James Deen (Foto: Wikicommons | CC0 1.0)

James Deen hat mir dabei geholfen, mit meiner sexuellen Durststrecke klarzukommen

Der charismatische und coole Porno-Darsteller hat mir einige Tipps gegeben, was ich machen kann, wenn in meinem Bett tote Hose herrscht.

|
12 April 2015, 4:00am

James Deen (Foto: Wikicommons | CC0 1.0)

James Deen (Foto: Wikicommons | CC0 1.0)

Ich habe schonmal erwähnt, dass ich derzeit eine Odyssee durchmache, die vor allem von nicht vorhandenen menschlichen Berührungen geprägt ist und komplett ohne zärtliche, perfekt für Instagram geeignete Momente auskommen muss. Schuld an dieser Misere bin dabei einzig und allein ich selbst. Und obwohl ich jetzt schon mit ein paar echten Schnarchnasen ausgegangen bin (ein Typ wollte zum Beispiel die ganze Zeit nur darüber reden, dass er „wie ein kleiner Vogel" ist), bin ich schon weit über den Punkt hinaus, an dem mir jeder Schwanz genügt.

Aber kann ich es mir überhaupt leisten, so wählerisch zu sein? Meine Libido verlangt nach einer Antwort auf diese Frage.

Um die ganze Sache in einem neuen Licht betrachten zu können, habe ich mich an das Porno-Juwel James Deen gewandt (dieser Link ist logischerweise NSFW!). Jeder, der schon mal eine Performance von Deen gesehen hat, weiß genau, dass dieser Mann die einzigartige Fähigkeit besitzt, eine quasi greifbare Chemie zwischen sich und seiner Sex-Partnerin aufzubauen—das schließt auch die Frauen ein, die man nicht wirklich als charismatisch bezeichnen würde (siehe Backdoor Teen Mom). Mir ist schon klar, dass Deen das vor allem für die Kamera macht, aber sein Charme ist trotzdem irgendwie etwas ganz Besonderes und bewundernswert. Ich hatte einfach das Gefühl, dass er mir etwas über die Verbindung zwischen zwei Menschen beibringen könnte.

Wenn wir uns anscheinend schon in jeden Menschen der Welt verlieben können, indem wir 36 Fragen stellen, dann muss etwas Ähnliches doch auch im Bezug auf Sex möglich sein—vor allem wenn echte Liebe unerreichbar erscheint. Deen genießt bei mir ein hohes Ansehen und ich ging davon aus, dass er in der Lage sei, mir Antworten zu liefern.

Nimm dir Zeit zum Reden und zum Zuhören

Er hat keine Antworten parat. Das macht mir Deen von Anfang an klar. Er ist sich bewusst, wie wichtig Kommunikation ist. Er ist stets bemüht, sich mit seinen Partnerinnen zu unterhalten und dabei deren Intentionen herauszufinden, um mit ihnen auf einen Nenner zu kommen.

„Wenn ich mit jemandem Sex habe, dann können die Wünsche und die Motivation körperlicher, emotionaler oder einfach nur geiler Natur sein", erzählt er. „Es geht darum, mit dieser Person zusammenzuarbeiten und gemeinsam etwas zu machen. Es gibt aber keinen Trick, der immer und bei jedem Menschen funktioniert."

Natürlich hat Deen auch schon mit Darstellerinnen gedreht, zu der er keinen Draht aufbauen konnte. Das ist normalerweise das Ergebnis eines der Einbildung geschuldeten Einstellungsproblems und es kommt dabei dann eine Szene heraus, bei der die Darsteller „zwar körperlich Sex haben, aber sonst nichts passiert und auch keine emotionale Verbindung besteht."

Er vergleicht das Ganze mit dem Unterschied zwischen Softcore- und Hardcore-Szenen. „Manchmal fühle ich einfach nichts. Man bekommt jedoch nur so viel heraus, wie man auch in die Sache reinsteckt."

Meine Erkenntnis: Normalerweise habe ich absolut keine Erwartungen und gehe die Mehrheit meiner Dates deswegen auch mit entsprechend wenig Enthusiasmus an. Ich lege dabei so viel Energie an den Tag wie beim Treffen mit einem Fremden, der mir durch einen entfernten Bekannten vorgestellt wurde—also ein Standard-Maß an Freundlichkeit inklusive gewissem Abstand. Meine wahre Wärme lasse ich zu Hause bei meinem Hund.

Wenn mir klar wird, dass das Ganze irgendwie nicht funktioniert, verschließe ich mich im Allgemeinen sehr schnell und bin für den (meist kurzen) Rest der gemeinsamen Zeit nur noch so höflich und freundlich, wie es eben nötig ist. Tiefgang steht dann für mich garantiert nicht mehr auf dem Programm. Diese distanzierte Reserviertheit ist meine stärkste Verteidigungswaffe, denn so zeige ich klar und deutlich, dass ich nicht interessiert bin.

Es steht natürlich außer Frage, dass ich mir von Deens offenherziger Vorgehensweise der emotionalen Anpassung schon mal eine Scheibe abschneiden könnte. Ich muss einfach mein Bestes geben, um eine Verbindung aufzubauen—ganz egal ob sich dabei jetzt wirklich etwas Bedeutsames entwickeln könnte oder nicht. Im Grunde ist nur wichtig, zusammen menschlich zu sein.

Lerne, wie man Verständnis zeigt

Wenn es darum geht, mit einer Person intim zu werden, die jetzt zum Beispiel nicht gerade die besten hygienischen Standards hat, dann gibt Deen sein Bestes, um sich nicht von seinen Vorurteilen leiten zu lassen. Dabei spielen Kommunikation und Verständnis wieder eine wichtige Rolle.

„Ich verurteile nicht die Sache selbst, sondern den Beweggrund dahinter", meint er. „Es heißt dann nicht ‚Oh, du putzt dir nicht die Zähne, weil du ein faules Schwein bist', sondern ‚Oh, du putzt dir nicht die Zähne, weil du gerade eine schlimme Infektion im Mund hast, die du nächste Woche behandeln lässt und wegen der dir das Zähneputzen zur Zeit nicht möglich ist.' So ist dann alles OK. Ich freue mich, dass du dich um dich kümmerst, und zeige Verständnis."

Meine Erkenntnis: Auch hier kann ich etwas von Deens Sympathie lernen und meinen Instinkt zurückschrauben, der bei mir so viele Typen von vornherein durchfallen lässt. Ich habe schon mal ein Date nach 20 Minuten abgeschrieben, weil ich es mit einem Kettenraucher mit gelben Fingern zu tun hatte (zum Glück sind wir draußen spazieren gegangen), und einen netten (aber beruflich für meinen Geschmack zu unentschlossenen) Kerl komplett abgeblockt, weil ich mich auf nichts anderes als sein riesiges Gerstenkorn konzentrieren konnte.

Ich will damit nicht sagen, dass allein diese spezifischen Makel für das Scheitern verantwortlich waren—aber sie halfen mir eben auch nicht gerade dabei, wirkliches Interesse zu zeigen. Allerdings werde ich mir von Deens verständnisvoller Seite bestimmt etwas abschauen und bewusster zuhören. So besteht hoffentlich eine größere Chance, auf irgendeine andere Art und Weise eine Verbindung herzustellen, selbst wenn die nicht von romantischer Natur sein sollte. Geschadet hat so etwas noch niemandem.

Genieße dein Leben, auch wen Sex vielleicht kein großer Teil davon ist

Selbst ein Mann, dessen künstlerisches Schaffen das tägliche Schlafen mit verschiedenen Frauen beinhaltet, sieht ein, dass das Leben selbst eine permanente Herausforderung ist.

„Man wird erwachsen, entwickelt einen Hass auf Menschen und erkennt, dass das Leben nicht immer leicht ist. Man muss viel Scheiß mitmachen. Wenn dieser Scheiß schließlich immer komplizierter wird, überträgt sich das auch auf dein Leben", erklärt Deen. „Wenn man dann einen Menschen finden will, mit dem man intim werden könnte, dann ist diese eigentlich unkomplizierte Sache dementsprechend plötzlich schwierig. Dann heißt es nicht mehr einfach nur ‚Ach, ich mag dich, du siehst hübsch aus, lass uns ficken.' Je älter man wird, desto mehr Erfahrungen macht man, und je mehr Erfahrungen man macht, desto komplizierter wird der ganze Scheiß. Das Leben ist hart."

Trotzdem würde ich Deen ohne zu zögern als einen durchwegs gut aufgelegten Menschen beschreiben, denn er sieht alles zuerst mal in einem positiven Licht—selbst deine allumfassenden Probleme, auf die auch er dir keine präzisen Antworten liefern kann.

„Die Tatsache, dass du dich überhaupt so intensiv mit deiner sexuellen Durststrecke befasst, zeigt mir, dass du dein Leben wirklich lebst. Genieße einfach dein Leben und der Rest kommt automatisch", meint Deen. „Sex ist zwar wichtig, aber eben auch nicht der Dreh- und Angelpunkt des Lebens. Es ist doch eigentlich schon verdammt interessant, dass unsere Gehirne dazu in der Lage sind, den Geschlechtsverkehr genießen zu können."

Meine Erkenntnis: OK, stell dir bitte mal kurz vor, wie die Luft aus einem prall gefüllten Luftballon entweicht. So ungefähr muss sich auch meine Anspannung entladen haben, denn ich war wirklich erleichtert zu hören, dass Deen—der berühmt dafür ist, mit regelmäßigem und energischem Geschlechtsverkehr sein Geld zu verdienen—Sex nicht für die wichtigste Sache der Welt hält.

Ich denke zwar häufig intensiv (und panisch) darüber nach, wo ich jemanden treffen könnte, mit dem ich im Bett lande, aber ich funktioniere trotzdem noch ganz gut, wenn ich einfach akzeptiere, wo im Leben ich gerade stehe. Bis sich die Dinge irgendwann ändern, tröste ich mich einfach weiterhin mit den Weisheiten und den faszinierenden Bildern, die Deen, sein offenes Herz und sein bemerkenswert steifer Penis für die Welt bereit halten.

Mehr VICE
VICE-Kanäle