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Drogen

In den USA kommen Wissenschaftler leichter an LSD als an Marihuana

Eine über 50 Jahre alte Regelung verhindert eine breitere Untersuchung der therapeutischen Potentiale von Weed. Denn staatliche Forschungsinstitute teilen nicht gerne.
18.3.14

Dr. Sue Sisley raucht kein Gras. Sie ist Wissenschaftlerin und Dozentin an der University von Arizona und arbeitet zusätzlich auch als Psychiaterin und Medizinerin für Kriegsveteranen, die mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) kämpfen. In ihrem Labor hat Sisley alle ihr gegebenen Möglichkeiten zur legalen Behandlung von PTBS ausgereizt. Dabei ist ihr aufgefallen, dass Marihuana die einzige Medizin ist, die die Dämonen ihrer Patienten bändigen kann. Seitdem hat Sisley alles Menschenmögliche getan, um wissenschaftlich anerkanntes Cannabis produzieren zu dürfen.

Sie ist gescheitert. Und das überrascht nicht wirklich.

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Wann ist es einfacher an LSD zu kommen als an Gras? Als Wissenschaftler in den USA. Es ist in der Tat leichter an MDMA, LSD und jede andere als „Schedule 1“ klassifizierte und reglementierte Droge ranzukommen, als von der US-Regierung genehmigte wissenschaftliche Studien mit Marihuana durchzuführen. Warum? Um dir beispielsweise LSD und MDMA zu besorgen musst du nur die beliebte Drogenvollzugsbehörde DEA, ein institutionelles Verwaltungsgremium, und die Inspektoren der Arzneimittelzulassung FDA überzeugen.

Um jedoch an staatlich zugelassenes Cannabis zu kommen, musst du dieselben drei Hürden meistern und zusätzlich noch die Zustimmung des „National Institute on Drug Abuse“ (NIDA) bekommen. Und das Forschungsinstitut NIDA mag es schon aus Tradition nicht zu teilen. Sie haben das Monopol auf medizinisches Marihuana.

Ich habe versucht NIDA zu kontaktieren, aber sie haben mich letztlich nur auf ihre Webseite verwiesen, die das Einheitsabkommen über Betäubungsmittel aus dem Jahr 1961 als Grund anführt, warum sie als einziger Produzent von wissenschaftlichem Weed fungieren dürfen. In der UN-Regelung heisst es: „Die medizinische Verwendung von Betäubungsmitteln bleibt unabkömmlich für die Minderung von Schmerz und Leid.“ Auf der NIDA-Webseite steht dazu außerdem: „Bis heute gab es 18 Anfragen, durch Wissenschaftler, die nicht vom staatlichen Gesundheitsprogramm der NIH gefördert werden, Marihuana für medizinische Forschungszwecke zu verwenden. 15 dieser Anfragen wurden bewilligt und es wurde Forschungsmarihuana zur Verfügung gestellt.“

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Zwei dieser Anfragen stammen von MAPS, einem multidisziplinären Zusammenschluss von „Psychedelic Studies.“ Sisley hat sich mit MAPS zusammengetan und möchte eine verschreibbare medizinische Versionen der pflanzlichen Form von Marihuana entwickeln. Die Zusammenarbeit von MAPS und Sisley hat es über jede Hürde des komplizierten Bewilligungsverfahren geschafft—außer der Zustimmung durch die NIDA.

„Dieser zusätzliche Bewilligungsschritt dient nur der Verhinderung von Studien, die Marihuana zu einer national legitimierten Medizin machen könnten“, sagte mir Brad Burge vom MAPS.

„Es gibt viele Wissenschaftler, die von der NIDA Marihuana für einzelne Studien mit synthetischen Cannabinoiden, wie auch für nicht-rauchende Anwendungen bekommen“, fügt Bürge hinzu. Für seine Untersuchungen schauen sie sich allerdings an, wie ein natürlicherer und gesünderer Konsum möglich ist, als durch das gute alte Rauchen:

Wir würden gerne mehr über die relative Sicherheit und Wirksamkeit vom Rauchen im Vergleich zum Verdampfen wissen. Ob Marihuana mit variierenden Dosierungen von THC und CBD beispielsweise unterschiedliche Auswirkungen auf PTBS haben, und ob es helfen kann die Symptome von Kriegsveteranen mit chronischen nicht heilbaren PTBS zu heilen.

Charakteristisch für PTBS ist eine extreme Anspannung, die häufig das Ergebnis physischer oder psychischer Verletzungen ist. Im Angesicht einer potentiell tödlichen Situation fühlen wir Angst und reagieren mit Widerstand oder Flucht. PTBS entsteht wenn diese Reaktionen geschädigt sind und die Personen sich selbst dann noch fürchten oder gestresst fühlen, wenn sie gar nicht mehr in Gefahr sind.

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Die Krankheit trifft überproportional oft Soldaten, die in Kriegszonen gekämpft haben. Sie entwickeln ihre Symptome durch die Abfolge gefährlicher Situationen, in denen sie sich wiederfanden, und kehren emotional verkrüppelt nach Hause zurück. Das Kriegsveteranenministerium der Vereinigten Staaten gibt an, dass fast 300.000 Veteranen alleine in den USA mit PTBS diagnostiziert wurden, auch wenn die Anzahl aufgrund mangelnder Diagnosen höchstwahrscheinlich noch höher ist.

Der renommierte israelische Neurowissenschaftler Dr. Raphael Mechoulam hat entdeckt hat, dass THC zur einer positiven Auslöschung von Erinnerung führen kann: „Du hast immer einen Gedächtnisverlust zu verzeichnen. Aber Marihuana kann das Auslöschen von Erinnerung stimulieren.“ Er argumentiert, dass dieser Verlust dabei helfen kann Erinnerungen von externen Stimuli wie lauten Geräuschen oder hellem Licht zu trennen, welche schreckliche Erinnerungen wieder auslösen können. Wir haben früher schon berichtet, dass Weed gegen posttraumatische Belastungsstörungen helfen kann. Aber du wirst dennoch kaum um eine Therapie herumkommen.

MAPS und Sisley wollen ihre eigenen Studien durchführen, aber warten immer noch auf eine Antwort zu ihrer zweiten Anfrage bei der NIDA. Die Forscher vom MAPS versuchen sich schon seit 14 Jahren an ausgiebigen Studien, aber nach einer Ablehnung ihrer PTBS-Studie im Jahr 2011 warten sie bis heute auf eine Reaktion auf ihre überarbeitete Einsendung vom Oktober 2013.

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Das Problem mit dem Verweis auf das Einheitsabkommen ist laut Bürge, dass das UN-Abkommen nur berücksichtigt wird, wenn es den Behörden der USA gerade passt. Er findet, dass es besser wäre, wenn die Vereinigten Staaten sich aus der Vereinbarung zurückziehen und es anderen überlassen das Forschungsmarihuana zu züchten. Die Abmachung fordert, dass du genau einen Lieferanten brauchst, der dann deinen Bedarf abdecken soll—aber dieser Bedarf wird eben durch die bisherigen Wege nicht abgedeckt. Sein Institut möchte eine eigene Zuchtanlage aufbauen, was die NIDA natürlich nicht erlaubt.

In einer Studie aus dem Jahr 2001 konnte er zeigen, dass verdampfendes Marihuana in Bezug auf die Carbon Monoxide vorteilhaft gegenüber dem Rauchen von Weed ist—was hilfreich ist um die Verringerung der Gefahren zu bewerben.

„Wir haben NIDA-Marihuana von einer unserer barmherzigen Patiententinnen verwenden dürfen, die mit medizinischem Marihuana ausgestattet wurde. Sie hat ihr Weed an ein von der DEA zertifiziertes Labor geschickt, welches unsere Studie zur Wirksamkeit von medizinischem Marihuana durchgeführt hat und hochpotentes Weed von entsprechenden Ausgabestellen getestet hat“, erzählte mir der MAPS Gründer und Präsident.

Solange aber die NIDA ihnen selbst kein Weed zum Untersuchen zur Verfügung stellt, werden sie nicht in der Lage sein eine in den USA landesweit anerkannte Untersuchung durchzuführen, die helfen könnte den medizinischen Wert und die Effekte der verschiedenen Konsummethoden für die Behandlung von PTBS-Patienten zu bemessen. Unterdessen haben Wissenschaftler und Ärzte insbesondere außerhalb der USA gezeigt, dass es vielversprechende Resultate in der Behandlung von PTBS mit Weed geben kann. Sisley und MAPS wollen der Regierung zeigen, dass Weed nachhaltig das Leben von Menschen verändern kann. Es könnte zum Beispiel gegen die grausame Statistik helfen, dass in den USA alle 65 Minuten ein Veteran Selbstmord begeht.

In jedem Fall würde eine offenere Erforschung von medizinischem Marihuana dabei helfen, zu klären welche Rolle Weed in der Zukunft nachhaltiger Gesundheitsfürsorge spielen kann.