VICE: In dem Bericht geht es nur um eine Handvoll Länder, davon nur vier in Europa. Sieht die Prognose überall so düster aus?
Marianne Levinsen: Ich zweifle nicht daran, dass Automatisierung, Digitalisierung und neue Technologie die Verteilung der Arbeitskräfte ändern werden. Aber diese Dinge schaffen auch wiederum viele neue Stellen für die Menschen, die diese Technologie bedienen, entwickeln und instand halten müssen. Ich stehe also der Erwartung, dass zwangsläufig überall ein Verlust von Arbeitsplätzen eintreten muss, eher kritisch gegenüber. Nach der Erfindung der Dampfmaschine haben wir gesagt, wir würden Arbeitsplätze verlieren, und in den 1980ern waren wir überzeugt, dass neue Technologien uns die 20-Stunden-Woche bescheren würden, und in beiden Fällen kam es völlig anders. Doch es ist sicherlich so, dass diese Entwicklungen in sehr vielen Branchen die Struktur des Arbeitsmarkts und die Nachfrage nach Arbeitskräften beeinflussen werden.

Welche Jobs sind gefährdet?
Bisher hat es sehr wenig Fokus darauf gegeben, die Produktivität im öffentlichen Sektor und im Dienstleistungssektor zu erhöhen, hier sehe ich also großes Potential für mehr Effizienz. Und wenn das erst einmal passiert, dann gibt es viele Mitarbeiter in Verwaltungs- und Routinejobs, die gefährdet sind. Das haben wir unter anderem in den 1980ern beobachten können, als die neue Technologie die Bankangestellten zu den großen Verlierern gemacht hat. Die Frage ist also, ob diese Stellen durch andere Arten Arbeit ersetzt werden können. Angestellte müssen auf ein neues Ausbildungsniveau gebracht werden.

Laut dem Bericht gibt es eine Tendenz dahin, dass sogenannte „Frauenberufe", also Berufe im Pflege-, Büro- und Verwaltungsbereich, am schwersten betroffen sein werden.
Ja, und das wird in Arbeitsmärkten mit einer deutlichen Geschlechtertrennung am deutlichsten spürbar sein. Es ist richtig scheiße für Frauen, wenn sie nicht den Absprung in andere Berufe schaffen, bevor die Technologie sie einholt. In puncto Gleichstellung ist das eine riesige Herausforderung. Wirst du deinen Job an einen Roboter verlieren?

Wenn wir das Ganze logisch weiterverfolgen, dann drängt sich die Frage auf, von welchen Ausbildungen und Studiengängen man sich fernhalten sollte, wenn man seinen Job nicht an einen Roboter oder einen Computer verlieren will.
Ich würde die Frage eher ein bisschen abändern und sagen, dass man dafür sorgen muss, dass man eine ausreichende Bildung hat, welche die Fachkenntnisse vermittelt, die auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft gefragt sein werden. Das muss nicht zwangsläufig ein Studium sein, aber es muss eine Ausbildung sein, die es einem erlaubt, sich im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln. Eine allgemeine Büroausbildung sollte am besten mit einem Fachgebiet ergänzt werden, damit IT-Kenntnisse auf hohem Niveau vorhanden sind. Es gibt viele Beispiele für Berufszweige, die gefährdet sein könnten. Darunter fallen unter anderem auch Einzelhandelskauffrau oder -mann und Berufe im Pflege- und Gesundheitswesen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, seine digitalen Kompetenzen auszubauen.

In welchen Berufszweigen wird zum Beispiel die größte Nachfrage nach Arbeitskräften erwartet?
Der gesamte Informatikbereich, neue Technologien und Digitalisierung sind absolut zentrale Bestandteile der Funktionsweise moderner Organisationen. Das bedeutet also, dass es sehr viele Menschen brauchen wird, die diese Dinge kontrollieren und umsetzen können. Wenn du bestimmte Ingenieursausbildungen hast, dann reißen sich die Arbeitgeber um dich. Es gibt eine riesige Nachfrage nach Menschen, die mit neuer Technologie arbeiten können. Es kann also sein, dass die nächste Welle aus den Leuten bestehen wird, die diese Dinge allen anderen verständlich machen müssen.

Der Bericht zieht den Schluss, dass wir uns unterm Strich auf einen großen Stellenverlust einstellen müssen, auch wenn viele neue Jobs geschaffen werden. Lässt sich dieses Schicksal in manchen Ländern vielleicht dennoch abwenden?
Länder, die sich mit neuen Technologien beschäftigen, und die zum Beispiel nicht auf Warenexporte oder natürliche Ressourcen setzen können, haben eventuell einen Vorsprung, was die Fachkenntnisse angeht, die in der Zukunft benötigt werden. Es gibt also auch hier und da Gründe, optimistisch zu sein.