Stuff

Wie es ist, in einem Hochsicherheitsgefängnis LSD zu nehmen

Im Knast gibt es alles, was zu einem schlechten Trip dazugehört: enge Räume, Gesetzeshüter, eine kahle, hässliche Umgebung—und dennoch kann LSD bei der vorübergehenden Flucht helfen.

von Seth Ferranti
14 Dezember 2015, 2:03pm

Mitten in der Höhle des Löwen ist eigentlich kein guter Ort für einen Acid-Trip. Ein Gefängnis beinhaltet so ziemlich alles, was zu einem schlechten Trip dazugehört: enge Räume, Gesetzeshüter, eine kahle, hässliche Umgebung—und als Bonus sind da noch gewalttätige Leute, die deinem psychedelisch angereicherten Verstand Schwierigkeiten bereiten können. Es ist eher wie Die Verurteilten als Alice im Wunderland.

Häftlinge mögen allerdings Drogen. Wenn du eingesperrt bist, willst du der Realität auf jede erdenkliche Art entkommen, und Drogen sind dafür die effektivsten Werkzeuge. Viele begnügen sich mit Gras, Alk oder synthetischem Stoff, aber im Grunde lässt sich absolut alles in eine Zelle schmuggeln, ganz egal, wo du eingesperrt bist.

Ich war ein gewaltloser Drogenstraftäter, der in den USA wegen einer Verschwörung zum LSD-Handel verurteilt wurde. In meinen 20 Jahren hinter Gittern bin ich einer großen Bandbreite an Psychedelika-Fans begegnet. Ich schaffte es, während meiner Haft ein wenig Acid in die Finger zu kriegen, und die Erfahrung war zutiefst abgefuckt. Doch bei anderen eingesperrten Psychonauten erweiterte der Trip nicht nur das Bewusstsein, sondern auch gleich die Gefängnismauern. Hier sind drei Geschichten darüber, wie es ist, in einem Hochsicherheitsgefängnis zu trippen, angefangen mit meiner eigenen Erfahrung.

Seth Ferranti
44 Jahre alt
Haftstrafe von 21 Jahren wegen Verschwörung zum Handel mit LSD

Man könnte sagen, dass ich LSD-Veteran bin. Bevor ich für wegen LSD-Handels 20 Jahre hinter Gittern verbrachte, hatte ich Tausende Trips geschmissen. Nachdem ich im Gefängnis gelandet war, dachte ich allerdings nicht mehr wirklich viel ans Trippen—vermutlich, weil es der Grund meiner Inhaftierung war. Stattdessen wurde ich zum Grasliebhaber. Ich schmuggelte es hinein, verkaufte es, rauchte es ... eine 25-jährige Haftstrafe hat mich in keinem der sieben Gefängnisse, in denen ich war, davon abgehalten, Drogen zu verkaufen. Egal wo ich eingesperrt war, ich schaffte es immer, mein Dope hineinzuschmuggeln, indem ich gefüllte Ballons schluckte.

Ein paar Jahre später fing ich an, daran zu denken, meine Sicht aufs Leben im Gefängnis zu ändern. Ein LSD-Trip klang wie das perfekte Mittel für diesen Zweck. Im Knast zu sitzen, kann einem das Gefühl geben, man habe Scheuklappen auf, die einem den Blick auf die Realität versperren, und manchmal muss man einfach die Türen der Wahrnehmung aufstoßen. Es war an der Zeit für mich, mein Bewusstsein über die kleine Welt meiner Zelle hinaus zu erweitern.

2005 saß ich in der Federal Correctional Institution Fairton in New Jersey und mein Mädchen sollte mir ein paar Ballons Gras mitbringen, die ich während ihres Besuchs schlucken wollte. Ich fragte sie außerdem, ob sie mir auch etwas Acid mitbringen könnte.

Als ich den Dancefloor erreichte—so nennen die Häftlinge den Besuchsraum—hatte mein Mädchen schlechte Nachrichten für mich. Sie hatte auf die Schnelle kein gutes Gras bekommen, das sie in Ballons hätte packen können, doch sie hatte „Blue Unicorn"-LSD für mich. Sie ging zum Snackautomaten, kaufte mir einen Hamburger, steckte ihn in die Mikrowelle, und platzierte den Pappen in dem Senf, den sie auf meinem Imbiss verstrich. Ich verschlang die Mahlzeit gierig in der Erwartung, bald schon mit meinem Mädchen im Besuchsraum zu trippen. Doch stattdessen kam es ein bisschen anders.

Ich fühlte mich wie in einem Film, doch es bräuchte schon ziemlich gestörte Filmemacher, um sich so eine fertige Erfahrung auszudenken.

Ich hatte viel Gras nach Fairton gebracht, und genau das war zufällig der Tag, an dem mich der örtliche Verräter an die Justizbeamten verpfiff. Sie umschwärmten mich, brachten mein Mädchen dazu zu gehen (nachdem sie sie ergebnislos durchsucht hatten) und schleiften meinen bemitleidenswerten Arsch in den Bunker. Der Burger mit dem kleinen Extra machte es sich zum Zeitpunkt ihres Zugriffs vermutlich gerade in meinem Dickdarm gemütlich.

Als meine Pupillen sich weiteten und meine Sicht seltsam wurde, brachten sie mich in das sogenannte Special Housing Unit oder SHU—die Isolationszelle. Dort gab es kein fließend Wasser, keine Matratze, kein Kissen, keine Toilette ... nichts. Sie zogen mich nackt aus und untersuchten meine Körperöffnungen, um sicherzugehen, dass ich nichts versteckte. Dann gaben sie mir ein Laken und ein Paar Unterhosen. Sie hatten ein großes Fenster in der Zellentür, sodass sie mich beobachten konnten, und zusätzlich gab es noch eine Überwachungskamera. Ich bin mir nicht sicher, was die Wachen am Bildschirm erwarteten zu sehen, doch die Aufnahmen zeigten ziemlich sicher nur einen verängstigten Insassen, der zufällig heimlich, still und leise einen kranken Trip schob. Ich fühlte mich wie in einem Film, doch es bräuchte schon ziemlich gestörte Filmemacher, um sich so eine fertige Erfahrung auszudenken.

Ich breitete mein Laken auf meinem Metallbett aus und legte mich unter den grellen Lichtern darauf. Ich kannte diesen ganzen Prozess schon, selbst wenn ich noch nie in einer solchen Zelle gewesen war. Im Laufe der nächsten 48 Stunden—um einiges länger als der Trip also—ließen mich die Wachen mindestens fünf Mal in eine Plastikschüssel koten, die mit einer durchsichtigen Plastiktüte ausgelegt war, um meine Scheiße einzusammeln und auf Drogen zu untersuchen.

MUNCHIES: Du solltest LSD zum Frühstück lutschen!

Als der Lieutenant des Gefängnisses meine Scheißeschüssel durchsuchte, sah ich nervös zu, während das Acid mit meinen Sinnen spielte. Ich wusste, dass ich (ausnahmsweise) clean war, doch die Droge löste eine unentrinnbare Paranoia aus, dass sie trotzdem etwas finden könnten. Was, wenn da Ballons in meiner Scheiße waren? Was, wenn da ein Tütchen war, das irgendwie in meinem Darm hängengeblieben war und das nun herauskam? Ich verlor den verdammten Verstand. Als ich endlich jede nur erdenkliche Inspektion bestanden hatte, fühlte sich meine Psyche an, als hätte sie jemand zusammen mit dem Burger in die Mikrowelle gesteckt. Die Erfahrung als absoluten Albtraum zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung.

Ich beruhigte mich etwas, als das Halluzinogen nachließ, aber es ist ja nicht so, als könnte man sich schlagartig von so etwas erholen. Die restliche Zeit im Bunker lag ich hauptsächlich auf dem kalten Metallbett und versuchte, nicht zu einer Pfütze zu zerfließen, während die Kamera jede meiner Bewegungen registrierte und die Leuchtstoffröhre weiter gleißte.

Ich hatte mir meine erste psychedelische Erfahrung im Gefängnis als eine Flucht jenseits des Stacheldrahts und der Mauern vorgestellt, doch stattdessen brachte sie mich noch tiefer in den Abgrund der Inhaftierung. Seitdem habe ich natürlich kein Acid mehr genommen.

John „Judge" Broman
35 Jahre alt
Haftstrafe von 16 Jahren wegen Bankraubs

Ich war während meiner Zeit in Freiheit ein Deadhead—ein Yoga liebender, Marihuana rauchender, LSD schmeißender Hippie-Narr. Ich hatte auch schon mit Heroin herumgespielt, und das war auch der Grund, warum ich eine 16-jährige Haftstrafe in einem Bundesgefängnis bekam: Ich hatte eine Bank überfallen, um meine Sucht zu finanzieren. Ich rauchte im Gefängnis Unmengen Weed und trank extrem viel Gefängnis-Fusel, doch Acid kam mir zum ersten Mal im achten Jahr meiner Strafe unter.

Ich halte LSD für ein Sakrament. Es sollte als Werkzeug verwendet werden, um einen „dorthin zu bringen", doch wohin man eigentlich geht, hängt stark von der Perspektive ab. Ich war in der United States Penitentiary Pollack eingesperrt, als ich die Chance auf eine Reise bekam. Ein Deadhead-Kumpel von mir hatte bereits einige Zeit in Bundesgefängnissen abgesessen, und er wusste, wie man alles Mögliche an Schmuggelware in Gefängnisse wie meines bekam. Als er mir einen gehörige Portion Acid per Post schickte, sah die Sendung in meinen Augen allerdings aus wie der auffälligste Scheiß der Welt: eine Dr.-Seuss-Karte, auf der stand „Wie schön! So viel wirst du sehn!" und auf der ein riesiger Fleck anzeigte, wo er das LSD hin gespritzt hatte. Er hatte versucht, den Fleck weniger auffällig zu machen, indem er mit Filzstiften außenherum gemalt hatte, doch das machte es nur noch weniger subtil. Egal, das Ding hatte es ins Gefängnis und in meine Hände geschafft.

Pollack war ein Knast, wo Gewalt zum Alltag gehörte, und dort tagsüber mit einem Kopf voller Acid herumzuspazieren, war keine verlockende Vorstellung. Sie sagen, du kannst einen Mann den Rücken zukehren, aber niemals einer Droge. Im Gefängnis wollte ich keinem von beiden so weit trauen. Also versammelte ich eine Crew von vertrauenswürdigen Männern und zusammen planten wir, wo und wann wir uns die Psychedelika reinziehen würden. Zu der Crew gehörten mein Zellennachbar, der für Drogenschmuggel mehrmals lebenslänglich bekommen hatte, und ein ehemaliger Meth-Süchtiger, der schon immer mal Acid hatte probieren wollen. Wir hatten vor, das LSD nachts zu nehmen, nachdem sie uns in unseren Zellblock eingesperrt hatten, wo es schön sicher war.

Sie sagen, du kannst einen Mann den Rücken zukehren, aber niemals einer Droge. Im Gefängnis wollte ich keinem von beiden so weit trauen.

Gegen 21 Uhr fing die Droge an zu wirken. In unserer Zelle hatten wir eine Akustikgitarre, einen Bass, ein ordentliches Sound-System mit Verstärker und geklauten Boxen, die wir aus dem Waschraum geplündert hatten. Wir brauchten etwas zum Viben, wenn das Acid erst einmal wirkte.

Wir machten die Lichter aus und entzündeten selbstgemachte Kerzen und Räucherstäbchen in der Zelle. Dann fingen wir drei an, bei geringer Lautstärke Punk-Songs zu spielen, so dass man uns nicht erwischen würde. Die nächsten paar Stunden jammten wir so vor uns hin. Es fühlte sich an wie eine Seance mit Live-Musik.

Ab einem gewissen Zeitpunkt verfiel mein Nachbar in Depressionen, weil die Tatsache, dass er lebenslänglich bekommen hatte, langsam zu ihm durchdrang. Ich dagegen konnte zu „mir" zurückkehren und fing an, über die acht Jahre Gefängnis nachzudenken, die noch vor mir lagen. Zum ersten Mal seit Beginn meiner Strafe fühlte sich die Tatsache, dass ich eines Tages freikommen würde, real an. Ich steckte im Gefängnis fest, aber nicht für immer. Ich hatte ein Datum. Meine Inhaftierung würde nicht mein ganzes Leben bestimmen—und allein diese Offenbarung veränderte schon mein Leben.

Der Rest des Trips verlief geschmeidig, doch die Erfahrung war für mich eine Art Meilenstein. Der Rest meiner Haftstrafe wirkte kürzer. Wenn mich die Leute fragten, wie lange ich noch hätte, antwortete ich: „Bald geht's für mich nach Hause." Sie fragten, wie lange noch, und ich sagte, acht Jahre. Dann lachten die Anderen und sagten, auf Rasierklingen ließe sich das ja nicht gerade absitzen, oder was auch immer. Wenn du als junger Mann mehrere Jahrzehnte absitzt, dann fühlt sich die Strafe endlos an. Aber dank der Dr.-Seuss-Karte wusste ich, dass „So viel wirst du sehn!" sich auf Dinge außerhalb des Knasts bezog.

Tim
47 Jahre alt
Lebenslängliche Haftstrafe wegen Verschwörung zum Verkauf von LSD

1993 saß ich in einem County-Gefängnis und wartete darauf, für eine Verurteilung wegen LSD-Handels in ein Bundesgefängnis gebracht zu werden. Ich war seit sechs Monaten dort und verbrachte meine Zeit damit, 22 Stunden täglich zu schlafen und den Rest der Zeit Süßkram aus dem Gefängnisladen zu essen, um mit den Depressionen klarzukommen, unter denen ich angesichts meiner bevorstehenden Strafe litt. In weniger als einem halben Jahr dort hatte ich 25 Kilo zugenommen.

Ich wusste: Wenn ich irgendwie etwas Acid in die Finger kriegen könnte, dann hätte ich noch eine Chance darauf, ein wenig zu leben, bevor ich ins richtige Gefängnis kam. Ich hatte Geburtstag und Freunde schickten mir 30 Acid-Trips per Post—sechs unter jeder Briefmarke, so wie die Deadheads LSD durch die gesamten USA schickten. Ich nahm an jenem Abend drei Portionen.

Während meines Trips stellte ich mir eine Weltbühne vor, auf der The Grateful Dead waren, zusammen mit einem Mann, den ich Jahre später als Präsident Obama erkennen würde, ob ihr es glaubt oder nicht. Das war vor seiner Zeit als Präsident und ich wusste damals nicht, wer er war, aber ich denke, dass ich ihn gesehen habe, oder jemanden, der aussah wie er. Ich stellte mir vor, dass ich auf die Bühne ging und ihm die Hand schüttelte. Es war eine Erfahrung, die mir die Augen öffnete und mich aus meinem kaputten Zustand holte. Am nächsten Tag fing ich an zu trainieren und beschloss, dass ich wieder leben wollte, auch wenn ich eine lange Haftstrafe vor mir hatte.

Als ich 1994 ins richtige Gefängnis, die USP Atlanta, verlegt wurde, schickte mir ein Freund ein A4-Blatt, auf dem überall Acid verteilt war. Irgendwie haben die das bei der Gefängnispost übersehen. Es mussten mehr als 1.000 Trips auf dem Blatt sein. Danach trippten ich und meine Gefängnisfreunde dauernd. Es war, als wären wir mit den Dead auf Tour.

Hauptsächlich nahm ich das LSD im Gefängnis nur nachts, damit ich mich an die Band erinnern und die Droge als Sakrament schätzen konnte. Einmal überzeugten mich meine Freunde allerdings, um 7 Uhr morgens welches zu nehmen. Wie der Zufall so spielt, wurde ich um 9 zum Lieutenant bestellt. Ich hatte drei Hits genommen und flog einfach nur noch. Ich verhielt mich unauffällig, doch der Vorfall reichte aus, um mich danach zweimal überlegen zu lassen, ob ich im Knast so beiläufig trippen wollte.

Mehrere Jahre nach dem ersten Trip im County-Gefängnis erhielt ich ein weiteres unfassbares Geburtstagsgeschenk in Form eines Büchleins, in dem noch einmal Dutzende Trips steckten. Als ich dieses Acid nahm, sah ich dieselbe Bühne mit dem Präsidenten und The Grateful Dead wie fast 20 Jahre zuvor. Diesmal erkannte ich Obama und kam zu dem Schluss, dass er es gewesen sein musste, den ich bei meinem ersten Gefängnistrip gesehen hatte. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich davon träume, von Obama begnadigt zu werden—denn anders komme ich aus meiner lebenslangen Strafe nicht raus. Ich glaube, wenn ich nicht vor all den Jahren diese drei Trips unter den Briefmarken genommen hätte, dann wäre ich jetzt gar nicht mehr am Leben.