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This is Thailand: Auslandsstudium im Entwicklungsland

Wenn man Thailand hört, denkt man häufig an Strand, Sextourismus und Shemales. Woran man weniger denkt: sein Auslandssemester dort zu absolvieren, wo doch gerade erst 4 Menschen durch Bomben verletzt wurden.
26.3.14

Als ich die mit mir auf Facebook verbandelte Meute nach ihren ersten Assoziationen zu Thailand befragte, hat das so einiges ans Tageslicht befördert. Die meisten denken an Sonnenbaden, Sandstrand, Full Moon Party und grausige, bevorzugt europäische Sextouristen, die es auch in weiblich gibt (in meiner ersten Woche hier hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, eine abgewrackten Mittvierzigerin beim Abschleppen schmächtiger Thai-Boys zu beobachten—die Ausbeute wurde dann beim Frühstücksbuffet den restlichen Hotelbewohnern präsentiert).

Opiumschmuggel und die Proteste in Bangkok fielen auch noch wem ein. Und nicht zu vergessen: Ping Pong-Show und Shemales. Die Weiten des Internets liefern hier faszinierende visuelle Eindrücke.

Aber Studieren in Thailand? Und das auch noch in einer Stadt, in der letzte Woche vier Menschen durch Bomben verletzt wurden? Scheint zwar nicht gerade reizvoll, aber ich bereue nicht, wie es dazu kam:

Dem Bürokratiemoloch Uni Wien nach unzähligen Schweißausbrüchen, Schimpftiraden und einem gezielt eingesetzten Heulanfall vor der Studienprogrammleitung mit dem akademischen Titel des Bachelor of Arts entflohen, kam nach der ersten Erleichterung dieser bedrohliche Sumpf der Ungewissheit auf mich zu, den wohl alle Twentysomethings kennen und der meist in der Frage wurzelt: Was fang ich jetzt eigentlich mit meinem Leben an?

Als ambitionierte Studentin, die ich selbstverständlich immer war, hab ich mein Studium nach dem vorletzten Semester pausiert, um stattdessen für fünf Monate den Freuden des Asien-Backpacker-Erlebens zu frönen. Irgendwann war der Spaß dann vorbei (ergo: das Konto leer) und so kehrte ich widerwillig nach Wien zurück, um doch noch dieses Studium zu beenden. Das darauffolgende Dreivierteljahr in Österreich war trist und der Plan schnell geschmiedet: meinen Master mach ich woanders, am besten ganz weit weg.

Ein paar glückliche Fügungen später (hier gibt's den Master den ich will! Auf Englisch! In meiner Lieblingsthaistadt!) bin ich also in Chiang Mai, Nordthailand—dem meersuchenden Pauschaltouristen wohl weniger bekannt, aber bei den abenteuerliebenden umso beliebter—gelandet und stelle mich dem Aufnahmeprozedere für Development Studies an der größten hiesigen Uni. Ob die Idee gut war, einiges an Studiengebühren in die von Thaksin und Friends geplünderten Staatskassen zu spülen, statt in Österreich einfach gratis zu studieren, wird sich erst noch zeigen.

Mittlerweile lebe ich seit vier Wochen hier. Das thailändische Meer ist knappe 700 Kilometer weit weg (gut, nach Burma wär's ein bisschen näher, aber wie gerne die dort Touristen reinlassen, wissen wir ja) und mit 160.000 Einwohnern im Vergleich zur Megacity Bangkok, bin ich hier in der reinsten Kleinstadtidylle gelandet—auch wenn das Adjektiv idyllisch unter österreichischen Gesichtspunkten sicher anders definiert wird.

Die kleinen Probleme des Alltags sind natürlich andere: Statt mich über Mistwetter und Regen aufzuregen, fordert mich die schier unbesiegbare Ameisenkolonie in meinem Küchenkastl. Eine Möglichkeit wäre, sie zu verkochen—Fried vegetables with ant eggs ist fester Bestandteil der lokalen Küchentradition. Außerdem: warum gibt's in Thailand keine simplen Haargummis zu kaufen? Und ganz generell: wie besteht man in einem Land, in dem dich keiner versteht?

In Thailand ist übrigens nicht immer schlechtes Wetter, nur weil es auf den Fotos so wirkt. Mehr dazu das nächste Mal.